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Wandern in Frankreich: die schönsten Touren & Regionen

Frankreich ist ein Wanderland erster Güte: die Alpen rund um den Mont Blanc, die gewaltige Verdonschlucht, ein Küstenpfad einmal um die ganze Bretagne und mit dem GR20 auf Korsika der härteste Fernwanderweg Europas. Dazu kommt ein Wegenetz, das dichter und besser markiert ist als fast überall sonst.

Diese Seite erklärt dir zuerst das GR-System, damit du Karten und Wegweiser sofort lesen kannst. Danach stellen wir die schönsten Wanderregionen vor, jeweils mit einer Stadt, die sich als Basis eignet.

Wandern in Frankreich: die schönsten Touren & Regionen
Foto: Chabe01, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WegenetzWeit über 100.000 Kilometer markierte Wanderwege
  • MarkierungGR weiß-rot, GRP gelb-rot, PR gelb
  • Härtester WegGR20 quer über Korsika
  • Beste Zeit HochgebirgeEnde Juni bis Mitte September
  • Beste Zeit Süden und KüstenApril bis Juni und September, Oktober

Das GR-System verstehen

GR steht für „sentier de Grande Randonnée“, Fernwanderweg. Die Wege sind durchnummeriert wie Autobahnen und mit weiß-roten Doppelbalken markiert: auf Bäumen, Felsen, Mauerecken. Daneben gibt es GRP-Wege (gelb-rot) für regionale Rundtouren und PR-Wege (gelb) für Tageswanderungen. Gepflegt wird das alles vom Wanderverband FFRandonnée und seinen Freiwilligen, die zu fast jedem Weg auch Topo-Guides mit Karten und Etappen herausgeben. Einen Überblick findest du auf ffrandonnee.fr.

Gut zu wissen: Die Markierungen sprechen eine eigene Sprache: Zwei Balken übereinander heißt „richtiger Weg“, ein abgewinkeltes Zeichen kündigt eine Abzweigung an, ein X bedeutet „hier nicht“. Wenn du zehn Minuten kein Zeichen gesehen hast, geh zurück bis zur letzten Markierung.

GR20 auf Korsika: der härteste Fernwanderweg Europas

Rund 180 Kilometer quer über die Gebirgsinsel Korsika, aufgeteilt in 16 Etappen: Der GR20 gilt als härtester Fernwanderweg Europas, und das ist keine Übertreibung. Du kraxelst über Granitplatten, hältst dich an Ketten fest und machst täglich weit über tausend Höhenmeter, oft bei Hitze oder plötzlichen Gewittern. Der Nordteil ab Calenzana bei Calvi ist der schwerere, der Südteil Richtung Conca die etwas mildere Hälfte.

Die Übernachtung läuft über einfache Berghütten und Zeltplätze, die du in der Saison vorab reservieren musst. Anreise klassisch über Bastia oder Ajaccio. Wer die Insel lieber gemütlicher erwandert, nimmt den Küstenweg Mare e Monti oder Tagestouren, etwa in den Calanche-Felsen an der Westküste.

Achtung: Unterschätze den GR20 nicht. Jedes Jahr fliegt die Bergwacht Wanderer aus, die Kondition oder Ausrüstung überschätzt haben. Ohne Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Bergerfahrung hat man auf dem Weg nichts verloren, und im Juli brauchst du sehr viel Wasser pro Tag.

Chamonix und die Tour du Mont Blanc

Chamonix ist die Bergsteigerhauptstadt der Alpen und der klassische Startpunkt der Tour du Mont Blanc: rund 170 Kilometer um das komplette Massiv, durch Frankreich, Italien und die Schweiz, in sieben bis elf Tagen. Die Hütten sind Monate im Voraus ausgebucht, plane früh oder geh im September. Für Tagestouren ab Chamonix sind der Lac Blanc und der Balkonweg Grand Balcon Nord die Klassiker.

Sanfter wandert es sich in Savoyen rund um Annecy: Der Semnoz und der Mont Veyrier verbinden Bergpanorama mit Badesee, und abends sitzt du in einer der schönsten Altstädte der Alpen.

Verdon: Wandern in der größten Schlucht Europas

Die Verdonschlucht in der Provence ist bis zu 700 Meter tief, unten leuchtet der Fluss türkis. Die Königstour ist der Sentier Blanc-Martel, gut 15 Kilometer von Punkt zu Punkt, mit Leitern, Felsentunneln (Stirnlampe einpacken!) und ordentlich Auf und Ab. Da Start und Ziel auseinanderliegen, brauchst du das Wander-Shuttle oder zwei Autos. Als Städte-Basis für die Region eignet sich Aix-en-Provence, näher dran wohnst du in den Dörfern am Lac de Sainte-Croix.

Zöllnerpfad GR34: die Bretagne von der Wasserkante

Der GR34 folgt auf rund 2.000 Kilometern der kompletten Küste der Bretagne, immer am Wasser, gebaut einst für Zollpatrouillen gegen Schmuggler. Du musst natürlich nicht alles gehen: Die schönsten Abschnitte sind die Smaragdküste zwischen Saint-Malo und dem Cap Fréhel (mit Abstecher ins mittelalterliche Dinan), die rosa Granitfelsen bei Perros-Guirec, die wilde Halbinsel Crozon und der Golf von Morbihan bei Vannes. Für das äußerste Ende mit der Pointe du Raz ist Quimper die beste Basis. Gezeiten beachten: Manche Passagen sind bei Flut unpassierbar.

Kreidefelsen der Normandie: der GR21

Oberhalb der Alabasterküste der Normandie verläuft der GR21, der schon zum Lieblingsfernwanderweg der Franzosen gewählt wurde. Das Highlight ist der Abschnitt um Étretat mit den berühmten Felsbögen: als Tageswanderung ab dem Ort machbar, spektakulär bei Abendlicht. Bleib auf dem Weg und weit weg von der Abbruchkante, die Kreide bricht regelmäßig ab.

Calanques: Wandern zwischen Marseille und Cassis

Weißer Kalkstein, türkisfarbene Fjorde, Kiefern im Wind: Der Nationalpark der Calanques liegt direkt vor den Toren von Marseille. Die schönste Tour führt von Cassis zu den Buchten Port-Miou, Port-Pin und En-Vau. Es gibt kaum Schatten und keine Wasserstellen, und im Hochsommer ist der Zugang an Tagen mit hoher Waldbrandgefahr komplett gesperrt. Beste Wanderzeit: April bis Juni und ab Mitte September.

Die Touren im Vergleich

Tour Region Anspruch Beste Basis
GR20 Korsika Sehr hoch, alpin Calvi (Start Calenzana)
Tour du Mont Blanc Alpen Hoch, gute Kondition Chamonix
Sentier Blanc-Martel Verdon, Provence Mittel bis hoch Dörfer am Lac de Sainte-Croix
GR34 (Etappen) Bretagne Leicht bis mittel Saint-Malo, Vannes, Quimper
GR21 (Etappen) Normandie Leicht Étretat
Calanques Mittelmeer Mittel Cassis oder Marseille

Tipp: Für jede Mehrtagestour lohnt der passende Topo-Guide der FFRandonnée oder die IGN-Wanderkarte im Maßstab 1:25.000. Die Wege sind zwar hervorragend markiert, aber erst mit Karte findest du Wasserstellen, Abkürzungen und die Buslinien zurück zum Ausgangspunkt.

Häufige Fragen

Was bedeutet GR beim Wandern in Frankreich?

GR steht für „sentier de Grande Randonnée“, also Fernwanderweg. Die Wege sind landesweit durchnummeriert und mit weiß-roten Doppelbalken markiert. Regionale Rundwege heißen GRP und sind gelb-rot gekennzeichnet, lokale Tageswege PR mit gelber Markierung. Das System ist so konsequent umgesetzt, dass du dich mit etwas Übung fast ohne Karte orientieren kannst.

Wie schwer ist der GR20 wirklich?

Er trägt seinen Ruf als härtester Fernwanderweg Europas zu Recht: 16 Etappen mit täglich weit über tausend Höhenmetern, Kraxelpassagen mit Ketten, Hitze und Gewittern. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und sehr gute Kondition sind Pflicht. Wer das mitbringt, erlebt eine der großartigsten Bergtouren des Kontinents. Einsteiger nehmen besser den Mare e Monti.

Muss man auf der Tour du Mont Blanc Hütten reservieren?

Ja, unbedingt. Die Hütten entlang der Runde sind in der Hochsaison Monate im Voraus voll, viele Wanderer buchen schon im Winter für den Sommer. Wer flexibel ist, weicht auf den September aus: stabile Wetterlagen, freie Lager und deutlich leerere Wege. Zelten ist nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern in Frankreich?

Im Hochgebirge von Ende Juni bis Mitte September, vorher liegt auf den Pässen Schnee. Für Provence, Calanques und Korsikas Küsten sind Frühjahr und Herbst ideal, im Hochsommer sind Hitze und Waldbrandsperrungen ein echtes Problem. Bretagne und Normandie gehen fast ganzjährig, am schönsten von Mai bis Oktober.

Darf man in Frankreich wild zelten?

Wildes Campen ist vielerorts eingeschränkt. Geduldet wird oft das Biwak: ein kleines Zelt nur für eine Nacht, aufgebaut bei Sonnenuntergang, abgebaut bei Sonnenaufgang, fernab von Straßen. In Nationalparks gelten eigene, strengere Regeln, auf dem GR20 darfst du nur an den Hütten zelten. Informiere dich vor jeder Tour über die lokalen Bestimmungen.