Reise-Inspiration

Die schönsten Dörfer Frankreichs

Frankreich hat mehr als 30.000 Dörfer, und ein paar Dutzend davon sind so schön, dass sie ein eigenes Gütesiegel tragen: „Les Plus Beaux Villages de France“. Diese Auswahl stellt dir 15 Dörfer vor, die eine Reise wirklich lohnen, quer durchs Land vom Elsass über die Provence und den Südwesten bis nach Korsika.

Zu jedem Dorf bekommst du eine ehrliche Einschätzung: warum es besonders ist, wie viel Zeit du brauchst und mit welcher Region du es am besten verbindest. Am Ende findest du eine Tabelle, welche Dörfer sich zu einer Route kombinieren lassen, und ein paar Tipps, wie du den Besuchermassen aus dem Weg gehst.

Die schönsten Dörfer Frankreichs
Foto: Michael.F.H.Barth, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Gütesiegel„Les Plus Beaux Villages de France“, seit 1982
  • Ausgezeichnete DörferRund 180 in ganz Frankreich
  • KriterienHöchstens 2.000 Einwohner, mindestens zwei geschützte Denkmäler
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September, jeweils früh morgens oder abends
  • AnreiseFast überall nur mit dem Auto sinnvoll

Was hinter dem Label „Les Plus Beaux Villages de France“ steckt

Der Verein wurde 1982 gegründet und zeichnet Dörfer aus, die strenge Bedingungen erfüllen: höchstens 2.000 Einwohner im historischen Ortskern, mindestens zwei geschützte Denkmäler oder Stätten, und die Gemeinde muss sich selbst bewerben. Die Prüfung ist ernst gemeint, wer sein Ortsbild verkommen lässt, fliegt wieder aus der Liste. Aktuell tragen rund 180 Orte das Siegel, die vollständige Karte findest du auf der offiziellen Website des Vereins.

Wichtig für deine Planung: Das Label garantiert Schönheit, aber keine Einsamkeit. Die bekanntesten Dörfer sind im Juli und August voll. Und einige der schönsten Orte Frankreichs tragen das Siegel gar nicht, weil sie schlicht zu groß dafür sind. Deshalb mischt diese Liste beides: offizielle Plus Beaux Villages und Dörfer, die jede Jury im ersten Anlauf überzeugen würden.

Elsass: Fachwerk zwischen Reben

Nirgendwo in Frankreich liegen so viele Bilderbuchdörfer so dicht beieinander wie an der Elsässer Weinstraße. Die besten drei erreichst du von Colmar aus in jeweils unter 20 Minuten.

1 Riquewihr

Riquewihr trägt das Label und ist das Elsass-Dorf schlechthin: eine intakte Stadtmauer, dahinter eine einzige ansteigende Hauptgasse voller Fachwerkhäuser in Gelb, Rot und Grün, umgeben von Grand-Cru-Lagen. Komm vor 10 Uhr, danach schieben sich Reisegruppen durch die Gasse. Zur Weihnachtszeit ist das Dorf ein einziger Markt.

2 Eguisheim

Eguisheim ist ebenfalls Mitglied und wurde 2013 zum Lieblingsdorf der Franzosen gewählt. Der Ort ist in konzentrischen Ringen um eine Burg gebaut, du läufst die Ringgassen einfach von außen nach innen ab. Weniger Trubel als in Riquewihr, mehr Winzerhöfe, in denen tatsächlich noch gearbeitet wird.

3 Kaysersberg

Kaysersberg steht nicht auf der Vereinsliste, wurde aber 2017 zum Lieblingsdorf der Franzosen gekürt. Es hat, was den Nachbarn fehlt: einen Fluss mitten im Ort, eine befestigte Brücke und eine Burgruine, von der du über die Dächer bis in die Rheinebene schaust. Der Aufstieg dauert eine Viertelstunde und lohnt sich.

Provence und Côte d’Azur: Dörfer über dem Licht des Südens

4 Gordes

Gordes klebt wie eine Steinkaskade an einem Felssporn über dem Luberon und ist das meistfotografierte Dorf der Provence, natürlich mit Label. Das beste Foto machst du vom Aussichtspunkt an der Straße unterhalb des Ortes. Kombiniere Gordes mit der Abtei Sénanque und den Lavendelfeldern der Provence, dann hast du an einem Tag drei Postkartenmotive.

5 Èze

Èze thront gut 400 Meter über dem Mittelmeer zwischen Nizza und Monaco. Das Adlernest aus verwinkelten Steingassen endet oben im exotischen Garten mit Kakteen und einem Blick, der bis Korsika reichen kann. Kein Vereinsmitglied, dafür das einzige Dorf dieser Liste, das du bequem mit Bus oder Bahn erreichst. Sportliche steigen auf dem Nietzsche-Pfad vom Meer hinauf, der Philosoph soll hier an seinem Zarathustra gearbeitet haben; rechne mit gut einer Stunde bergauf.

6 Saint-Paul-de-Vence

Saint-Paul-de-Vence ist das Künstlerdorf der Côte d’Azur: Chagall lebte und liegt hier, in der Auberge de la Colombe d’Or zahlten Maler ihre Rechnungen mit Bildern, und die Fondation Maeght vor den Toren zeigt moderne Kunst auf Weltniveau. Die Gassen sind voller Galerien, morgens hast du sie fast für dich.

Südwesten: von den Pyrenäen bis zur Dordogne

7 Collioure

Collioure ist streng genommen ein Städtchen, aber zu schön, um es wegzulassen: ein Hafen in Rosa und Ocker vor den Ausläufern der Pyrenäen, eine Königsburg direkt am Wasser und das Licht, das Matisse und Derain zum Fauvismus inspirierte. Der beste Abschluss eines Tages in Okzitanien: Anchovis probieren, die Spezialität des Ortes.

8 Rocamadour

Rocamadour hängt in einer senkrechten Felswand über der Alzou-Schlucht: unten das Dorf, darüber die Wallfahrtskirchen mit der Schwarzen Madonna, ganz oben die Burg. Seit dem Mittelalter steigen Pilger die große Treppe hinauf. Das Label trägt der Ort ebenso wie den Titel eines der meistbesuchten Dörfer Frankreichs, also übernachte hier, wenn du die Abendstimmung erleben willst.

9 Saint-Cirq-Lapopie

Saint-Cirq-Lapopie balanciert hundert Meter über einer Schleife des Flusses Lot und wurde 2012 zum Lieblingsdorf der Franzosen gewählt. Steile Gassen, gotische Häuser, Künstlerateliers und kein einziger Neubau, der das Bild stört. Parken musst du oberhalb, der Rest ist Fußarbeit mit Panorama.

10 La Roque-Gageac

La Roque-Gageac schmiegt sich als einzeilige Häuserreihe zwischen Felswand und Fluss und gehört zu den schönsten Ecken der Dordogne. Am schönsten siehst du das Dorf vom Wasser aus: mit einer Gabarre, einem flachen Holzboot, wie es früher Waren flussabwärts brachte. Als Basis für die Gegend eignet sich Sarlat-la-Canéda, nur 15 Minuten entfernt.

11 Conques

Conques liegt versteckt in einem waldigen Seitental und ist seit tausend Jahren eine Station des Jakobswegs. Die romanische Abteikirche Sainte-Foy mit ihrem berühmten Tympanon des Jüngsten Gerichts wirkt viel zu groß für das winzige Dorf, genau das macht den Reiz aus. Abends, wenn die Tagesbesucher weg sind, gehört dir der Ort zusammen mit einer Handvoll Pilger.

Bretagne, Alpen und Burgund

12 Locronan

Locronan in der Bretagne besteht komplett aus Granit: ein Renaissance-Platz, eine wuchtige Kirche, kein Stromkabel und keine Antenne im Blickfeld. Deshalb drehen Filmteams hier so gerne. Das Dorf liegt eine Viertelstunde von Quimper entfernt und passt perfekt in jede Bretagne-Route.

13 Yvoire

Yvoire liegt am Südufer des Genfer Sees, mittelalterliche Mauern direkt am Wasser, dahinter Gassen voller Geranien und der „Garten der fünf Sinne“. Von Annecy aus ist es ein Tagesausflug, und wer in Savoyen unterwegs ist, bekommt hier die mediterrane Variante der Alpen.

14 Vézelay

Vézelay zieht sich einen Hügelrücken im Burgund hinauf, gekrönt von der Basilika Sainte-Marie-Madeleine, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Hier sammelten sich im Mittelalter die Pilger für den Weg nach Santiago. Der Blick von der Terrasse hinter der Kirche über die Hügel des Morvan ist einer der ruhigsten Momente, die Frankreich zu bieten hat.

Korsika

15 Bonifacio

Bonifacio an der Südspitze Korsikas ist kein Vereinsmitglied und mit seiner Zitadelle eher Städtchen als Dorf, aber der Anblick ist einmalig in Europa: weiße Kreidefelsen, auf deren überhängender Kante die Altstadt balanciert. Nimm das Boot aus dem Hafen, erst vom Wasser begreifst du, wie kühn hier gebaut wurde.

Welche Dörfer du gut kombinieren kannst

Region Dörfer Beste Basis Zeitbedarf
Elsass Riquewihr, Eguisheim, Kaysersberg Colmar 2 bis 3 Tage
Provence Gordes und die Luberon-Dörfer Avignon oder Gordes 2 bis 3 Tage
Côte d’Azur Èze, Saint-Paul-de-Vence Nizza 1 bis 2 Tage
Dordogne und Lot Rocamadour, Saint-Cirq-Lapopie, La Roque-Gageac Sarlat-la-Canéda 3 bis 4 Tage
Bretagne Locronan Quimper 1 Tag

Für die beiden dichtesten Cluster gibt es hier ausführliche Routen: die Elsässer Weinstraße verbindet die Fachwerkdörfer, die Provence-Rundreise nimmt Gordes und den Luberon mit.

Für eine große Frankreich-Runde kannst du mehrere Cluster verbinden: Elsass und Burgund liegen an derselben Nord-Süd-Achse, von dort geht es weiter in die Provence und an die Côte d’Azur. Plane pro Cluster zwei bis drei Tage plus Fahrtage, und lies vorab den Guide zum Mietwagen in Frankreich: Viele Dörfer erreichst du nur über schmale Departementsstraßen, ein kleiner Wagen ist Gold wert. Einen Überblick über alle großen Ziele des Landes gibt die Seite mit den Frankreich-Highlights.

Praktische Tipps für den Dorfbesuch

Tipp: Die goldene Regel heißt: vor 10 Uhr da sein oder nach 17 Uhr bleiben. Dazwischen gehören die berühmten Dörfer den Bussen. Wer im Dorf übernachtet, erlebt morgens und abends einen völlig anderen Ort.

Achtung: In fast allen Dörfern parkst du auf gebührenpflichtigen Plätzen außerhalb und läufst den Rest. Fahr nicht in die Ortskerne hinein, die Gassen sind eng, und Kopfsteinpflaster plus Steigung sind mit Kinderwagen oder Rollkoffer mühsam.

Denk auch an den Rhythmus des französischen Dorflebens: Zwischen 12 und 14 Uhr sind Geschäfte und manche Sehenswürdigkeiten geschlossen, dafür füllen sich die Restaurants. Mach es wie die Einheimischen, ein langes Mittagessen mit regionalem Wein gehört zum Dorfbesuch dazu. Und wenn in der Nähe ein Wochenmarkt ansteht, richte deine Route danach aus: Märkte wie in Sarlat oder Uzès verwandeln die schönsten Kulissen in lebendige Bühnen.

Rechne pro Dorf mit zwei bis drei Stunden, mit Mittagessen einen halben Tag. Mehr als zwei Dörfer pro Tag stumpfen ab, dann verschwimmen die Eindrücke. Und plane bewusst ein Dorf ohne berühmten Namen ein: Oft bleibt genau das am längsten im Gedächtnis.

Häufige Fragen

Wie viele „Plus Beaux Villages“ gibt es in Frankreich?

Der Verein zeichnet aktuell rund 180 Dörfer aus, verteilt über fast alle Regionen Frankreichs. Die Liste wächst nur langsam, weil die Kriterien streng sind und regelmäßig nachgeprüft wird. Die aktuelle Karte mit allen Mitgliedern findest du auf der offiziellen Website des Vereins.

Welches ist das schönste Dorf Frankreichs?

Eine offizielle Rangliste gibt es nicht, aber die Franzosen wählen jedes Jahr ihr Lieblingsdorf: Saint-Cirq-Lapopie gewann 2012, Eguisheim 2013, Kaysersberg 2017. International am bekanntesten sind Gordes in der Provence und Riquewihr im Elsass. Am Ende entscheidet dein Geschmack: Fachwerk, Felsen oder Meerblick.

Braucht man ein Auto, um die Dörfer zu besuchen?

Fast immer ja. Die meisten Dörfer liegen abseits der Bahnstrecken, Busse fahren selten. Ausnahmen: Èze erreichst du ab Nizza mit Bus oder Bahn plus Fußweg, und die Elsass-Dörfer sind ab Colmar mit Regionalbussen machbar. Für Dordogne, Provence und Burgund führt am Mietwagen kein Weg vorbei.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Mai, Juni und September: mildes Wetter, alles geöffnet, deutlich weniger Besucher als im Hochsommer. Im Juli und August sind die berühmten Dörfer ab dem späten Vormittag überlaufen. Im Winter wirken viele Orte verschlafen, nur die Elsass-Dörfer drehen mit ihren Weihnachtsmärkten richtig auf.

Kostet der Besuch der Dörfer Eintritt?

Nein, die Dörfer selbst sind frei zugänglich. Bezahlen musst du fürs Parken am Ortsrand sowie für einzelne Attraktionen wie Burgen, Gärten oder Kirchtürme. Rechne die Parkgebühr einfach als Eintritt, sie ist in stark besuchten Orten die wichtigste Einnahmequelle für den Erhalt des Ortsbilds.