Auf einen Blick
- RegionNouvelle-Aquitaine
- EpocheGotik, auf romanischen Ursprüngen
- UNESCOWelterbe an den Jakobswegen in Frankreich
- Tour Pey-Berland15. Jahrhundert, rund 230 Stufen
- Besuchsdauer45 bis 90 Minuten mit Turm
- AnreiseTram A oder B, Haltestelle Hôtel de Ville
Eine Hochzeit, die Europa veränderte
1137 heiratete die junge Eleonore von Aquitanien in dieser Kathedrale Ludwig, den Thronfolger Frankreichs. Als die Ehe später annulliert wurde und Eleonore den englischen König Heinrich II. nahm, fiel Südwestfrankreich samt Bordeaux an die englische Krone: der Auftakt zu drei Jahrhunderten englischer Herrschaft und zur großen Zeit des Weinhandels. Wenn du in Bordeaux nur eine Geschichtslektion mitnimmst, dann diese.
Sehenswert sind vor allem das Königsportal an der Nordseite mit seinen fein gearbeiteten Skulpturen und das helle gotische Langhaus. Als Station der Jakobswege gehört die Kathedrale zum UNESCO-Welterbe; Pilger erkennst du bis heute an Muschel und Rucksack.
Tour Pey-Berland: der Aufstieg
Der Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert steht ein paar Schritte neben der Kirche, benannt nach dem Erzbischof, der ihn stiftete. Getrennt gebaut wurde er, damit die Schwingungen der schweren Glocken dem Kirchenbau auf dem weichen Untergrund nicht schaden. Rund 230 Stufen führen über eine enge Wendeltreppe zu zwei Aussichtsebenen; oben wacht die vergoldete Marienstatue über die Stadt.
Der Blick ist der beste der Altstadt: die Dächer bis zur Garonne, die Türme von Saint-Michel, bei klarem Wetter das Umland. Von hier verstehst du, wie eng die Stadt des Mittelalters und die Boulevards des 18. Jahrhunderts ineinander liegen. Plane den Aufstieg an den Anfang, danach lässt sich der Rundgang zu den Bordeaux Sehenswürdigkeiten von oben förmlich ablesen.
Achtung: Die Wendeltreppe ist eng, ohne Aufzug und nichts für Menschen mit Platzangst oder instabilem Kreislauf. Oben kann es kräftig wehen, halte Hüte und Handykordeln fest.
Tickets: Die Kathedrale ist kostenlos. Für den Turm kaufst du das Ticket am Eingang; in der Hochsaison sind die Plätze pro Zeitfenster begrenzt, komm dann gleich vormittags. Aktuelle Infos bündelt das offizielle Tourismusbüro.
Rund um den Platz
Die Kathedrale steht auf der Place Pey-Berland, gleich neben dem Rathaus im Palais Rohan. Von hier sind es fünf Minuten zur Rue Sainte-Catherine, zehn zur Grosse Cloche und eine Viertelstunde zur Place de la Bourse. Die Cafés am Platz sind solide; besser isst du ein paar Gassen weiter, Tipps dazu im Guide zu Essen & Trinken in Bordeaux.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWenn am Turm ein Zeitfenster voll ist, nimm das nächste und schau solange in die Kathedrale oder ins Rathausviertel. Alternativ ist die Aussicht von der Porte Cailhau kleiner, aber fast immer frei.
- Wenn es regnetDie Kathedrale selbst ist der Regenschutz; der Turm lohnt bei schlechter Sicht nicht, spar dir den Aufstieg dann für den nächsten Morgen auf.
- Mit KindernDie Stufen sind für Schulkinder ein Abenteuer, für Kleinkinder tabu; Kinderwagen bleiben unten. In der Kirche zieht die Hochzeitsgeschichte von Eleonore besser als jede Architekturerklärung.
- Mit eingeschränkter MobilitätKirche und Platz sind gut zugänglich, in der Kathedrale helfen Rampen. Der Turm ist ausschließlich über die enge Wendeltreppe zu besteigen, ohne Aufzug, das muss man ehrlich sagen.
Häufige Fragen
Kostet die Kathedrale Saint-André Eintritt?
Nein, die Kirche ist wie fast alle französischen Kathedralen kostenlos zugänglich, außerhalb der Gottesdienste auch für Besichtigungen. Bezahlt wird nur der Aufstieg auf den Tour Pey-Berland, der als eigenes Monument verwaltet wird. Ein kleiner Beitrag in den Opferstock ist natürlich immer willkommen.
Wie anstrengend ist der Tour Pey-Berland?
Rund 230 Stufen über eine enge, einspurige Wendeltreppe, ohne Aufzug und ohne echte Zwischenpausen. Mit normaler Kondition ist das in zehn Minuten geschafft, sportlich musst du nicht sein. Problematisch ist eher die Enge: Wer Platzangst hat, sollte es sich zweimal überlegen.
Warum steht der Glockenturm neben der Kirche?
Aus Vorsicht: Der Untergrund in Bordeaux ist weich, und die Schwingungen schwerer Glocken hätten dem Kirchenbau zusetzen können. Also baute man den Turm im 15. Jahrhundert als eigenständigen Kampanile ein Stück entfernt. Der Kathedrale bekam das gut, und Bordeaux bekam einen frei stehenden Aussichtsturm.
Was hat es mit Eleonore von Aquitanien auf sich?
Eleonore war Erbin des riesigen Herzogtums Aquitanien und heiratete 1137 in dieser Kathedrale den späteren König Ludwig VII. von Frankreich. Nach der Annullierung der Ehe nahm sie Heinrich Plantagenet, bald König von England, und brachte den Südwesten als Mitgift mit. So wurde Bordeaux für rund 300 Jahre englisch und mit dem Weinexport reich.
Wann ist die beste Zeit für den Turmblick?
Vormittags: klarere Luft, weniger Andrang, und die Sonne steht günstig für Fotos Richtung Garonne. Bei diesigem oder regnerischem Wetter lohnt der Aufstieg kaum, dann lieber verschieben. Wer den Sonnenuntergang von oben will, muss die Schlusszeiten prüfen, der Turm schließt in der Regel vor der Dämmerung.