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Bretagne-Rundreise: Route für 7 bis 12 Tage

Die Bretagne ist Frankreichs wilder Westen: über 2000 Kilometer Küste, Granit in Grau und Rosa, Leuchttürme in der Brandung und dahinter Dörfer, deren Ortsschilder zweisprachig sind. Diese Rundreise führt dich in sieben Tagen von Saint-Malo über das Cap Fréhel und die Rosa Granitküste zur Halbinsel Crozon, weiter nach Quimper und an den Golf von Morbihan, mit realistischen Fahrzeiten statt schöner Kilometerangaben.

Dazu bekommst du Bausteine für 10 bis 12 Tage, eine ehrliche Ansage zum Wetter und die wichtigste Planungsregel der Region: Ohne Blick auf den Gezeitenkalender funktioniert hier kein einziger Küstentag.

Bretagne-Rundreise: Route für 7 bis 12 Tage
Foto: Benh LIEU SONG, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionBretagne, Nordwestfrankreich am Atlantik
  • Ideale Dauer7 Tage Grundroute, 10 bis 12 Tage mit Verlängerungen
  • StreckeRundkurs ab Rennes rund 900 Kilometer
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September
  • Start und ZielRennes (TGV) oder Saint-Malo
  • FortbewegungAuto nötig, Küste zu Fuß auf dem Zöllnerpfad GR34

Die Route im Überblick

Die Runde folgt der Küste gegen den Uhrzeigersinn: erst der Norden mit Festungsstadt und Kaps, dann der wilde Westen mit den Halbinseln, zum Schluss der milde Süden am Golf von Morbihan. So steigert sich die Reise vom Schroffen ins Sanfte, und keine Etappe dauert länger als zweieinhalb Stunden.

Tag Etappe Übernachtung Fahrzeit
1 Anreise und Saint-Malo Saint-Malo ca. 1 Std ab Rennes
2 Dinan und Smaragdküste bis Cap Fréhel Saint-Malo oder Erquy ca. 1 Std 45 gesamt
3 Rosa Granitküste um Ploumanac’h Perros-Guirec ca. 1 Std 30
4 Fahrt nach Westen, Halbinsel Crozon Crozon ca. 2 Std 30
5 Pointe du Raz und Quimper Quimper ca. 3 Std gesamt
6 Concarneau und Fahrt an den Golf Vannes ca. 2 Std gesamt
7 Golf von Morbihan und Carnac Heimreise oder Verlängerung ca. 1 Std 30 zurück nach Rennes

Tag 1: Saint-Malo, die Korsarenstadt

Start ist Saint-Malo, und einen besseren Auftakt hat die Region nicht: eine granitgraue Altstadt komplett hinter einer begehbaren Stadtmauer, davor breite Strände und Felseninseln mit Forts. Lauf zuerst die Mauer ab, das dauert gemütlich eine Stunde und ordnet die ganze Stadt. Danach entscheidet der Wasserstand, was du machst: Bei Ebbe hinüber zum Grand Bé mit dem Grab Chateaubriands, bei Flut durch die Gassen und zum Austernessen.

Bleib die erste Nacht in der Altstadt oder gleich am Strand Sillon. Gegen sechs Uhr abends fahren die Tagesgäste ab, dann gehört die Stadt wieder den Bewohnern. Wer aus der Normandie anreist, nimmt den Mont-Saint-Michel gleich als Zwischenstopp mit, er liegt keine Stunde östlich.

Tag 2: Dinan und die Smaragdküste bis zum Cap Fréhel

Vormittags geht es 40 Minuten landeinwärts nach Dinan, der schönsten Mittelalterstadt der Region: Fachwerk in Schieflage, eine begehbare Stadtmauer und die steile Rue du Jerzual hinunter an den Fluss Rance. Zwei Stunden reichen für das Wesentliche, drei sind angenehmer.

Nachmittags fährst du an die Smaragdküste. Das Cap Fréhel ist der Höhepunkt: eine Heidelandschaft aus Ginster und Erika auf rund 70 Meter hohen Klippen, dahinter der Leuchtturm und in Sichtweite das Fort La Latte auf seinem eigenen Felsen. Der Klippenweg zwischen beiden ist rund anderthalb Stunden pro Richtung und gehört zu den besten Küstenwanderungen Frankreichs. Wer weniger Zeit hat, läuft nur die kurze Runde um das Kap und fährt anschließend zum Fort.

Tag 3: die Rosa Granitküste

Zwischen Perros-Guirec und Trébeurden liegt der eigenartigste Küstenabschnitt der Bretagne: rundgeschliffene Granitblöcke, die tatsächlich rosa sind und im Abendlicht orange glühen. Der Sentier des Douaniers, der alte Zöllnerpfad, führt von der Plage de Trestraou nach Ploumanac’h direkt zwischen den Felsen hindurch, rund eine Stunde in eine Richtung, flach und familientauglich.

Vor der Küste liegt das Vogelreservat der Sept-Îles, das größte Seevogelschutzgebiet Frankreichs; von Perros-Guirec fahren Ausflugsboote hinaus, die Basstölpelkolonie auf der Île Rouzic ist auch aus der Distanz beeindruckend. Wer lieber an Land bleibt, nimmt die Granitkapelle von Ploumanac’h und den kleinen Hafen mit, wo die Boote bei Ebbe im Schlick liegen.

Achtung: Der Tidenhub gehört hier zu den größten Europas, um Saint-Malo bis zu 13 Meter. Das Wasser kommt schnell und lautlos zurück. Geh nie ohne Blick auf die Gezeitentafel zu vorgelagerten Inseln wie dem Grand Bé, und behalte auf Wattflächen immer den Rückweg im Auge, nicht nur den Weg nach vorn.

Tag 4: nach Westen auf die Halbinsel Crozon

Heute wird gefahren: rund zweieinhalb Stunden nach Südwesten Richtung Brest und weiter auf die Halbinsel Crozon. Sie ist die dramatischste Landzunge der Bretagne, ein Kreuz aus Klippen im Meer. Die Pointe de Pen-Hir mit ihren vorgelagerten Felsnadeln, der Cap de la Chèvre und die türkisfarbene Bucht von Morgat sind die drei Ziele, die du auf keinen Fall auslassen solltest.

Plane hier bewusst langsam. Die Straßen sind schmal, die Parkplätze an den Kaps klein, und die schönsten Blicke bekommst du erst nach zehn bis zwanzig Minuten zu Fuß. Wer wandern will, findet hier einige der spektakulärsten Abschnitte des GR34; Anregungen für längere Touren liefert die Übersicht zum Wandern in Frankreich.

Tag 5: Pointe du Raz und Quimper

Der Pointe du Raz ist das Ende der Welt, wie es die Bretonen selbst nennen: ein Felsvorsprung, an dem der Atlantik ernsthaft arbeitet, mit dem Leuchtturm La Vieille in der Strömung davor. Vom Parkplatz sind es rund 20 Minuten zu Fuß bis zur Spitze, ein Shuttle fährt in der Saison. Bei Wind ist es hier laut, kalt und großartig; bei Nebel siehst du gar nichts, dann lohnt der nahe Strand der Baie des Trépassés mehr.

Nachmittags rollst du in gut einer Stunde nach Quimper, der bretonischsten der bretonischen Städte: zwei gotische Kathedralentürme über Fachwerkgassen am Fluss Odet, dazu die traditionsreiche Fayence-Herstellung. Das ist der richtige Ort für einen langen Abend in einer Crêperie.

Tag 6: Concarneau und die Fahrt an den Golf

Eine halbe Stunde südöstlich liegt Concarneau mit seiner Ville Close, einer kleinen ummauerten Altstadt auf einer Insel im Hafenbecken. Sie ist touristisch, aber morgens angenehm und der Fischereihafen daneben ist echtes Arbeitsleben. Danach fährst du in rund anderthalb Stunden weiter nach Vannes.

Vannes ist der beste Standort für den Süden: Fachwerkaltstadt hinter einer Stadtmauer, alte Waschhäuser am Wallgraben, ein lebendiger Hafen mitten in der Stadt. Hier ist das Klima spürbar milder als im Norden, die Abende sind länger warm.

Tag 7: Golf von Morbihan und die Steine von Carnac

Der Golf von Morbihan ist ein fast geschlossenes Binnenmeer mit Dutzenden Inseln, in dem das Wasser durch eine schmale Einfahrt zweimal täglich ein- und ausströmt. Die schönste Art, ihn zu sehen, ist eine Bootstour ab Vannes oder Port-Navalo, mit Zwischenstopp auf der autofreien Île aux Moines. Nimm ein Rad mit an Bord, dann fährst du die Insel in zwei Stunden ab.

Nachmittags gehören die Alignements von Carnac dazu: tausende aufgestellte Menhire in kilometerlangen Reihen, älter als die Pyramiden von Gizeh. Die Felder sind zum Schutz eingezäunt, im Winterhalbjahr darfst du meist zwischen die Steine, im Sommer nur mit Führung. Von hier sind es anderthalb Stunden zurück nach Rennes. Wer weiter Insel-Lust hat, findet die schönsten Ziele in der Übersicht zu den Inseln Frankreichs.

Wetter und Gezeiten: ehrlich gerechnet

Die Bretagne ist kein Ziel für planbaren Strandurlaub. Vier Jahreszeiten an einem Tag sind normal, Schauer ziehen schnell durch, und danach ist das Licht besser als vorher. Dafür sind die Sommer selten drückend heiß und die Winter mild. Wer mit dem Wetter hadert, wird unglücklich; wer eine gute Regenjacke einpackt und den Tag flexibel plant, bekommt Küstenbilder, die es sonst nirgendwo in Frankreich gibt.

Gut zu wissen: Das Meer bleibt auch im Hochsommer frisch, meist unter 20 Grad, im Süden am Golf von Morbihan ein wenig milder als im Norden. Baden ist also Zugabe, nicht Hauptprogramm. Und der Gezeitenkalender ist hier kein Detail für Angler: Er entscheidet, ob ein Hafen voller Boote oder voller Schlick ist, ob eine Insel zu Fuß erreichbar ist und wie weit der Strand reicht. Er hängt in jedem Hafen aus.

Mit 10 bis 12 Tagen: die besten Verlängerungen

Mit drei bis fünf zusätzlichen Tagen wird aus der Runde eine Reise ohne Hetze. Diese Bausteine passen nahtlos dazu: im Norden die Austernstadt Cancale und die kleine, autofreie Île de Bréhat, im Westen die Stadt Brest mit dem Meereszentrum Océanopolis und die raue Insel Ouessant, im Süden Belle-Île-en-Mer mit einer Übernachtung und die Halbinsel Quiberon.

Landeinwärts lohnt Rennes mit einer der größten Fachwerk-Altstädte Frankreichs und dem Samstagsmarkt auf der Place des Lices, und im Süden schließt Nantes mit dem Herzogsschloss und den Maschinen der Insel die Runde ab. Wer aus Deutschland kommt, hängt die Normandie an, die Anfahrt führt ohnehin daran vorbei; eine fertige Route dafür steht in der Normandie-Rundreise. Welche der beiden Regionen besser zu dir passt, klärt der Vergleich Bretagne oder Normandie.

Anreise, Auto und Standorte

Mit dem eigenen Auto ist die Bretagne weit: Ab Köln sind es bis Rennes rund 950 Kilometer, also ein langer Fahrtag über Belgien und die Normandie. Was auf französischen Straßen gilt, fasst der Guide mit dem Auto nach Frankreich zusammen. Schneller ist die Bahn: TGV ab Paris Montparnasse nach Rennes in rund anderthalb Stunden, weiter nach Saint-Malo, Vannes oder Quimper, danach Mietwagen vor Ort. Wie das französische Bahnsystem funktioniert, erklärt der Beitrag mit dem Zug durch Frankreich.

Ohne Auto ist die Rundreise kaum machbar: Die Städte liegen an der Bahn, die Kaps und Strände nicht. Wer nicht jeden Abend umziehen will, nimmt drei Basen statt sieben Hotels: Saint-Malo für den Nordosten, Perros-Guirec oder Morlaix für den Norden und Westen, Vannes für den Süden. Du fährst ein paar Kilometer mehr und packst dreimal statt sechsmal um.

Essen unterwegs

Die Regel ist einfach: Galettes sind herzhaft und aus Buchweizen, Crêpes sind süß und aus Weizen, dazu trinkt man Cidre aus der Keramikschale. Eine gute Crêperie erkennst du an einer kurzen Karte. Dazu kommt alles aus dem Meer: Austern aus Cancale, Muscheln, Makrelen vom Hafenmarkt. Und als Nachschlag der Butterkuchen Kouign-amann, der jede Diät beendet.

Tipp: Kauf einmal unterwegs beim Erzeuger. An den Küstenstraßen stehen Schilder mit dem Hinweis auf Direktverkauf, für Austern, Cidre und Salzbutter-Karamell. Das ist frischer, günstiger und der beste Grund für einen Umweg. Eine Übersicht der schönsten Küstenorte des Landes findest du bei den Städten am Meer, die besten Sandstrände bei den schönsten Stränden Frankreichs.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für eine Bretagne-Rundreise?

Sieben Tage sind das sinnvolle Minimum für Saint-Malo, Cap Fréhel, Rosa Granitküste, Crozon, Quimper und den Golf von Morbihan. Mit 10 bis 12 Tagen kommen Belle-Île, Brest, Rennes oder Nantes dazu, und du bekommst Puffer für Regentage. Unter fünf Tagen konzentrierst du dich besser auf eine Küste statt auf die ganze Region.

In welche Richtung fährt man die Bretagne-Rundreise am besten?

Von Nordosten nach Südwesten und dann in den Süden, also Saint-Malo, Rosa Granitküste, Crozon, Quimper, Golf von Morbihan. So beginnt die Reise mit der spektakulärsten Stadt, steigert sich landschaftlich und endet im mildesten Teil der Region. Der Rückweg nach Rennes ist von Vannes aus kurz, das spart am letzten Tag Zeit.

Geht eine Bretagne-Rundreise ohne Auto?

Nur eingeschränkt. Rennes, Saint-Malo, Quimper, Vannes und Brest liegen an der Bahn und ergeben eine schöne Städtereise mit Bootsausflügen. Cap Fréhel, die Rosa Granitküste und Crozon erreichst du öffentlich kaum, dort fahren nur wenige Busse. Wer die Kaps sehen will, braucht ein Auto oder plant gezielt Wandertage auf dem Küstenweg GR34.

Wann ist die beste Reisezeit für die Bretagne?

Mai, Juni und September. Dann blühen Ginster und Heide, das Licht ist klar, die Tage sind lang und die Küstenorte sind nicht überlaufen. Juli und August sind Hochsaison, vor allem am Golf von Morbihan. Regensachen gehören zu jeder Jahreszeit ins Gepäck, das Wetter am Atlantik wechselt innerhalb einer Stunde.

Muss man in der Bretagne wirklich die Gezeiten einplanen?

Ja. Der Tidenhub gehört zu den größten Europas, um Saint-Malo bis zu 13 Meter. Ob du zum Grand Bé oder zum Fort National hinüberlaufen kannst, ob ein Strand riesig oder verschwunden ist und ob ein Hafen Wasser hat, entscheidet allein die Tide. Der Kalender hängt in jedem Hafen aus und steht in den Wetter-Apps der Region.

Kann man in der Bretagne baden?

Ja, an hunderten Stränden, aber mit realistischen Erwartungen: Das Wasser bleibt auch im Hochsommer meist unter 20 Grad. Am mildesten ist es im Süden am Golf von Morbihan und in geschützten Buchten wie bei Morgat auf Crozon. Wer warmes Wasser als Bedingung hat, ist am Mittelmeer besser aufgehoben.