Île-de-France · Frankreich

Chartres: Sehenswürdigkeiten & Tipps

Chartres besitzt die Kathedrale der Kathedralen: Nach dem Stadtbrand von 1194 in nur gut drei Jahrzehnten hochgezogen, blieb sie seither fast unverändert und zeigt die Gotik so geschlossen wie kein zweiter Bau. Dazu kommen Fenster aus dem 12. und 13. Jahrhundert in einem Blau, das einen eigenen Namen trägt, und ein steinernes Labyrinth im Boden, das Pilger seit 800 Jahren abschreiten.

Das Beste: Chartres liegt nur gut eine Zugstunde von Paris entfernt und ist damit einer der lohnendsten Tagesausflüge überhaupt. Diese Seite erklärt dir Kathedrale, Labyrinth, Lichtshow und die unterschätzte Unterstadt am Fluss.

Chartres: Sehenswürdigkeiten & Tipps
Foto: Michael Wittwer, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LageRund 90 km südwestlich von Paris
  • UNESCOKathedrale seit 1979 Welterbe
  • Baubeginn1194, nach dem großen Stadtbrand
  • AnreiseZug ab Paris Montparnasse, gut 1 Stunde
  • Ideale DauerTagesausflug, mit Lichtshow 1 Übernachtung
  • Beste ReisezeitFrühjahr bis Herbst (Lichtshow-Saison)

Warum Chartres? Ehrlich beantwortet

Chartres lohnt sich für alle, die verstehen wollen, warum Menschen im Mittelalter beim Betreten einer Kirche geweint haben. Die Kathedrale ist kein Museum, sondern ein fast vollständig erhaltenes Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur und Glas. Selbst wer sonst nach zwei Kirchen pro Reise abwinkt, macht hier eine Ausnahme.

Ehrlich ist auch: Die Stadt selbst ist hübsch, aber klein. Ohne Kathedrale wäre Chartres kaum eine Reise wert, mit ihr gehört es zu den großen Zielen Frankreichs. Plane den Tag also um die Kirche herum und nimm die Altstadt als Zugabe.

Die Top-Sehenswürdigkeiten von Chartres

1 Die Kathedrale Notre-Dame

Weil der Bau nach 1194 so schnell fertig wurde, ist alles aus einem Guss: die Strebewerke, die Skulpturenportale mit ihren langgestreckten Königsfiguren, die beiden ungleichen Türme, einer romanisch-streng, einer flamboyant-verspielt. Die Kathedrale überragt die Kornebene von Beauce so weit, dass du sie vom Zug aus lange vor der Stadt siehst.

2 Das Chartres-Blau

Rund 170 Fenster, die meisten aus dem 12. und 13. Jahrhundert, machen die Kirche zum größten erhaltenen Glasmalerei-Ensemble des Mittelalters. Das tiefe Blau der ältesten Scheiben, berühmt geworden mit der Madonna Notre-Dame de la Belle Verrière, gilt bis heute als unerreicht. Nimm ein Fernglas mit, die oberen Fenster erzählen ganze Bibelkapitel im Detail.

3 Das Labyrinth

Im Boden des Hauptschiffs liegt ein Steinlabyrinth von rund 13 Metern Durchmesser aus dem 13. Jahrhundert, ein Pilgerweg im Kleinformat mit einem einzigen, verschlungenen Weg zur Mitte. Meist stehen Stühle darüber; an bestimmten Tagen, oft freitags in der wärmeren Jahreshälfte, wird es freigeräumt und du kannst es ablaufen. Frag vorab bei der Kathedrale nach, wenn dir das wichtig ist.

4 Turmbesteigung

Der Aufstieg auf den Nordturm führt über enge Wendeltreppen bis über die Strebewerke, oben stehst du auf Augenhöhe mit den Wasserspeiern und blickst über Stadt und Ebene. Nichts für Menschen mit Höhenangst, für alle anderen der beste Perspektivwechsel auf die Architektur.

5 Die Krypta

Unter der Kathedrale liegt eine der größten Krypten Frankreichs, mit Resten der Vorgängerkirchen und jahrhundertealten Wandmalereien. Der Zugang ist nur mit Führung möglich, die Termine bekommst du im Kathedralen-Shop. Wer die Baugeschichte verstehen will, startet am besten hier unten.

6 Die Unterstadt an der Eure

Unterhalb der Kathedrale fällt die Altstadt in Treppengassen zum Flüsschen Eure ab: alte Waschhäuser, Mühlen, Brücken und Gärten, dazwischen der klassische Postkartenblick von der Brücke am Boulevard zurück zur Kathedrale. Eine gute Stunde Spaziergang, die die meisten Tagesbesucher verpassen.

7 Chartres en Lumières

Von Frühjahr bis in den Herbst werden nach Einbruch der Dunkelheit Kathedrale und rund zwei Dutzend weitere Orte der Stadt mit aufwendigen Projektionen bespielt, kostenlos und jeden Abend. Die Fassadenshow am Hauptportal, bei der die Skulpturen ihre mittelalterliche Bemalung zurückerhalten, ist der Höhepunkt.

Tipp: Bleib über Nacht. Die Lichtshow beginnt erst mit der Dunkelheit, wenn die Tagesbesucher längst im Zug sitzen. Abends hast du die beleuchtete Stadt fast für dich, und morgens die Kathedrale vor den Reisegruppen.

Tagesausflug ab Paris: so klappt es

Ab Paris Montparnasse fahren regelmäßig Züge, die Fahrt dauert gut eine Stunde, vom Bahnhof in Chartres läufst du keine zehn Minuten zur Kathedrale. Der Eintritt in die Kirche ist frei, Turm und Krypta kosten extra. Für Kathedrale, Turm und Unterstadt reichen fünf bis sechs Stunden vor Ort. Meide Sonntagvormittage, wenn Messen große Teile des Innenraums belegen, und prüfe für das Labyrinth vorher die Öffnungstage.

Kommst du mit dem Auto, stellst du es am Rand des Zentrums ab und läufst hinauf. Die Gassen um die Kathedrale sind eng, teils Fußgängerzone und schlecht zum Rangieren; Parkhäuser und Stellplätze liegen am Ring um die Oberstadt, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß. An Markt- und Festtagen wird es mittags voll, dann lohnt die frühe Anreise doppelt.

Zur Mobilität ehrlich: Der Kathedralenvorplatz und das Kirchenschiff sind eben und gut befahrbar, alles andere kostet Kraft. Die Turmbesteigung führt über eine enge Wendeltreppe und ist mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen nicht machbar, ebenso wenig der Abstieg in die Krypta. Die Unterstadt an der Eure erreichst du über Treppengassen, die steil und kopfsteingepflastert sind; wer sie meiden muss, bleibt oben im Kathedralenviertel oder fährt mit dem Auto hinunter ans Flussufer, wo die Wege am Wasser wieder flach sind.

Bei Regen verlagert sich der Besuch nach innen: Die Kathedrale mit ihren rund 170 Fenstern trägt allein einen halben Tag, dazu kommen Krypta und Führung im Inneren. Mit Kindern funktioniert Chartres gut, wenn du die Fenster als Bildergeschichten liest und die Turmtreppe erst ab einem Alter angehst, in dem die Stufen kein Hindernis mehr sind.

Kombinationstipps

Chartres ist der ideale Kontrastpunkt zu Paris: erst die Hauptstadt, dann die reinste Gotik auf dem Land. Wer mehrere Tagesausflüge plant, kombiniert Chartres mit Monets Gärten in Giverny oder dem Schloss Fontainebleau, alle Ziele rund um die Hauptstadt findest du im Kapitel Île-de-France. Und wer weiter an die Loire reist, macht in Orléans Station, dem Tor zum Loiretal.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Chartres16°Cüberwiegend klar
  • Wärmster MonatJuli, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 2 °C
  • Trockenster MonatJuli
  • Höhe158 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

7°2°J
9°2°F
12°4°M
15°6°A
18°9°M
23°13°J
25°15°J
25°15°A
21°12°S
17°9°O
11°5°N
8°3°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

58mm12 TageJ
50mm11 TageF
62mm12 TageM
46mm10 TageA
81mm13 TageM
68mm11 TageJ
39mm8 TageJ
59mm9 TageA
53mm8 TageS
65mm12 TageO
60mm11 TageN
67mm12 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Köln/Bonn (CGN)488 km1 Std. 10 Min.
Düsseldorf (DUS)493 km1 Std. 10 Min.
Frankfurt (FRA)543 km1 Std. 15 Min.
Stuttgart (STR)569 km1 Std. 20 Min.
München (MUC)760 km1 Std. 30 Min.
Hamburg (HAM)827 km1 Std. 35 Min.
Berlin (BER)955 km1 Std. 45 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Orléans68 km80 km, 1 Std. 0 Min.
Giverny70 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Paris78 km100 km, 1 Std. 0 Min.
Fontainebleau90 km110 km, 1 Std. 15 Min.
Blois96 km120 km, 1 Std. 15 Min.
Rouen114 km140 km, 1 Std. 30 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Lohnt sich Chartres als Tagesausflug ab Paris?

Ja, für viele ist es der lohnendste Tagesausflug überhaupt: gut eine Zugstunde, kurze Wege, und mit der Kathedrale ein Welterbe, das seinesgleichen sucht. Kathedrale, Turmbesteigung und Unterstadt füllen einen entspannten Tag. Wer die abendliche Lichtshow sehen will, bleibt am besten eine Nacht.

Kann man das Labyrinth von Chartres begehen?

Nur an bestimmten Tagen: Meist stehen Stühle über dem Labyrinth, in der wärmeren Jahreshälfte wird es aber regelmäßig freigeräumt, traditionell oft freitags. Dann kannst du den verschlungenen Weg zur Mitte tatsächlich abschreiten. Verlass dich nicht auf Glück, sondern frag vor der Anreise bei der Kathedrale oder der Touristeninformation nach.

Ist der Eintritt in die Kathedrale von Chartres kostenlos?

Ja, das Kirchenschiff mit den berühmten Fenstern besichtigst du kostenlos, so wie in fast allen französischen Kathedralen. Bezahlt wird nur für Extras: die Turmbesteigung und die geführte Krypta. Auch die abendliche Lichtshow Chartres en Lumières kostet nichts.

Warum ist die Kathedrale von Chartres so berühmt?

Weil sie wie keine andere vollständig erhalten ist: Architektur, Skulpturenportale und rund 170 mittelalterliche Glasfenster bilden ein einziges Gesamtkunstwerk aus der Zeit um 1200. Dazu kommen das begehbare Labyrinth und das berühmte Chartres-Blau der ältesten Scheiben. Die UNESCO nahm die Kathedrale schon 1979 als eine der ersten französischen Stätten ins Welterbe auf.

Wann findet die Lichtshow in Chartres statt?

Chartres en Lumières läuft von Frühjahr bis in den Herbst, jeden Abend ab Einbruch der Dunkelheit und kostenlos. Rund zwei Dutzend Gebäude werden mit Projektionen bespielt, das Spektakel an der Kathedralenfassade ist der Höhepunkt. Im Sommer beginnt es wegen der späten Dämmerung erst gegen 22 Uhr, plane die Rückfahrt entsprechend.