Auf einen Blick
- RegionNouvelle-Aquitaine, Südwestfrankreich
- Bekannt fürSarlat, Schlösser, Höhlenmalerei, Kanufahren, Küche
- Wichtigste OrteSarlat-la-Canéda, Rocamadour
- UNESCOVézère-Tal mit seinen Steinzeithöhlen
- Ideale Dauer5 bis 7 Tage
- Beste ReisezeitMai, Juni, September
Was das Périgord ausmacht
Die Einheimischen teilen ihr Land in vier Farben: das grüne Périgord im Norden, das weiße um Périgueux, das purpurne um die Weinstadt Bergerac und das schwarze, das Périgord noir, um Sarlat, dessen Name von den dunklen Eichenwäldern kommt. Für Reisende ist das schwarze das Herzstück: Hier drängen sich Flusstäler, Burgen und Bilderbuchdörfer auf engstem Raum.
Dazu kommt Tiefe im wörtlichen Sinn. Im Tal der Vézère lebten Menschen schon vor zehntausenden Jahren und hinterließen Malereien, die zum UNESCO-Welterbe zählen. Und über allem liegt die Esskultur des Südwestens: Märkte voller Trüffel, Walnussöl, Käse und Enten-Confit, dazu Bergerac- und Cahors-Weine zu Preisen, über die Burgunder nur staunen können.
Die schönsten Städte und Orte im Périgord
1 Sarlat-la-Canéda
Sarlat ist die Hauptstadt des Périgord noir und eine der am besten erhaltenen Altstädte Frankreichs: honigfarbener Stein, Renaissance-Fassaden, verwinkelte Plätze. Der Samstagsmarkt gehört zu den schönsten des Landes und füllt die halbe Altstadt.
Als Basis für die Region ist Sarlat erste Wahl, die großen Sehenswürdigkeiten liegen alle in weniger als 30 Autominuten.
2 Rocamadour
Rocamadour klebt senkrecht an einer Schluchtwand: unten das Dorf, darüber die Wallfahrtskirchen mit der Schwarzen Madonna, ganz oben die Burg. Der Ort liegt streng genommen schon im Nachbardépartement Lot, gehört aber in jede Périgord-Reise.
Komm früh oder spät, mittags schieben sich Reisegruppen die Treppen hinauf. In der Nähe wartet mit dem Gouffre de Padirac ein gewaltiger Höhlenschacht mit unterirdischer Bootsfahrt.
3 La Roque-Gageac
Das Dorf duckt sich zwischen Felswand und Fluss, die Häuserzeile spiegelt sich golden in der Dordogne. La Roque-Gageac zählt offiziell zu den schönsten Dörfern Frankreichs und ist einer der wichtigsten Startpunkte für Kanutouren.
Von den traditionellen Gabarre-Booten aus siehst du das Dorf am schönsten, sie legen direkt am Ufer ab.
4 Beynac und Castelnaud
Zwei Burgen, ein Fluss, hundert Jahre Krieg: Auf der einen Seite der Dordogne thront Beynac, einst französisch, gegenüber Castelnaud, lange englisch. Heute schauen sich die Rivalen friedlich an, und du kannst beide besichtigen.
Castelnaud beherbergt ein anschauliches Museum des mittelalterlichen Krieges mit nachgebauten Wurfmaschinen, Beynac punktet mit dem Blick über das Tal.
5 Domme
Die Bastide Domme liegt hoch über dem Fluss, mit einem Marktplatz aus dem 13. Jahrhundert und einer Panoramaterrasse, die das ganze Dordognetal aufblättert. Unter dem Ort verbirgt sich eine Tropfsteinhöhle, der Eingang liegt mitten auf dem Marktplatz.
Abends, wenn die Tagesgäste weg sind, ist Domme einer der stimmungsvollsten Orte der Region.
6 Périgueux
Die Hauptstadt des Départements wird oft übersprungen, zu Unrecht: Die Kathedrale Saint-Front trägt byzantinische Kuppeln wie ein Stück Venedig, darunter liegt eine lebendige Altstadt mit römischen Resten und einem der besten Märkte des Südwestens.
Für Regentage ist Périgueux mit Museen und Markthallen die beste Karte der Region.
Land der 1001 Schlösser
Angeblich stehen im Périgord über tausend Burgen und Schlösser, und wer durch das Dordognetal fährt, glaubt es sofort: Kaum ein Felsvorsprung ohne Türme. Der Grund ist der Hundertjährige Krieg, der hier jahrzehntelang die Grenze zwischen Frankreich und England verlaufen ließ, beide Seiten bauten, was das Gelände hergab.
Neben Beynac und Castelnaud lohnen vor allem die Gärten von Marqueyssac mit ihren geschwungenen Buchsbaumterrassen über dem Fluss und das elegante Château de Milandes, einst Wohnsitz von Josephine Baker. Mehr als zwei Schlösser pro Tag sind nicht sinnvoll, die Eindrücke verwischen sonst.
Lascaux und die Steinzeit
Im Vézère-Tal bei Montignac liegt mit Lascaux die berühmteste Bilderhöhle der Welt. Das Original ist zum Schutz der Malereien seit den Sechzigerjahren geschlossen, die Nachbildung Lascaux IV reproduziert die Höhle aber so präzise, dass der Besuch alles andere als Ersatzprogramm ist. Buche Tickets mit Zeitfenster unbedingt vorab, in den Ferien sind die deutschsprachigen und englischen Führungen früh weg.
Wer echte Steinzeitkunst sehen will, versucht es in Font-de-Gaume bei Les Eyzies: Dort sind Originalmalereien mit streng begrenztem Tageskontingent zugänglich. Les Eyzies selbst beherbergt das nationale Museum für Vorgeschichte, den besten Überblick über das Tal.
Kanufahren auf der Dordogne
Die Dordogne ist im Sommer ruhig, flach und familientauglich, Kanufahren ist hier Volkssport. Verleiher in Vitrac, La Roque-Gageac und Cénac setzen dich flussaufwärts ab oder holen dich am Ziel wieder ein, du paddelst gemütlich talwärts und schaust dabei zu Burgen und Dörfern hinauf. Der Klassiker führt an La Roque-Gageac, Castelnaud und Beynac vorbei, mit Badestopps an Kiesbänken.
Tipp: Starte am frühen Morgen. Dann liegt der Fluss still, die Reiher fischen noch, und die Ausleihstationen sind leer. Ab mittags schiebt sich im August eine bunte Kanukolonne durchs Tal.
Beste Reisezeit
Mai, Juni und September sind ideal: warm, grün und ohne den Hochsommerandrang. Der Juli und der August sind die vollsten Monate, dann sind Unterkünfte im Dordognetal früh ausgebucht und die Straßen zu den Burgen zäh. Der Oktober ist mit Herbstlaub und Pilzmärkten schön, danach schließen viele Sehenswürdigkeiten oder verkürzen die Zeiten. Der Winter ist still, hat aber mit den Trüffelmärkten ein eigenes Argument.
Anreise aus Deutschland
Das Périgord liegt tief im Südwesten: Mit dem Auto rechnest du ab Frankfurt mit rund zehn Stunden, ein Zwischenstopp, etwa in Lyon oder im Loiretal, macht die Anreise angenehmer. Schneller ist der Flug nach Bordeaux oder Toulouse mit Mietwagen, von beiden Städten fährst du etwa zwei Stunden nach Sarlat. Die Bahn bringt dich über Bordeaux nach Souillac oder über Brive in die Region, für die Täler selbst ist ein Auto praktisch unverzichtbar.
Basis-Empfehlung
Nimm eine Basis statt Hotelwechsel: Sarlat oder ein Dorf im Dordognetal für fünf bis sieben Nächte, von dort erreichst du Burgen, Höhlen und Kanustationen in Tagesausflügen. Rocamadour und Padirac bündelst du zu einem Tag. Gut kombinieren lässt sich das Périgord mit Bordeaux und der Atlantikküste zu zwei Wochen Südwesten.
Ehrliche Einordnung
Das Périgord ist längst entdeckt, vor allem von Franzosen, Briten und Niederländern, und im August kann sich das Dordognetal eng anfühlen. Es bleibt trotzdem eine der lohnendsten Regionen des Landes, weil die Dichte an Weltklasse-Orten einmalig ist und die zweite Reihe nie weit liegt: ein Nachbartal, ein unbekanntes Dorf, ein Markt ohne Reisebus. Wer Städte, Nachtleben und Meer sucht, ist hier falsch. Wer gut essen, paddeln und staunen will, richtig.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für die Dordogne?
Fünf bis sieben Tage mit fester Basis sind ideal: zwei für Sarlat und die Dörfer des Dordognetals, einer für Burgen, einer für Lascaux und das Vézère-Tal, einer für Rocamadour und Padirac, dazu ein Kanutag. Wer weniger Zeit hat, konzentriert sich auf das Dreieck zwischen Sarlat, Beynac und La Roque-Gageac.
Muss man Lascaux vorab buchen?
Ja, unbedingt. Lascaux IV vergibt Zeitfenster, und in den Sommerferien sind die Führungen oft Tage im Voraus ausgebucht, besonders die fremdsprachigen. Buche online, sobald dein Reisetermin steht. Für Font-de-Gaume mit den Originalmalereien gilt ein sehr kleines Tageskontingent, dort brauchst du Glück und frühe Planung.
Ist Kanufahren auf der Dordogne auch für Anfänger geeignet?
Ja. Der Fluss fließt im Sommer ruhig, Stromschnellen fehlen auf den klassischen Abschnitten, und Schwimmwesten stellen die Verleiher. Kinder paddeln je nach Anbieter ab dem Grundschulalter mit. Die übliche Halbtagestour schaffst du ohne Kondition, weil die Strömung die halbe Arbeit übernimmt. Wasserfeste Tasche fürs Handy mieten oder mitbringen.
Sarlat oder Rocamadour, was ist die bessere Basis?
Sarlat, und zwar deutlich. Die Stadt liegt mitten im Périgord noir, hat Restaurants, Märkte und kurze Wege zu Burgen, Fluss und Höhlen. Rocamadour ist ein spektakulärer Besichtigungsort, aber klein, abgelegen und abends auf Wallfahrts- und Hotelbetrieb reduziert. Als Tagesausflug von Sarlat ist es perfekt eingeplant.
Für wen lohnt sich das Périgord?
Für alle, die Landschaft, Geschichte und Essen höher gewichten als Strand und Nachtleben. Familien bekommen Kanus, Burgen und Höhlen, Genießer Märkte und Bauernprodukte, Fotografen goldene Dörfer im Abendlicht. Wer zum Baden ans Meer will, kombiniert die Region besser mit der Atlantikküste, das Meer selbst ist zwei Stunden entfernt.