Auf einen Blick
- RegionProvence: Valensole, Luberon, Sault, Drôme
- BlütezeitEnde Juni bis Anfang August, je nach Höhenlage
- Bestes FotolichtFrüher Morgen und Abendstunden
- AnreiseEigenes Auto praktisch unverzichtbar
- Gute BasisAix-en-Provence oder Avignon
Wann blüht der Lavendel? Der Kalender
Die eine Antwort gibt es nicht, denn die Blüte hängt vor allem von der Höhenlage ab: unten früher, oben später. Als Faustregel blüht das tiefer gelegene Valensole ab Ende Juni und wird ab Mitte Juli geerntet, während die Hochflächen um Sault bis in den August hinein blau bleiben. Wetter und Jahrgang verschieben den Kalender jedes Jahr um ein bis zwei Wochen, plane also lieber mit Zeitfenstern als mit festen Daten.
| Gebiet | Lage | Blüte (Faustregel) |
|---|---|---|
| Plateau de Valensole | Hochebene, eher tief | Ende Juni bis Mitte Juli |
| Luberon (Gordes, Sénanque) | Hügelland | Ende Juni bis Ende Juli |
| Plateau de Sault | Hochplateau am Mont Ventoux | Mitte Juli bis Anfang August |
| Drôme provençale (um Grignan) | Hügelland im Norden | Ende Juni bis Mitte Juli |
Noch ein Begriff, der Verwirrung stiftet: Auf den meisten Postkartenfeldern wächst gar kein echter Lavendel, sondern Lavandin, eine ertragreiche Hybridsorte mit kräftig violetten, gleichmäßigen Reihen. Der feinere echte Lavendel gedeiht vor allem in den Höhenlagen um Sault und liefert das teurere Öl. Fürs Auge sind beide großartig, für Kenner ist der Unterschied eine kleine Wissenschaft.
Valensole: das Postkartenplateau
Das Plateau de Valensole ist das Bild, das jeder im Kopf hat: Felder bis zum Horizont, dazwischen einzelne Steinhäuser und der berühmte einsame Baum. Die schönsten Strecken führen rund um das Dorf Valensole und weiter Richtung Puimoisson, wo sich im Juli Lavendel und blühende Sonnenblumen abwechseln. An den bekanntesten Fotospots stehen zur Blütezeit schon zum Sonnenaufgang Stative in Reihe. Verlass dich dabei nicht blind auf gespeicherte GPS-Punkte aus Fotoforen: Die Bauern lassen ihre Flächen rotieren, und das berühmte Feld vom letzten Jahr kann in diesem Jahr Weizen tragen. Fahr die Straßen einfach ab, die nächste blaue Fläche ist nie weit.
Der große Vorteil von Valensole ist die Kombination: Die Gorges du Verdon und der türkisfarbene Lac de Sainte-Croix liegen direkt nebenan, sodass du Lavendelmorgen und Schluchtennachmittag an einem Tag verbinden kannst. Viele Höfe am Plateau haben Verkaufsstände und Destillerien, in denen du zusehen kannst, wie aus Blüten Öl wird.
Sault: der echte Lavendel
Das Hochplateau von Sault am Fuß des Mont Ventoux blüht spürbar später und ist die Rettung für alle, die erst Ende Juli oder im August anreisen. Hier wächst der echte Lavendel, die Felder sind kleinteiliger, welliger und deutlich ruhiger als am Valensole-Plateau. Vom Ortsrand von Sault überblickst du das ganze blau gemusterte Becken.
Rund um Mitte August feiert Sault traditionell sein Lavendelfest mit Schnittwettbewerben und Markt, dann ist die Ernte in vollem Gang. Wer sportlich unterwegs ist, kombiniert die Felder mit einer Auffahrt auf den Mont Ventoux, den berühmtesten Radberg Frankreichs.
Luberon und die Abtei Sénanque
Das meistfotografierte Lavendelmotiv Frankreichs liegt im Luberon: die romanische Abtei Notre-Dame de Sénanque bei Gordes, deren Lavendelfeld die Zisterziensermönche selbst bewirtschaften. Gewöhnlich blüht es im Juli. Fotografiert wird vom markierten Aussichtspunkt an der Zufahrtsstraße, das Feld selbst ist tabu, hier leben und arbeiten Mönche.
Die Abtei lässt sich auch innen besichtigen, meist mit Führung und Anmeldung, angemessene Kleidung und Ruhe werden erwartet. Danach bist du in wenigen Minuten in Gordes und im Ockerdorf Roussillon, zwei der schönsten Dörfer Frankreichs. Auch zwischen den Luberon-Dörfern tauchen immer wieder einzelne Felder auf, oft schöner und leerer als die berühmten Spots.
Routen: so legst du die Tage
Als Basis funktionieren Aix-en-Provence für das Valensole-Plateau und Avignon für Luberon und Sault am besten. Ein bewährter Dreitagesplan: Tag eins früh zum Valensole-Plateau und nachmittags an den Lac de Sainte-Croix, Tag zwei durch den Luberon mit Sénanque, Gordes und Roussillon, Tag drei hinauf nach Sault und um den Mont Ventoux.
Wenn du mehr Zeit hast, hängst du die Drôme provençale um Grignan an, wo die Felder weiter und die Besucher weniger sind. Wie sich die Lavendeltage in eine größere Reise einbetten lassen, zeigt die Provence-Rundreise, einen Überblick über die ganze Region gibt der Provence-Guide.
Feste, Destillerien und Einkaufen
Rund um die Ernte feiert die Region ihren Lavendel: Das bekannteste Fest findet traditionell Mitte August in Sault statt, und Digne-les-Bains veranstaltet einen mehrtägigen Blumenkorso, dazu kommen kleinere Dorffeste über den ganzen Juli und August verteilt. Termine schwanken von Jahr zu Jahr, ein Blick auf die Aushänge der örtlichen Tourismusbüros lohnt sich.
Sehenswert sind auch die Destillerien rund um Valensole und Sault: Zur Erntezeit dampfen die Destillierkolben, du riechst die Anlagen, bevor du sie siehst, und viele Betriebe zeigen die Verarbeitung vom Schnitt bis zum Öl. Museen wie die alten Lavendelmühlen der Region erzählen, wie aus einer Bergpflanze ein Weltgeschäft wurde.
Fotoetikette: die Felder gehören Bauern
So verlockend die Reihen sind: Jedes Lavendelfeld ist Privatbesitz und Lebensgrundlage einer Familie. Bleib am Feldrand, geh nie zwischen die Reihen und setz dich nicht auf die Pflanzen, zertretener Lavendel treibt in der Saison nicht mehr nach. Pflücken ist tabu, Sträuße kaufst du für kleines Geld an jedem Hofstand. Drohnenflüge über arbeitenden Menschen sind verboten, und über Feldern brauchst du ohnehin Zurückhaltung.
Zur Hochsaison bist du an den berühmten Spots selten allein: Wer mit Stativ, Kleid und Sonnenaufgangslicht plant, sollte Geduld und Höflichkeit mitbringen, alle wollen dasselbe Bild. Einige Landwirte an den meistfotografierten Feldern haben inzwischen Zäune gezogen oder bitten um einen kleinen Obolus für den Zugang, das ist ihr gutes Recht. Verhalte dich wie ein Gast, dann bleiben die Felder auch für die Nächsten offen.
Achtung: Zur Blütezeit arbeiten Millionen Bienen in den Feldern, und sie interessieren sich nicht für dich, solange du nicht barfuß durch die Reihen läufst oder nach ihnen schlägst. Allergiker sollten ihr Notfallset dabeihaben. Parke außerdem komplett neben der Fahrbahn und blockiere keine Feldzufahrten, die Bauern fahren hier mit schwerem Gerät.
Praktische Tipps für die Lavendelzeit
Das beste Licht hast du früh am Morgen und in den letzten zwei Stunden vor Sonnenuntergang, mittags sind Hitze und Kontraste hart. Unterkünfte in der Blütezeit sind Monate im Voraus gefragt, buche früh oder weiche auf größere Orte wie Manosque oder Apt aus. Nimm Wasser und Sonnenschutz mit, auf den Hochebenen gibt es kaum Schatten.
Tipp: Kauf Lavendelprodukte direkt am Hof statt im Souvenirshop: Öl, Honig und Seife aus eigener Ernte, oft mit Blick auf genau das Feld, aus dem sie stammen. Achte auf die Bezeichnung „huile essentielle de lavande fine“ wenn du echtes Lavendelöl willst, Lavandin-Öl riecht schärfer und ist deutlich günstiger.
Häufige Fragen
Wann genau blüht der Lavendel bei Valensole?
In normalen Jahren von Ende Juni bis Mitte Juli, danach beginnt die Ernte und die Felder verschwinden Reihe um Reihe. Die volle Pracht erwischst du am sichersten in der ersten Juliwoche. Wetter und Jahrgang können den Zeitraum um ein bis zwei Wochen verschieben, in heißen Jahren eher nach vorn.
Wo entsteht das berühmte Foto mit der Abtei?
An der Abtei Notre-Dame de Sénanque bei Gordes im Luberon. Fotografiert wird vom ausgeschilderten Aussichtspunkt an der Zufahrtsstraße oberhalb der Abtei, das Lavendelfeld selbst gehört den Mönchen und darf nicht betreten werden. Die Blüte fällt dort gewöhnlich in den Juli, morgens ist das Licht am schönsten.
Kann ich die Lavendelfelder ohne Auto besuchen?
Nur eingeschränkt. Öffentliche Verkehrsmittel erreichen die Plateaus praktisch nicht, und die schönsten Felder liegen verstreut an Landstraßen. Ohne eigenes Auto bleiben geführte Tagestouren ab Aix-en-Provence oder Avignon, die in der Saison täglich fahren und die Klassiker Valensole und Sénanque abdecken.
Darf ich Lavendel pflücken oder durch die Felder laufen?
Nein. Die Felder sind Privatbesitz und die Ernte das Einkommen der Bauern, zertretene oder abgeknickte Pflanzen sind ein echter Schaden. Bleib am Feldrand und kauf dir einen frischen Strauß am Hofstand, das kostet wenig und unterstützt genau die Menschen, deren Felder du fotografierst.
Valensole oder Sault: was ist besser?
Für die klassischen Weitblicke und die Kombination mit dem Verdon: Valensole, aber nur bis Mitte Juli. Für echten Lavendel, spätere Blüte und deutlich weniger Betrieb: Sault. Ideal ist die Kombination aus beidem plus Sénanque im Luberon, dafür brauchst du zwei bis drei Tage.