Auf einen Blick
- RegionKorsika, französische Mittelmeerinsel
- Bekannt fürBerge über 2700 Meter, Traumbuchten, Genueser Türme, GR20
- Wichtigste OrteAjaccio, Bastia, Bonifacio, Calvi
- Ideale Dauer10 bis 14 Tage
- Beste ReisezeitMai, Juni und September
- AnreiseFähre ab Südfrankreich oder Italien; im Sommer Direktflüge
Was Korsika ausmacht
Die Insel der Schönheit, Île de Beauté, ist vor allem eine Insel der Kontraste: Vormittags stehst du auf einem Bergpass im Nebel, nachmittags liegst du an einem Strand, der es mit der Karibik aufnimmt. Dazwischen liegen Dörfer aus Granit, in denen die Zeit langsamer läuft, und über allem hängt der Duft der Macchia, den du nie wieder vergisst.
Kulturell ist Korsika ein Sonderfall: jahrhundertelang genuesisch, erst seit 1768 französisch, mit eigener Sprache und ausgeprägtem Eigensinn. Die runden Genueser Wachtürme an der Küste sind das Wahrzeichen, Napoleon aus Ajaccio der berühmteste Sohn der Insel.
Die schönsten Städte Korsikas
1 Ajaccio
Die Inselhauptstadt am gleichnamigen Golf ist Napoleons Geburtsstadt, mit Zitadelle, Markt und palmengesäumter Uferpromenade.
Von Ajaccio aus erreichst du die roten Felsen der Calanche von Piana und die Sanguinaires-Inseln zum Sonnenuntergang.
2 Bonifacio
Die spektakulärste Stadt der Insel: Bonifacio balanciert auf weißen Kalkklippen hoch über dem Meer, darunter liegt der fjordartige Naturhafen, gegenüber grüßt Sardinien.
Komm früh oder bleib abends, mittags schieben sich die Ausflugsboote durch die Bucht und die Gassen sind voll.
3 Calvi
Zitadelle über halbmondförmiger Bucht, dahinter die Berge der Balagne: Calvi ist der schönste Ankunftsort im Nordwesten.
Von hier aus erkundest du Strände, die Bergdörfer der Balagne und die Halbinsel Revellata.
4 Bastia
Der wichtigste Fährhafen wird meist nur durchfahren, dabei lohnt Bastia: alter Hafen mit hohen, verwitterten Fassaden, barocke Kirchen, echtes Alltagsleben statt Kulisse.
Direkt nördlich beginnt das Cap Corse, die wilde Fingerspitze der Insel, ein Tagesausflug für sich.
Fähre oder Flug?
Die Grundsatzfrage jeder Korsika-Reise. Die Fähre lohnt, wenn du dein eigenes Auto, Campingausrüstung oder mehr als eine Woche Zeit hast. Abgelegt wird vor allem in Toulon und Nizza in Frankreich sowie in Livorno, Genua und Savona in Italien, die für die Anfahrt aus Deutschland oft praktischer liegen. Nachtfähren mit Kabine sind die entspannteste Variante: abends an Bord, morgens auf der Insel.
Fliegen lohnt bei ein bis zwei Wochen ohne eigenes Auto: Im Sommer gibt es Direktflüge aus mehreren deutschen Städten nach Ajaccio, Bastia, Calvi und Figari. Dann brauchst du zwingend einen Mietwagen, und die sind in der Hochsaison früh ausgebucht und teuer.
Gut zu wissen: Fährplätze für die Sommerferien, vor allem mit Auto und Kabine, sind Monate vorher vergriffen. Buche zuerst Fähre oder Mietwagen und danach die Unterkünfte, nicht umgekehrt.
Strände und Buchten: die Kurzliste
Die berühmtesten Strände liegen im Süden: Palombaggia und Santa Giulia bei Porto-Vecchio mit weißem Sand und Pinien, die perfekt geschwungene Bucht von Rondinara zwischen Porto-Vecchio und Bonifacio. Im Norden kontern die Balagne-Strände um Calvi und die wilden Buchten des Désert des Agriates, allen voran Saleccia, die du nur per Boot, zu Fuß oder mit dem Geländetaxi erreichst.
Genau das ist der korsische Deal: Die schönsten Buchten kosten Anfahrt oder Fußweg. Wer nur parken und liegen will, teilt sich die Zufahrtsstrände im August mit sehr vielen anderen.
Essen und Trinken: die Berge auf dem Teller
Die korsische Küche kommt aus den Bergen, nicht vom Meer: luftgetrocknete Wurstwaren wie Coppa und Lonzu, Käse aus Schaf- und Ziegenmilch, allen voran der frische Brocciu, dazu Kastanienmehl in Kuchen und Polenta und Honig aus der Macchia. Im Herbst dominieren Wildschwein und Maronen die Karten.
Dazu wachsen an den Hängen erstaunlich gute Weine, etwa aus Patrimonio am Cap Corse, und zum Abschluss gibt es Myrtenlikör. Bestell in den Bergdörfern das Tagesmenü, dort bekommst du die echte Küche zu fairen Preisen.
Der GR20: kurz erklärt
Der GR20 quert die Insel auf rund 180 Kilometern von Calenzana bei Calvi nach Conca und gilt als einer der härtesten Fernwanderwege Europas: viel Fels, viel Auf und Ab, Übernachtung in einfachen Berghütten. Wer ihn komplett geht, braucht rund zwei Wochen und solide Bergerfahrung.
Die gute Nachricht: Du kannst die Bergwelt auch ohne GR20 erleben, etwa im Restonica-Tal bei Corte, in der Spelunca-Schlucht oder auf Tagesetappen der sanfteren Küstenwege. Schon eine einzige Wanderung zeigt dir, warum Korsika mehr Gebirge als Strand ist.
Beste Reisezeit
Mai, Juni und September sind ideal: warm genug zum Baden, kühl genug zum Wandern, die Macchia blüht oder das Meer ist noch sommerwarm, und die Preise sind zivil. Im Juli und August ist Korsika voll, heiß und teuer, an berühmten Stränden wie Palombaggia wird es eng, und bei hoher Waldbrandgefahr sperren die Behörden ganze Wandergebiete.
Fürs Hochgebirge gilt: Auf den Pässen des GR20 kann bis in den Juni Schnee liegen. Ab Oktober wird es ruhig, viele Betriebe schließen, und die Insel gehört wieder den Einheimischen.
Wie du die Insel aufteilst
Der größte Fehler ist die komplette Inselrunde in einer Woche: Die Straßen sind kurvig und oft schmal, für 100 Kilometer brauchst du gern zwei bis drei Stunden. Besser: eine Hälfte richtig. Der Norden heißt Calvi, Balagne, Cap Corse und Bastia, der Süden heißt Ajaccio, Bonifacio und die Strände bei Porto-Vecchio.
Mit zwei Wochen verbindest du beide Hälften und baust einen Abstecher ins Bergland um Corte ein: Die alte Hauptstadt der korsischen Unabhängigkeitsbewegung liegt spektakulär auf einem Felsen mitten im Gebirge und ist der beste Ausgangspunkt für die Täler Restonica und Tavignano. Plane pro Standort mindestens drei Nächte, sonst sitzt du hauptsächlich im Auto.
Ein Sonderfall ist die Schmalspurbahn, die Bastia über Corte mit Ajaccio verbindet, mit Abzweig nach Calvi: langsam, aber landschaftlich eine der schönsten Bahnstrecken Frankreichs. Für den Küstenabschnitt zwischen Calvi und L’Île-Rousse ist sie sogar ein praktisches Strand-Shuttle.
Ehrlich: für wen Korsika passt
Korsika ist kein bequemes Reiseziel: Die Straßen fordern Konzentration, mit Wohnmobil oder Anhänger sind manche Küstenstrecken mühsam, und das Preisniveau liegt spürbar über dem Festland. Im August kommt halb Frankreich dazu, dann sind Strände und Fähren ausgebucht.
Dafür bekommst du Natur, die in Europa ihresgleichen sucht, und mit Fähre plus eigenem Auto bleibt die Reise bezahlbar. Wer vor allem Promenade, Stadtleben und planbares Wetter will, ist an der Côte d’Azur einfacher unterwegs; alle Küstenziele im Überblick zeigt die Seite der Städte am Meer.
Häufige Fragen
Fähre oder Flug: wie kommt man am besten nach Korsika?
Mit eigenem Auto, viel Gepäck oder mehr als einer Woche Zeit: Fähre, am bequemsten als Nachtfähre mit Kabine ab Toulon, Nizza oder den italienischen Häfen. Für ein bis zwei Wochen ohne eigenes Auto: Direktflug im Sommer nach Ajaccio, Bastia, Calvi oder Figari plus früh gebuchter Mietwagen.
Wie lange dauert die Fähre nach Korsika?
Das hängt von Route und Schiff ab: Die kurzen Verbindungen ab Italien sind deutlich schneller als die langen ab Südfrankreich, Nachtfähren legen abends ab und kommen am frühen Morgen an. Genaue Zeiten und Preise findest du bei den Reedereien; vergleiche beide Richtungen, Hin- und Rückfahrt über verschiedene Häfen sind oft die beste Lösung.
Wann ist die beste Reisezeit für Korsika?
Mai, Juni und September: Badewetter, offene Wanderwege, erträgliche Preise und Platz an den Stränden. Der Juli und vor allem der August sind Hochsaison mit vollen Fähren, teuren Mietwagen und heißen Temperaturen. Wer den GR20 oder hohe Pässe plant, sollte beachten, dass dort bis in den Juni Schnee liegen kann.
Braucht man auf Korsika ein Auto?
Ja, praktisch immer. Busse fahren selten, die Bahn verbindet nur Bastia, Corte, Ajaccio und Calvi, und die schönsten Strände und Bergdörfer liegen abseits. Entweder bringst du das eigene Auto mit der Fähre mit oder reservierst den Mietwagen Monate im Voraus, in der Hochsaison sind die Flotten ausgebucht.
Ist der GR20 für normale Wanderer machbar?
Nur mit guter Kondition, Trittsicherheit und Bergerfahrung: Der GR20 ist lang, felsig und ausgesetzt, die Etappen sind anstrengend und die Hütten einfach. Für normale Wanderfitness sind Tagesetappen oder die sanfteren Küsten- und Talwege die bessere Wahl, sie zeigen dieselbe Bergwelt ohne das Risiko.