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Elsässer Weinstraße: Route & Dörfer

Die Elsässer Weinstraße schlängelt sich über rund 170 Kilometer am Fuß der Vogesen entlang, von Marlenheim bei Straßburg bis Thann im Süden. Links Rebhänge, rechts Fachwerkdörfer mit Storchennestern, dazwischen Winzerhöfe, in denen seit Generationen Riesling und Gewurztraminer ausgebaut werden. Es ist die älteste Weinstraße Frankreichs und eine der schönsten Autorouten Europas.

Hier findest du die Route in drei Etappen, die Dörfer, die du nicht auslassen solltest, einen ehrlichen Plan für Weinproben ohne Alkohol am Steuer und den besten Zeitpunkt für einen Besuch, von der Weinlese bis zu den Weihnachtsmärkten.

Elsässer Weinstraße: Route & Dörfer
Foto: Florival fr, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionElsass, zwischen Vogesen und Rheinebene
  • LängeRund 170 Kilometer, Marlenheim bis Thann
  • BestehenSeit 1953, älteste Weinstraße Frankreichs
  • RebsortenRiesling, Gewurztraminer, Pinot Gris, Crémant
  • Ideale Dauer2 bis 3 Tage, als Basis eignet sich Colmar
  • Beste ReisezeitMai bis Oktober, Weinlese im September, Advent

Was die Weinstraße besonders macht

Die Route des Vins d’Alsace wurde 1953 eröffnet und verbindet rund 70 Weinorte im Elsass. Das Besondere ist die Dichte: Alle paar Kilometer taucht das nächste Dorf auf, jedes mit eigenem Charakter, vielen Winzern und mindestens einer Winstub, in der Flammkuchen und Choucroute auf den Tisch kommen. Du kannst die Strecke theoretisch an einem Tag abfahren, aber dann hast du sie nur gesehen, nicht erlebt. Zwei bis drei Tage sind das richtige Maß.

Über allem liegt die Kulisse der Vogesen mit ihren Burgruinen: Die bekannteste, die Hohkönigsburg, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts komplett wiederaufgebaut und wacht über den mittleren Abschnitt der Route; an klaren Tagen reicht der Blick von oben bis zum Schwarzwald. Und das Weinwissen dazu: 51 Lagen im Elsass dürfen sich Grand Cru nennen, viele Dörfer der Route liegen direkt an ihren Hängen.

Als Basis eignet sich Colmar perfekt: Die Stadt liegt mitten im Weinbaugebiet, die berühmtesten Dörfer erreichst du in unter 20 Minuten, und das Viertel Klein-Venedig ist selbst ein Grund für die Reise. Wer lieber im Dorf wohnt, nimmt Riquewihr oder Eguisheim und erlebt die Gassen abends ohne Tagesgäste; Ribeauvillé und Obernai sind gute Alternativen mit etwas mehr Infrastruktur.

Ein Detail, das viele überrascht: Von Frühjahr bis Spätsommer klappern auf etlichen Dächern und Kirchtürmen Störche, das Wappentier der Region. In Hunawihr kannst du im Storchenpark sogar bei der Aufzucht zusehen. Halte unterwegs einfach die Augen offen, die Nester sitzen oft direkt über den Hauptgassen.

Die Route in drei Etappen

Etappe Strecke Höhepunkte Zeit
Nord Marlenheim bis Dambach-la-Ville Obernai, Mont Sainte-Odile, Mittelbergheim 1 Tag
Mitte Ribeauvillé bis Colmar Riquewihr, Hunawihr, Kaysersberg, Colmar 1 bis 2 Tage
Süd Eguisheim bis Thann Eguisheim, Rouffach, Guebwiller 1 Tag

Wenn du nur einen Tag hast, fahr die Mitteletappe: Auf 30 Kilometern liegen hier die berühmtesten Dörfer der gesamten Strecke. Mit zwei Tagen ergänzt du den Süden um Eguisheim, mit drei Tagen nimmst du den ruhigeren Norden dazu, wo Obernai mit seinem Marktplatz und der Wallfahrtsberg Mont Sainte-Odile warten.

Der Norden lohnt sich vor allem für Wiederkehrer: Obernai hat mit Kapellturm und Sechs-Eimer-Brunnen einen der schönsten Marktplätze des Elsass, der Mont Sainte-Odile bietet Kloster, Panoramaterrasse und die rätselhafte Heidenmauer im Wald, und Mittelbergheim gehört als eines der wenigen nördlichen Dörfer zu den Plus Beaux Villages. Dambach-la-Ville schließlich ist ein Weinort ohne Rummel, mit Fachwerk hinter seinen alten Stadttoren.

Die Dörfer, die du nicht auslassen solltest

Riquewihr ist der Star: eine komplett erhaltene Stadtmauer, dahinter eine ansteigende Hauptgasse voller bunter Fachwerkhäuser, umgeben von Grand-Cru-Lagen wie dem Schoenenbourg. Entsprechend voll wird es ab dem späten Vormittag, komm früh oder bleib zum Abend.

Kaysersberg hat als einziges der großen Dörfer einen Fluss im Zentrum, dazu eine befestigte Brücke und eine Burgruine mit Blick über die Dächer. 2017 wählten die Franzosen es zu ihrem Lieblingsdorf. Eguisheim südlich von Colmar ist in Ringen um seine Burg gebaut und wirkt trotz allem Ruhm noch wie ein Arbeitsort: Traktoren zwischen Fachwerk, Winzerhöfe mit offenen Toren.

Dazwischen lohnen die kleineren Namen: Hunawihr mit seiner Wehrkirche zwischen den Reben und dem Storchenpark, Ribeauvillé mit drei Burgruinen über dem Ort, Turckheim mit seinem Nachtwächter-Rundgang im Sommer. Welche Dörfer es landesweit in die Spitzengruppe schaffen, zeigt die Übersicht der schönsten Dörfer Frankreichs.

Tipp: Plane maximal drei Dörfer pro Tag und dazwischen Zeit in den Reben: Zwischen Riquewihr und Hunawihr führen markierte Winzerpfade durch die Lagen, eine halbe Stunde zu Fuß mit Panorama, das du vom Parkplatz aus nie bekommst.

Zwei Tage an der Weinstraße: ein konkreter Plan

Tag 1 gehört dem Süden: morgens durch das Klein-Venedig von Colmar, bevor die Gruppen kommen, danach die Ringgassen von Eguisheim und mittags Flammkuchen in einem Winzerhof. Nachmittags Turckheim und eine erste Weinprobe, abends zurück in Colmar zum Abendessen am Kanal.

Tag 2 nimmt die Königsetappe: früh nach Riquewihr, danach zu Fuß durch die Reben nach Hunawihr zur Wehrkirche, mittags weiter nach Ribeauvillé unter den drei Burgruinen. Den Abschluss macht Kaysersberg mit Brücke, Burg und Abendlicht auf dem Fachwerk. Wer einen dritten Tag hat, hängt die Hohkönigsburg und den Norden um Obernai an. Alle Etappen sind kurz, kein Fahrtabschnitt dauert länger als eine halbe Stunde, du kannst also jederzeit spontan anhalten, wenn ein Winzerschild oder ein Aussichtspunkt lockt.

Weinprobe: probieren, ohne betrunken zu fahren

Fast jeder Winzerhof hat einen Probierraum, oft reicht ein Klingeln am Tor. Typisch sind kleine Mengen von mehreren Weinen, vom trockenen Riesling über Pinot Gris bis zum süßen Gewurztraminer, und niemand erwartet, dass du austrinkst: Der Spucknapf auf dem Tresen ist für genau diesen Zweck da und gilt als völlig normal.

Achtung: In Frankreich gilt eine Promillegrenze von 0,5, und auf den kurvigen Dorfstraßen wird kontrolliert. Bestimmt vor der Tour, wer fährt und nüchtern bleibt. Alternativen: eine geführte Weintour ab Colmar oder Straßburg buchen, oder im Dorf übernachten und abends zu Fuß zur Probe gehen.

Kaufen lohnt sich übrigens direkt beim Winzer: Die Preise sind fair, und ein Karton Crémant d’Alsace ist das bessere Mitbringsel als jeder Kühlschrankmagnet. Wenn du im September oder Oktober unterwegs bist, erlebst du die Weinlese samt Erntewagen auf den Straßen und neuem Federweißer in den Höfen. Warum der Herbst insgesamt Frankreichs entspannteste Reisezeit ist, liest du im Beitrag zu Frankreich im Herbst.

Zur Orientierung im Glas: Riesling ist hier trocken und mineralisch, Pinot Gris kräftiger, Gewurztraminer duftet nach Rosen und Litschi und begleitet Münsterkäse ebenso wie Desserts. Der Crémant d’Alsace, nach traditioneller Methode in der Flasche vergoren, ist der meistunterschätzte Schaumwein Frankreichs. Wer sich systematisch durchprobieren will, fragt nach einer Verkostung entlang der Rebsortenleiter, viele Höfe bieten genau das an.

Winstub: was auf den Tisch kommt

Die Winstub ist das elsässische Gegenstück zum Wirtshaus: dunkles Holz, karierte Tischdecken, ehrliche Küche. Bestell einen Flammkuchen, hauchdünn und direkt aus dem Ofen, oder die Choucroute garnie, Sauerkraut mit Würsten und geräuchertem Fleisch. Dazu kommen Baeckeoffe, der über Stunden geschmorte Eintopf aus drei Fleischsorten, und zum Nachtisch ein Stück Kougelhopf. Der Munster aus den Vogesentälern gehört auf jede Käseplatte, und als Wein passt fast immer ein trockener Riesling. Viele Winstubs sind klein, reserviere abends einen Tisch.

Die Weinstraße im Advent

Ab Ende November verwandelt sich die Region in einen einzigen Weihnachtsmarkt: Colmar verteilt mehrere Märkte durch die illuminierte Altstadt, Riquewihr und Kaysersberg schmücken jede Gasse, und in Straßburg steht mit dem Straßburger Weihnachtsmarkt der älteste Frankreichs. Glühwein heißt hier Vin chaud, dazu gibt es Bredele-Gebäck und Männele-Hefemännchen. Die Märkte laufen üblicherweise von Ende November bis kurz nach Weihnachten, und jedes Dorf setzt eigene Akzente, von mittelalterlich in Riquewihr bis familiär in Eguisheim.

Gut zu wissen: Die Adventswochenenden sind die vollsten Tage des gesamten Jahres, voller als jeder Sommertag. Unterkünfte in Colmar und den Dörfern sind Monate im Voraus ausgebucht, und die Ortszufahrten werden teils gesperrt. Komm unter der Woche und nutze Park-and-Ride-Angebote am Ortsrand.

Praktisch: Anreise und Fortbewegung

Mit dem Auto ist die Weinstraße ein Selbstläufer, die Strecke ist durchgehend als „Route des Vins“ ausgeschildert. Aus Deutschland bist du über Straßburg oder Basel schnell dort, Mulhouse bildet das südliche Ende der Region. Ohne Auto nimmst du den Zug nach Colmar und ab dort Regionalbusse in die Dörfer oder ein Leihrad: Der Radweg entlang der Weinstraße ist flach bis sanft hügelig und führt mitten durch die Lagen. Auch eine Städtereise nach Straßburg lässt sich gut mit ein bis zwei Dorftagen kombinieren.

Noch unentschlossen, in welche Ecke Frankreichs es gehen soll? Der Vergleich Elsass oder Provence hilft bei der Wahl zwischen Fachwerk und Lavendel.

Häufige Fragen

Wie lange braucht man für die Elsässer Weinstraße?

Zwei bis drei Tage sind ideal. An einem Tag schaffst du die Mitteletappe mit Riquewihr, Kaysersberg und Eguisheim, mit einem zweiten Tag kommen der Süden und Colmar dazu, mit einem dritten der ruhigere Norden um Obernai. Die reine Fahrstrecke von 170 Kilometern ist nicht das Thema, die Stopps sind es.

Welches ist das schönste Dorf an der Weinstraße?

Riquewihr ist das spektakulärste, Eguisheim das charmanteste, Kaysersberg die beste Mischung aus Kulisse und echtem Leben. Wer Trubel meiden will, fährt zusätzlich nach Hunawihr oder Mittelbergheim. Ehrliche Antwort: Auf 20 Kilometern liegen hier mehr Bilderbuchdörfer, als ein Wochenende fassen kann.

Kann man die Weinstraße ohne Auto erleben?

Ja, mit Einschränkungen. Basis Colmar, dann Regionalbusse in die umliegenden Dörfer oder ein Leihrad für den flachen Radweg durch die Reben. Geführte Halbtages- und Tagestouren ab Colmar und Straßburg fahren die berühmten Dörfer ab und lösen nebenbei das Weinproben-Problem: Es fährt jemand anders.

Wann ist die beste Reisezeit für die Weinstraße?

Mai bis Anfang Oktober für Reben in Grün, offene Höfe und Dorffeste, im September mit dem Extra der Weinlese. Der Advent ist die stimmungsvollste, aber auch vollste Zeit mit Weihnachtsmärkten in fast jedem Dorf. Am ruhigsten sind März und April, dann sind die Reben allerdings noch kahl.

Was kostet eine Weinprobe beim Winzer?

Viele Winzer schenken kostenlos oder für einen kleinen Betrag aus, in der Erwartung, dass du bei Gefallen ein paar Flaschen kaufst. Es ist keine Kaufpflicht, aber eine höfliche Geste, die gut funktioniert: Elsässer Weine sind ab Hof deutlich günstiger als zu Hause im Handel.