Reise-Inspiration

Sicher unterwegs in Paris

Vorweg die wichtigste Nachricht: Paris ist für eine Millionenstadt sicher. Gewaltverbrechen gegen Touristen sind selten, und du kannst dich tagsüber wie abends problemlos in allen Vierteln bewegen, die du als Besucher realistisch ansteuerst. Das eigentliche Risiko heißt Taschendiebstahl, und es konzentriert sich auf wenige, sehr vorhersehbare Orte und Maschen.

Genau darum geht es hier: wo die Taschendiebe arbeiten, wie ihre Tricks im Detail ablaufen, mit welchen Gewohnheiten du für sie uninteressant wirst und was du Schritt für Schritt tust, falls doch etwas wegkommt.

Auf einen Blick

  • Notruf112 (europaweit), 17 Polizei
  • HauptrisikoTaschendiebstahl an Sehenswürdigkeiten und in der Metro
  • HotspotsMetro Linie 1, Eiffelturm, Sacré-Cœur, Louvre
  • Karten sperren (deutsche Banken)+49 116 116

Wie sicher ist Paris wirklich?

Paris bewegt sich auf dem Niveau anderer westeuropäischer Hauptstädte: Die Touristenviertel sind stark bestreift und auch spätabends belebt. Was dir mit realistischer Wahrscheinlichkeit passieren kann, ist der Verlust von Geldbeutel oder Handy an professionelle, organisiert arbeitende Taschendiebe. Die arbeiten in Teams, jeden Tag an denselben Orten, mit denselben Maschen, und genau das ist deine Chance: Wer die Muster kennt, ist ein unattraktives Ziel.

Nachts gilt Großstadtlogik: Die Umgebung von Gare du Nord und Barbès sowie einzelne Ecken im Nordosten sind spät nach Mitternacht keine schönen Aufenthaltsorte, aber auch keine Sperrgebiete. Statt dort lange Fußwege zu machen, nimmst du nachts einfach die Metro oder ein Taxi, und gut ist.

Hier arbeiten die Taschendiebe

Die Hotspots sind seit Jahren dieselben. In der Metro trifft es vor allem die Linie 1, die alle großen Sehenswürdigkeiten verbindet und immer voll ist, sowie den RER B vom Flughafen: müde Ankömmlinge mit Gepäck und Jetlag sind das Lieblingsziel. Kritisch ist der Moment an der Tür, wenn es drängelt, mehr dazu im Guide zum Verkehr in Paris.

Draußen konzentriert sich alles auf die großen Magneten: das Gedränge am Eiffelturm und auf dem Trocadéro, die Treppen vor Sacré-Cœur, die Schlange vor der Pyramide des Louvre und die vollen Abschnitte der Champs-Élysées. Dazu kommt ein moderner Klassiker: das Handy, das auf dem Cafétisch am Straßenrand liegt und im Vorbeigehen oder vom Rad aus gegriffen wird.

Die häufigsten Maschen im Detail

Das Hütchenspiel: Auf der Brücke am Eiffelturm oder unterhalb von Sacré-Cœur schiebt jemand drei Becher übers Pappkarton, Umstehende gewinnen scheinbar viel Geld. Die Gewinner gehören zum Team, du gewinnst nie, und während du zuschaust, arbeitet ein Kollege an deiner Tasche. Bleib gar nicht erst stehen.

Die Petition: Jugendliche halten dir ein Klemmbrett hin, angeblich für einen Verein. Beim Unterschreiben umringt dich die Gruppe, danach wird aggressiv Geld gefordert, und im Getümmel verschwinden Wertsachen. Ein klares „Non“, nicht stehen bleiben, weitergehen.

Das Armbändchen: An den Stufen von Montmartre knotet dir jemand blitzschnell einen Faden ums Handgelenk und verlangt dann lautstark Bezahlung. Hände in die Taschen, freundlich, aber bestimmt weitergehen, keine Diskussion anfangen.

Der Goldring: Jemand „findet“ direkt vor dir einen goldenen Ring und bietet ihn dir gegen einen Finderlohn an. Der Ring ist wertlos, die Masche uralt, besonders beliebt auf den Seine-Brücken.

Der Kleckertrick: Eine fremde Person macht dich auf einen Fleck auf deiner Jacke aufmerksam und hilft übertrieben eifrig beim Putzen. Der Fleck stammt vom Team, und beim Abwischen werden deine Taschen geleert. Hilfe ablehnen und Abstand gewinnen.

Das Metro-Sandwich: Beim Einsteigen bleibt vor dir jemand abrupt in der Tür stehen, von hinten drückt die Gruppe nach. In dem Moment, in dem sich die Türen schließen, ist das Handy weg und der Dieb draußen auf dem Bahnsteig. Halte in Türnähe Taschen geschlossen und das Handy in der Innentasche.

Abzocke jenseits der Taschendiebe

Nicht jeder Ärger ist ein Diebstahl. Rund um die großen Sehenswürdigkeiten verkaufen fliegende Händler und dubiose Stände „Skip-the-line“-Tickets mit sattem Aufschlag oder ohne Gegenwert: Kaufe Eintrittskarten grundsätzlich nur auf den offiziellen Websites oder an den offiziellen Kassen. Am Flughafen und an den Bahnhöfen sprechen dich manchmal angebliche Taxifahrer schon in der Halle an, seriöse Taxis warten draußen am beschilderten Stand und fahren mit Taxameter oder festem Flughafentarif.

In Caféstraßen mit viel Laufpublikum lohnt außerdem der Blick in die Karte, bevor du dich setzt: Die Preise müssen aushängen, und in Sichtweite großer Sehenswürdigkeiten zahlst du für denselben Espresso oft das Doppelte wie zwei Straßen weiter. Das ist keine Kriminalität, aber vermeidbar.

So machst du dich unattraktiv

Du musst Paris nicht im Alarmmodus erleben, ein paar Gewohnheiten reichen. Tasche mit Reißverschluss, im Gedränge vor dem Körper. Handy nie auf den Cafétisch und nie in die hintere Hosentasche. Geld und Karten auf zwei Stellen verteilen, der Pass bleibt im Hotelsafe, eine Kopie genügt unterwegs. Geld möglichst an Automaten in Bankfilialen abheben statt auf offener Straße, und lass dir am Automaten von niemandem „helfen“.

Beim Rucksack gilt: In der Metro und im Gedränge nach vorn drehen oder zwischen die Füße stellen, denn hinten auf dem Rücken bekommst du vom geöffneten Reißverschluss nichts mit. Bei Großveranstaltungen, Feuerwerken und in der Silvesternacht auf den Champs-Élysées steigt die Diebstahldichte sprunghaft, dann ist die Innentasche mit Reißverschluss der einzig sinnvolle Ort für Handy und Geld.

Tipp: Die wichtigste Pariser Grundregel lautet: Wer dich an einem Touristenspot unaufgefordert anspricht, anfasst oder dir etwas hinhält, will in fast allen Fällen etwas von dir. Ablenkung ist immer Phase eins. Ein freundliches „Non, merci“ im Weitergehen löst 95 Prozent aller Situationen.

Wenn doch etwas passiert: Schritt für Schritt

Erstens: Karten sofort sperren. Für deutsche Bankkarten funktioniert der Sperr-Notruf aus dem Ausland unter +49 116 116, viele Banking-Apps können die Karte zusätzlich sofort einfrieren. Zweitens: Beim Handy den Verlustmodus aktivieren und wichtige Passwörter ändern.

Drittens: Anzeige erstatten. Das geht in jedem Commissariat, die Wachen in Touristenvierteln haben Formulare auf Englisch und teils auf Deutsch. Die Anzeige (plainte) bringt dein Eigentum selten zurück, aber du brauchst das Protokoll zwingend für die Versicherung und für Ersatzdokumente. Eine Vorab-Anzeige lässt sich online vorbereiten (pré-plainte en ligne), das verkürzt den Termin auf der Wache.

Gut zu wissen: Ist der Reisepass oder Personalausweis weg, stellt die deutsche Botschaft in Paris Ersatzdokumente für die Heimreise aus. Bring das Anzeigeprotokoll, ein Passfoto und, falls vorhanden, eine Kopie des alten Dokuments mit, dann geht es deutlich schneller.

Und zuletzt: Lass dir den Trip nicht verderben. Ein gestohlener Geldbeutel ist ärgerlich, aber mit gesperrten Karten und Passkopie ein lösbares Problem. Die allermeisten Besucher erleben Paris völlig ohne Zwischenfall, gerade wenn sie die Hotspots mit wachem Blick passieren. Mehr Alltagstricks für die Stadt findest du in den Paris-Insider-Tipps.

Häufige Fragen

Ist Paris für Touristen gefährlich?

Nein. Gewaltkriminalität gegen Besucher ist selten, die Touristenviertel sind belebt und gut überwacht. Das realistische Risiko ist Taschendiebstahl an den bekannten Hotspots und in der Metro. Mit geschlossener Tasche, Handy in der Innentasche und gesunder Skepsis gegenüber Ansprechern bist du gut unterwegs.

Welche Viertel sollte ich in Paris meiden?

Als Besucher mit normalem Programm: keines kategorisch. Spät nachts sind die Umgebung von Gare du Nord, Barbès und einzelne Ecken im Nordosten wenig einladend, dann nimmst du besser Metro oder Taxi statt langer Fußwege. Alle klassischen Sehenswürdigkeiten liegen in unproblematischen Gegenden.

Wie erkenne ich Taschendiebe in der Metro?

Typisch sind kleine Gruppen, die ohne erkennbares Ziel nah an der Tür stehen, dich im Einsteigemoment bedrängen oder trotz leeren Wagens auffällig dicht an dich heranrücken. Auch plötzliches Gedränge an der Rolltreppe ist ein Signal. Wechsle einfach die Waggontür oder den Wagen, Diebe suchen leichte Ziele, keine wachsamen.

Was mache ich, wenn mein Handy gestohlen wurde?

Sofort den Verlustmodus aktivieren (über „Wo ist?“ oder „Mein Gerät finden“), damit das Gerät gesperrt ist, dann die wichtigsten Passwörter ändern und die SIM sperren lassen. Danach Anzeige im Commissariat erstatten: Das Protokoll brauchst du für Versicherung und Neuanschaffung. Bezahl-Apps wie Wallets zusätzlich über die Bank sperren.

Ist die Pariser Metro nachts sicher?

Ja, auf den großen Linien fährst du auch spätabends selten allein, an Wochenenden sind die letzten Bahnen voller Nachtschwärmer. Setz dich in einen besetzten Wagen und behalte das Handy in der Tasche, mehr Vorsicht braucht es in der Regel nicht. Nach Betriebsschluss übernehmen Nachtbusse und Taxis.