Nouvelle-Aquitaine · Bordeaux

Grosse Cloche & Porte Cailhau

Bevor Bordeaux zur Stadt des 18. Jahrhunderts wurde, war es eine ummauerte Handelsstadt am Fluss. Davon sind zwei Prachtstücke geblieben: die Grosse Cloche, ein Glockenturm über einem Stadttor aus dem 15. Jahrhundert, und die Porte Cailhau von 1495, halb Wehrturm, halb Märchenschloss.

Beide Tore liegen keine zehn Gehminuten auseinander und machen aus dem Süden der Altstadt einen kleinen Mittelalter-Rundgang, kostenlos und ohne Wartezeit.

Auf einen Blick

  • RegionNouvelle-Aquitaine
  • Grosse ClocheTorturm aus dem 15. Jahrhundert
  • Porte Cailhauerbaut ab 1495
  • Besuchsdauer30 bis 60 Minuten für beide Tore
  • Beste Zeitvormittags oder zum Abendlicht

Grosse Cloche: die Glocke der Bürger

Der Doppelturm mit der goldenen Wetterfahne war Stadttor und Rathaus-Glockenturm zugleich und ist eines der ältesten Bauwerke der Stadt. Seine Glocke läutete Feuer, Feste und den Beginn der Weinlese ein, und sie war das Symbol der städtischen Freiheiten: Wenn die Bürger aufmüpfig wurden, ließ der König die Glocke kurzerhand abtransportieren. Härter konnte man Bordeaux damals kaum bestrafen.

Die heutige Glocke stammt aus dem 18. Jahrhundert, wiegt mehrere Tonnen und läutet nur noch zu wenigen Anlässen im Jahr, traditionell etwa am ersten Sonntag im Monat. Unter dem Tor hindurch läuft die Rue Saint-James, eine der ältesten Gassen der Stadt; der Blick von Süden, mit dem Tor über der Gasse, ist das klassische Foto.

Gut zu wissen: Das Tor hieß ursprünglich Porte Saint-Éloi und lag am Jakobsweg: Pilger verließen hier die Stadt Richtung Santiago de Compostela. Die Muschelzeichen der Route findest du bis heute im Pflaster der Altstadt.

Porte Cailhau: das Tor zum Fluss

Fünf Minuten weiter Richtung Garonne steht die Porte Cailhau, gebaut ab 1495 zu Ehren eines Sieges von König Karl VIII. Mit ihren spitzen Türmchen und dem hellen Stein wirkt sie wie aus einem Bilderbuch, dabei war sie zugleich Ehrenpforte und Verteidigungsanlage. Innen zeigen kleine Ausstellungsräume die Stadtgeschichte, oben liegt ein hübscher Blick auf Fluss und Pont de Pierre.

Der Platz davor, die Place du Palais, ist mit seinen Caféterrassen ein guter Zwischenstopp; zur Place de la Bourse sind es von hier nur ein paar Minuten am Fluss entlang.

Tickets: Beide Tore sind von außen jederzeit kostenlos zu sehen. Die Innenräume und Turmbesteigungen sind nur zeitweise und teils mit Führung geöffnet; Termine und Buchung laufen über das offizielle Tourismusbüro.

Zum offiziellen Tourismusbüro

Der kleine Mittelalter-Rundgang

Verbinde beide Tore zu einer Schleife: von der Rue Sainte-Catherine über den Cours Victor-Hugo zur Grosse Cloche, durch die Rue Saint-James nach Norden, dann durch die Gassen von Saint-Pierre zur Porte Cailhau und ans Ufer. Hinter der Grosse Cloche lohnt der Marché des Capucins als Abschluss, besonders am Wochenende zur Austernzeit; mehr dazu im Guide zu Essen & Trinken.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istEchte Warteschlangen gibt es hier selten, höchstens Fotogruppen vor der Porte Cailhau. Zwei Minuten Geduld oder ein Perspektivwechsel auf die Flussseite lösen das Problem.
  • Wenn es regnetDer Rundgang ist kurz genug für eine Regenlücke; dazwischen retten dich die Cafés der Place du Palais oder die Markthalle des Marché des Capucins.
  • Mit KindernDie Geschichte von der gestohlenen Glocke und die Märchentürme der Porte Cailhau ziehen bei Kindern gut. Die Turmtreppen sind eng und steil, für Tragen und Kinderwagen ungeeignet.
  • Mit eingeschränkter MobilitätRund um beide Tore liegt Kopfsteinpflaster, die Gassen sind aber eben. Die Innenbesichtigungen führen über enge Wendeltreppen ohne Aufzug, das Außenerlebnis ist davon unabhängig.

Häufige Fragen

Kann man die Grosse Cloche besichtigen?

Von außen jederzeit, und genau das ist das eigentliche Erlebnis. Das Innere mit Uhrwerk und Glockenstube öffnet nur zeitweise, meist in der Saison und mit Führung über das Tourismusbüro. Verlass dich nicht darauf, spontan hineinzukommen, sondern prüfe die Termine vorab, wenn dir der Aufstieg wichtig ist.

Wann läutet die Glocke?

Nur zu wenigen Anlässen: traditionell am ersten Sonntag im Monat zur Mittagszeit sowie an einigen Fest- und Gedenktagen. Wer sie hören will, plant den Altstadtbummel entsprechend. An allen anderen Tagen bleibt die mehrere Tonnen schwere Glocke stumm, auch das gehört zu ihrer Geschichte als streng gehütetes Bürgersymbol.

Was ist die Porte Cailhau?

Ein Stadttor von 1495 am früheren Hafenzugang, gebaut zu Ehren König Karls VIII. nach seinem Italienfeldzug. Es mischt Verteidigungsarchitektur mit Renaissance-Dekor, daher der Bilderbuch-Look mit spitzen Türmchen. Innen gibt es kleine Ausstellungsräume und Fenster mit Blick auf Garonne und Pont de Pierre.

Sind die beiden Tore kostenlos?

Von außen ja, und das reicht für den Kern des Erlebnisses: die Silhouetten, die Gassen, die Fotos. Nur für die Innenräume und Turmaufstiege wird ein Eintritt fällig, sofern sie geöffnet sind. Damit gehören die Tore zu den besten Gratis-Zielen der Stadt.

In welcher Reihenfolge läuft man den Rundgang?

Am schönsten von Süden nach Norden: erst Marché des Capucins zum Einstimmen, dann Grosse Cloche mit dem Blick durch die Rue Saint-James, weiter durch Saint-Pierre zur Porte Cailhau und zum Abschluss ans Garonne-Ufer zur Place de la Bourse. So steigert sich der Rundgang bis zum großen Finale am Fluss.