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Mit dem Mietwagen durch Frankreich: was du wissen musst

Ein Mietwagen ist der Schlüssel zum schönsten Frankreich: zu Bergdörfern wie Gordes, zu Winzerorten wie Riquewihr und zu Felsennestern wie Rocamadour, die kein Zug erreicht. Das Fahren selbst ist entspannt, Frankreichs Autobahnen gehören zu den besten Europas.

Trotzdem gibt es Eigenheiten, die dich am ersten Tag kalt erwischen können: das Mautsystem mit seinen Spursymbolen, die Crit'Air-Umweltplakette für viele Städte und ein paar Verkehrsregeln, die anders funktionieren als zu Hause. Dieser Guide geht alles der Reihe nach durch.

Mit dem Mietwagen durch Frankreich: was du wissen musst
Foto: Benjamin Silve, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • MautAutobahnen sind größtenteils mautpflichtig (Péage)
  • UmweltplaketteCrit'Air, nur auf certificat-air.gouv.fr erhältlich
  • TempolimitsAutobahn 130, bei Regen 110, Landstraße 80 oder 90
  • Promillegrenze0,5, für Fahranfänger 0,2
  • Ideal fürDörfer, Weinstraßen, Rundreisen abseits der TGV-Achsen

Anmietung: darauf kommt es an

Die Grundregeln kennst du aus anderen Ländern: Buche früh, hol den Wagen möglichst nicht am teuersten Innenstadt-Schalter, prüfe den Zustand bei Übergabe mit Fotos. Wichtig ist die Kreditkarte: Sie muss auf den Namen des Hauptfahrers laufen, für die Kaution wird ein Betrag geblockt, Debitkarten akzeptieren viele Stationen nicht. Nimm die Vollkasko ohne oder mit geringer Selbstbeteiligung, enge Altstadtgassen und Parkrempler sind in Frankreich Alltag.

Für junge Fahrer gilt die übliche Logik der Vermieter: Unter einem bestimmten Alter, oft 25, wird eine Junglenkergebühr fällig, das Mindestalter und die geforderte Führerscheindauer variieren je nach Anbieter und Fahrzeugklasse. Vergleiche die Bedingungen vor der Buchung, manche Vermieter sind hier deutlich kulanter als andere. Ein deutscher Führerschein reicht, den Personalausweis solltest du trotzdem dabeihaben.

Denk auch über den Abholort nach: In Großstädten wie Nizza oder Marseille lohnt es sich oft, die ersten Stadttage ohne Auto zu verbringen und den Wagen erst am Abreisetag am Bahnhof oder Flughafen zu übernehmen. Das spart Miettage, Parkgebühren und Nerven, denn in den Zentren ist ein Auto eher Last als Hilfe.

Péage: so funktioniert die Maut

Frankreichs Autobahnen werden privat betrieben und kosten Maut, bezahlt wird an den Péage-Stationen. Das System ist einfach, sobald du es einmal verstanden hast: Bei der Einfahrt ziehst du ein Ticket, bei der Ausfahrt steckst du es in den Automaten und zahlst den angezeigten Betrag. Auf manchen Strecken gibt es stattdessen feste Beträge direkt an der Durchfahrt.

Entscheidend sind die Spursymbole über den Schranken: Ein grüner Pfeil steht für alle Zahlarten, das Kartensymbol für Kartenzahlung, das Münzsymbol für Bargeld. Die Spuren mit dem orangefarbenen t sind ausschließlich für Fahrzeuge mit Télépéage-Sender reserviert, dort ohne Badge einzufahren endet im Rückwärts-Rangieren vor hupendem Publikum.

Tipp: Halte eine Kreditkarte griffbereit in der Türablage, Kartenzahlung ist an der Péage am schnellsten. Wer Maut sparen will, stellt das Navi auf mautfreie Routen: Die Nationalstraßen sind langsamer, führen aber durch genau die Dörfer und Landschaften, für die man nach Frankreich fährt.

Crit’Air: die Umweltplakette nicht vergessen

Viele französische Städte haben Umweltzonen eingerichtet, darunter Paris, Lyon, Grenoble und weitere Metropolen. Dort brauchst du die Crit’Air-Vignette an der Windschutzscheibe, auch als Ausländer und auch im eigenen Auto bei der Anfahrt. Bei Mietwagen aus Frankreich ist die Plakette in der Regel schon montiert, prüfe das kurz bei der Übernahme. Fährst du mit dem eigenen Wagen an, bestelle die Vignette mehrere Wochen vor der Abreise, sie kommt per Post.

Achtung: Die Crit’Air-Vignette gibt es ausschließlich auf der offiziellen Seite certificat-air.gouv.fr, für wenige Euro. Zahlreiche inoffizielle Portale verkaufen dieselbe Plakette mit hohen Aufschlägen oder liefern gar nicht. Nutze keine andere Website. Welche Städte Zonen haben und wie sie funktionieren, erklärt der Beitrag zu den Umweltzonen in Frankreich.

Verkehrsregeln: die Unterschiede, die zählen

Auf der Autobahn gilt Tempo 130, bei Regen 110. Auf Landstraßen fährst du 80 oder 90, je nach Département, achte auf die Beschilderung statt auf Faustregeln. Die wichtigste Eigenheit ist die Priorité à droite: In Städten und Dörfern kann an unmarkierten Kreuzungen Vorfahrt von rechts gelten, auch auf Straßen, die wie Vorfahrtsstraßen wirken. Ein gelbes Rautenschild zeigt dir, dass du Vorfahrt hast, ist es durchgestrichen, gilt rechts vor links.

Weitere Punkte für die Checkliste: Die Promillegrenze liegt bei 0,5, für Fahranfänger bei 0,2. Radarwarner sind verboten, auch als Funktion in Navi-Apps, weshalb Blitzer dort in Frankreich nur als vage Gefahrenzonen angezeigt werden. Warnweste und Warndreieck müssen an Bord sein, die Weste griffbereit im Innenraum. Und in Kreisverkehren hat der Verkehr im Kreis meist Vorfahrt, aber nicht immer: Am Pariser Arc de Triomphe etwa gilt das Gegenteil.

Gut zu wissen: Geblitzt wird in Frankreich häufig und automatisiert, und die Bußgelder erreichen dich über den Vermieter zuverlässig zu Hause, plus Bearbeitungsgebühr. Der Tempomat ist auf Péage-Strecken dein bester Freund.

Tanken, Laden, Rasten

Getankt wird in Frankreich am günstigsten an den Supermarkt-Tankstellen am Ortsrand, die Autobahn-Stationen sind spürbar teurer. Beachte die Kraftstoff-Namen: SP95 und SP98 sind Benzin, Gazole ist Diesel, E85 ist nichts für normale Mietwagen. An Automaten-Tankstellen funktioniert nicht jede deutsche Karte, halte eine Kreditkarte als Reserve bereit. Elektrisch Reisende finden entlang der Autobahnen inzwischen ein dichtes Schnellladenetz, auf dem Land hilft Planung. Und die Aires, die Rastplätze im Abstand weniger Kilometer, sind ein unterschätztes Stück Frankreich: Viele sind grün, schattig und mit Picknicktischen ausgestattet, ideal für Pausen mit Baguette statt Raststätten-Menü.

Parken und Städte: der Wagen bleibt draußen

Die goldene Regel für Städte: Der Mietwagen ist für die Strecken dazwischen da, nicht für die Zentren. Altstädte wie in Aix-en-Provence oder Colmar sind eng, verkehrsberuhigt und kameraüberwacht, Parkhäuser am Rand sind die stressfreie Lösung. In Großstädten wie Paris brauchst du gar nicht erst mit dem Auto hinein, nimm den Zug und miete den Wagen erst bei der Weiterreise. Auf dem Land gilt: Weiße Markierungen sind frei, blaue brauchen die Parkscheibe, gelbe Bordsteine bedeuten Halteverbot. Bezahlt wird an Automaten mit Kennzeicheneingabe oder per App, das Ticket hinter der Scheibe stirbt langsam aus. Und lass grundsätzlich nichts sichtbar im Auto liegen, an touristischen Parkplätzen im Süden sind aufgebrochene Mietwagen ein bekanntes Ärgernis.

Die schönsten Mietwagen-Reviere

Wo lohnt sich das Auto am meisten? In der Provence mit ihren Bergdörfern und Lavendelrouten, an der Elsässer Weinstraße, im Tal der Loire-Schlösser und in der Dordogne. Für die Anfahrt aus Deutschland mit dem eigenen Wagen findest du alle Fakten im Guide Mit dem Auto nach Frankreich, und wer gleich eine große Runde plant, holt sich Ideen im Roadtrip durch Südfrankreich.

Häufige Fragen

Wie teuer ist die Maut in Frankreich?

Das hängt von Strecke und Fahrzeugklasse ab, auf langen Nord-Süd-Routen kommt ein spürbarer Betrag zusammen. Die Betreiber und Routenplaner zeigen die exakten Kosten vorab an, rechne sie vor der Reise einmal durch. Sparen kannst du über die mautfreien Nationalstraßen, die mehr Zeit kosten, aber durch schönere Landschaften führen.

Brauche ich für den Mietwagen eine Crit'Air-Plakette?

In Frankreich gemietete Autos haben die Vignette in der Regel bereits an der Scheibe, ein kurzer Blick bei der Übernahme schafft Sicherheit. Wichtig wird das Thema vor allem, wenn du mit dem eigenen oder einem im Ausland gemieteten Wagen in Umweltzonen wie Paris oder Lyon fährst: Dann bestelle die Plakette rechtzeitig auf certificat-air.gouv.fr, der einzigen offiziellen Quelle.

Ab welchem Alter kann man in Frankreich ein Auto mieten?

Das legt jeder Vermieter selbst fest. Üblich sind ein Mindestalter um 21 Jahre, eine Mindestdauer des Führerscheinbesitzes von einem Jahr und eine Junglenkergebühr für Fahrer unter 25. Für größere Fahrzeugklassen gelten oft strengere Grenzen. Vergleiche die Bedingungen vor der Buchung, die Unterschiede zwischen den Anbietern sind erheblich.

Was bedeutet Priorité à droite?

Vorfahrt von rechts, und zwar auch dort, wo du sie nicht erwartest: an unmarkierten Kreuzungen in Städten und Dörfern kann der von rechts kommende Verkehr Vorrang haben, selbst wenn deine Straße größer wirkt. Das gelbe Rautenschild zeigt dir, dass du auf einer Vorfahrtsstraße bist. Fahre in Ortschaften defensiv, bis du das System verinnerlicht hast.

Kann man Frankreich auch ohne Auto bereisen?

Ja, erstaunlich gut, solange du bei Städten bleibst: Das TGV-Netz verbindet die Metropolen schnell und bequem, auch Regionalzüge erschließen viel. Ein Auto brauchst du für Dörfer, Weinstraßen, Lavendelfelder und Küstenabschnitte abseits der Bahnlinien. Die beste Formel für viele Reisen: mit dem Zug in die Region, den Mietwagen erst vor Ort nehmen.