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Roadtrip Südfrankreich: von der Provence ans Meer

Kaum eine Region belohnt das eigene Auto so sehr wie die Provence: Die Höhepunkte liegen dicht beieinander, aber quer zu allen Bahnlinien, und die schönsten Momente passieren zwischen den Orten, auf Alleen voller Platanen, zwischen Weinbergen und Kalkfelsen. Dieser Roadtrip bringt dich in etwa einer Woche von Avignon bis ans Mittelmeer.

Die Etappen sind bewusst kurz gehalten: selten mehr als eine Stunde reine Fahrzeit pro Tag. So bleibt Zeit für Märkte, Dörfer und lange Mittagessen, also für genau das, weswegen man in die Provence fährt.

Roadtrip Südfrankreich: von der Provence ans Meer
Foto: Tobi 87, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RouteAvignon bis Marseille, durch Gard, Luberon und Calanques
  • Dauer7 Tage, gut auf 10 Tage dehnbar
  • Streckerund 300 Kilometer, kurze Tagesetappen
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September, Lavendel meist ab Ende Juni
  • StartpunktAvignon, gut per TGV oder Auto erreichbar

Die Route im Überblick

Die Runde beginnt in Avignon und endet in Marseille, du kannst sie genauso gut umgekehrt fahren. Alle Fahrzeiten sind Richtwerte für reine Fahrt ohne Stau, Parkplatzsuche und Fotostopps. Auf den Landstraßen des Luberon und der Provence rechne 20 bis 30 Prozent obendrauf, im Sommer und zur Marktzeit die Hälfte.

Tag Etappe Strecke Fahrzeit
1 Ankunft in Avignon
2 Avignon nach Uzès, Pont du Gard, weiter nach Nîmes ca. 70 km ca. 45 Min. gesamt
3 Nîmes nach Arles ca. 40 km ca. 30 Min.
4 Ausflug Camargue und Aigues-Mortes ca. 100 km hin und zurück ca. 1 Std. gesamt
5 Arles nach Gordes in den Luberon ca. 70 km ca. 45 Min.
6 Gordes nach Aix-en-Provence ca. 60 km ca. 45 Min.
7 Aix nach Cassis, abends Marseille ca. 60 km ca. 45 Min. gesamt

Tag 1: Ankunft in Avignon

Starte in Avignon: Die Stadt liegt perfekt am Nordrand der Provence und ist mit dem TGV auch ohne eigene Anfahrt gut erreichbar, das Auto kannst du hier mieten. Der erste Nachmittag gehört dem Papstpalast, der berühmten halben Brücke und den Gassen innerhalb der komplett erhaltenen Stadtmauer. Abends isst du auf der Place de l’Horloge oder in einer der Seitengassen.

Tag 2: Uzès, Pont du Gard und Nîmes

Von Avignon sind es rund 40 Kilometer und etwa eine halbe Stunde bis Uzès, einem der elegantesten Kleinstädtchen des Südens. Wenn es passt, leg den Tag auf den Markttag, der Platz unter den Arkaden ist dann ein Fest. Mittags weiter zum Pont du Gard, dem römischen Aquädukt, das du vom Ufer des Gardon in voller Höhe siehst. Am Nachmittag geht es in gut 15 Minuten weiter nach Nîmes mit seiner römischen Arena und der Maison Carrée.

Tag 3: Nîmes nach Arles

Die kurze Etappe nach Arles dauert etwa 30 Minuten, also bleibt der Vormittag für Nîmes. In Arles wartet das zweite römische Doppelprogramm: Amphitheater und antikes Theater, dazu die Spuren von Van Gogh, der hier sein produktivstes Jahr verbrachte. Abends haben die Plätze der Altstadt genau das gelbe Licht, das man von seinen Bildern kennt.

Tag 4: Camargue und Aigues-Mortes

Von Arles aus lohnt ein Schleifentag in die Camargue: Flamingos, weiße Pferde, Salzfelder und ein Himmel, der größer wirkt als anderswo. Ziel ist Aigues-Mortes, die schnurgerade ummauerte Kreuzfahrerstadt im Sumpf, gut 30 Minuten Fahrt pro Richtung. Wer lieber weniger fährt, bleibt in Arles und nimmt sich Kloster Montmajour oder einfach einen langen Marktvormittag vor.

Tag 5: hinein in den Luberon

Jetzt kommt die Postkarten-Provence. Über Landstraßen geht es in rund 45 Minuten nach Gordes, dessen Steinhäuser sich einen Felshang hinaufstapeln. Der klassische Fotopunkt liegt an der Straße kurz vor dem Ort. Von hier sind es nur wenige Kilometer zur Abtei Sénanque mit ihren Lavendelfeldern und zu den Ockerfelsen von Roussillon. Übernachte im Luberon, abends, wenn die Ausflugsbusse weg sind, gehören die Dörfer wieder den Bewohnern.

Gut zu wissen: Der Lavendel blüht je nach Lage und Jahr meist von Ende Juni bis Mitte oder Ende Juli, danach wird geerntet. Wo die schönsten Felder stehen und wie du die Blüte richtig timst, liest du auf unserer Seite zu den Lavendelfeldern der Provence.

Tag 6: Gordes nach Aix-en-Provence

Rund 45 Minuten Fahrt bringen dich nach Aix-en-Provence, die eleganteste Stadt der Provence. Flaniere den Cours Mirabeau entlang, verirre dich im Mazarin-Viertel und folge den Spuren von Cézanne, dessen Atelier oberhalb der Altstadt liegt. Aix ist außerdem der beste Ort der Route für einen langen Abend: Die Dichte an guten Restaurants ist enorm.

Tag 7: Cassis, Calanques und Marseille

Zum Finale ans Meer: In etwa 30 Minuten bist du in Cassis, einem Hafenort unter Frankreichs höchsten Küstenklippen. Von hier starten die Bootstouren in die Calanques, fjordartige Kalkbuchten mit türkisem Wasser, zu Fuß erreichst du die nächstgelegene Bucht in einer guten Wanderung. Abends sind es nur noch gut 15 Minuten Fahrt (plus Stadtverkehr) nach Marseille, wo die Runde am Alten Hafen endet.

Achtung: Lass im Auto nie Gepäck sichtbar liegen, an Aussichtspunkten und Stränden wird gern in Scheiben geschaut. Beachte außerdem, dass Marseille eine Umweltzone hat: Ohne Crit’Air-Vignette an der Scheibe drohen Bußgelder. Alle Details dazu im Beitrag über Umweltzonen in Frankreich.

Übernachten unterwegs

Die Route funktioniert mit drei Basislagern statt täglichem Kofferpacken: zwei Nächte Avignon, zwei Nächte Arles, dann Luberon und Aix. Wer lieber jeden Abend woanders ist, findet überall Auswahl, von Stadthotels bis zu Chambres d’hôtes, den französischen Gästezimmern auf Weingütern und in Dorfhäusern. Gerade im Luberon sind die schönsten Unterkünfte klein und früh ausgebucht, reserviere die Nächte dort zuerst.

Ein Detail, das viele unterschätzen: Parken am Hotel. Frag bei der Buchung nach einem Stellplatz oder wähle Häuser am Altstadtrand, in Avignon und Aix ist das abendliche Kreisen um volle Parkhäuser sonst der anstrengendste Teil des Tages.

Varianten und Verlängerungen

Mit drei Tagen mehr kannst du die Runde dehnen: ein zweiter Luberon-Tag mit Roussillon und Bonnieux, ein Abstecher nach Orange mit seinem römischen Theater oder gleich die Weiterfahrt entlang der Küste Richtung Saint-Tropez, von Marseille etwa anderthalb Stunden. Wer statt Meer lieber mehr Dörfer will, hängt die klassische Runde durch das Herz der Provence an, alle Bausteine dafür findest du auf unserer Seite zur Provence-Rundreise.

Praktisches für die Fahrt

Die Autobahnen des Südens sind mautpflichtig, bezahlt wird an Péage-Stationen per Karte. Für diese Route brauchst du sie aber kaum: Die schönen Strecken sind die Departementsstraßen, und die sind gratis. Tanken ist an Supermarkt-Tankstellen am günstigsten. Parke in den Städten in ausgeschilderten Parkhäusern am Altstadtrand, die Zentren selbst sind eng, teuer und oft verkehrsberuhigt.

Zwei Dinge gehören in jedem Fall ins Auto: Wasser und ein Sonnenschutz für die Frontscheibe, im Sommer wird der Wagen auf provenzalischen Parkplätzen zum Backofen. Der Mistral, der kalte Nordwind des Rhônetals, kann außerdem an einzelnen Tagen kräftig blasen, halte das Lenkrad auf Brücken gut fest und rechne an solchen Tagen mit frischen Abenden, selbst im Hochsommer. Dafür fegt er den Himmel zu jenem tiefen Blau, für das die Provence berühmt ist.

Tipp: Fahre die Dörfer möglichst vor 10 Uhr an oder nach 17 Uhr, dazwischen gehören Gordes und der Pont du Gard den Reisebussen. Und plane um die Mittagszeit nichts: Zwischen 12 und 14 Uhr isst die Provence, danach sind Straßen und Sehenswürdigkeiten wieder frei. Wenn du noch kein Auto hast, hilft unser Beitrag Frankreich mit dem Mietwagen.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für einen Roadtrip durch Südfrankreich?

Für die Kernroute von Avignon bis Marseille reicht eine Woche mit angenehm kurzen Etappen. Mit zehn Tagen kannst du Luberon und Küste vertiefen oder bis zur Côte d'Azur weiterfahren. Weniger als fünf Tage lohnen kaum, dann verbringst du zu viel Zeit mit An- und Abreise.

Wann ist die beste Zeit für einen Provence-Roadtrip?

Mai, Juni und September sind ideal: warm, aber ohne die Hitze und die Kolonnen des Hochsommers. Die Lavendelblüte erwischst du meist von Ende Juni bis Mitte Juli. Im August ist die Region voll und heiß, im Winter haben viele Restaurants und Hotels in den Dörfern geschlossen.

Braucht man für diese Route ein eigenes Auto?

Für die Städte allein nicht, Avignon, Nîmes, Arles, Aix und Marseille sind per Bahn verbunden. Aber der Luberon, der Pont du Gard und die Camargue sind ohne Auto mühsam bis unmöglich. Praktisch ist die Kombination: per TGV nach Avignon und dort den Mietwagen übernehmen.

Ist das Fahren in Südfrankreich stressig?

Auf den Landstraßen überhaupt nicht, sie sind gut ausgebaut und ruhig. Anstrengend sind nur drei Dinge: Kreisverkehr-Serien vor jeder Stadt, die Parkplatzsuche in Altstädten und der Verkehr rund um Marseille. Genau dafür ist die Route gemacht: kurze Etappen, Parkhäuser am Altstadtrand und die Großstadt erst am Schluss.

Kann man die Route auch andersherum fahren?

Ja, sie funktioniert in beide Richtungen. Von Marseille aus startest du mit Meer und Calanques und endest ruhig in Avignon. Die vorgestellte Richtung hebt sich das Mittelmeer als Finale auf und hat einen praktischen Vorteil: Du gewöhnst dich auf ruhigen Landstraßen ans Auto, bevor der Verkehr rund um Marseille kommt.