Region in Frankreich

Lothringen: Städte & Highlights

Lothringen ist die Region, an der die meisten Deutschen vorbeifahren, auf dem Weg ins Elsass oder in den Süden. Ein Fehler: Mit Nancy und Metz liegen hier zwei der elegantesten Städte Ostfrankreichs, dazu sanfte Hügel, Mirabellengärten und mit Verdun ein Ort, der zur europäischen Geschichte gehört wie kaum ein zweiter.

Auf dieser Seite findest du die Städte mit Links zu den ausführlichen Einzelseiten, eine respektvolle Einordnung zu Verdun, die lothringische Küche, die beste Reisezeit und die Anreise, die ab Saarbrücken kürzer ist, als viele denken.

Lothringen: Städte & Highlights
Foto: Berthold Werner, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionLothringen, Nordostfrankreich, heute Teil von Grand Est
  • Bekannt fürPlace Stanislas, Kathedrale von Metz, Verdun, Quiche Lorraine, Mirabellen
  • Wichtigste OrteMetz, Nancy, Verdun
  • Ideale Dauer2 bis 4 Tage, ideal als Wochenende
  • Beste ReisezeitMai bis September, Mirabellen im August
  • AnreiseAb Saarbrücken rund eine Stunde nach Metz

Was Lothringen ausmacht

Lothringen war jahrhundertelang Grenz- und Streitland zwischen Frankreich und Deutschland, und diese Geschichte prägt die Region: deutsche Gründerzeitviertel in Metz, französische Eleganz in Nancy, Soldatenfriedhöfe beider Länder in den Hügeln um Verdun. Heute ist daraus gelassene Normalität geworden, mit Grenzgängern in beide Richtungen und einem Alltag, in dem beide Kulturen selbstverständlich nebeneinander bestehen.

Touristisch ist Lothringen herrlich unaufgeregt: keine Reisebusse, keine Warteschlangen, dafür zwei Städte mit großem Auftritt, Weinberge an der französischen Mosel und Preise, die spürbar unter denen im Elsass liegen. Für viele Deutsche ist es nach dem Elsass die nächstgelegene französische Region, und oft die entspanntere.

Die schönsten Städte Lothringens

1 Metz

Die Kathedrale von Metz besitzt eine der größten Glasflächen aller gotischen Kirchen, darunter Fenster von Marc Chagall, und leuchtet außen im goldgelben Jaumont-Stein. Dazu kommen das Centre Pompidou-Metz mit Ausstellungen moderner Kunst, die Moselinseln und das deutsche Kaiserviertel rund um den Bahnhof, der zu den schönsten Frankreichs zählt.

Metz ist außerdem die praktischste Basis der Region: ab Saarbrücken in rund einer Stunde erreichbar, kompakt, mit Markthalle und Uferwegen für den Abend.

2 Nancy

Nancy besitzt mit der Place Stanislas einen der prächtigsten Plätze Europas: goldene Gitter, klassizistische Fassaden, abends angestrahlt, UNESCO-Welterbe. Der ehemalige polnische König Stanislas ließ ihn im 18. Jahrhundert anlegen, als Lothringen sein Herzogtum war.

Die zweite Attraktion ist der Jugendstil: Die École de Nancy machte die Stadt um 1900 zu einem Zentrum des Art nouveau, das zugehörige Museum und Fassaden im ganzen Stadtgebiet zeugen davon. Rechne für Nancy einen vollen Tag.

Verdun: Gedenken statt Sightseeing

Um Verdun tobte 1916 eine der längsten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs, mit Hunderttausenden Toten auf deutscher und französischer Seite. Die Hügel nordöstlich der Stadt sind bis heute Gedenklandschaft: das Beinhaus von Douaumont mit dem weiten Gräberfeld davor, das zerschossene Fort Douaumont, die Reste der Dörfer, die nie wieder aufgebaut wurden.

Besuch das Gelände mit der Ruhe, die es verlangt: Es ist ein Friedhof, keine Kulisse, und die Wege verlässt man nicht, im Boden liegt noch immer Munition. Das Mémorial de Verdun ordnet die Schlacht in einer modernen Ausstellung ein, auch aus deutscher Perspektive. Seit Kohl und Mitterrand sich hier 1984 über den Gräbern die Hand reichten, steht Verdun vor allem für Versöhnung. Ein halber bis ganzer Tag ab Metz oder Nancy ist gut investiert.

Quiche, Mirabellen, Madeleines

Die Quiche Lorraine ist Lothringens berühmtester Export, im Original übrigens nur mit Speck, Eiern und Rahm, ohne Käse. Dazu kommen Madeleines aus Commercy sowie Bergamotte-Bonbons und Macarons aus Nancy. Deftig, süß, bodenständig: Die Küche passt zur Region.

Das eigentliche Heiligtum ist aber die Mirabelle: Ein Großteil der weltweiten Ernte dieser kleinen gelben Pflaume wächst in Lothringen. Ende August ist Erntezeit, dann gibt es Mirabellen-Tarte in jeder Bäckerei, Feste in den Dörfern und Eau de vie aus den Brennereien.

Gut zu wissen: Wenn du im August kommst, führt an der Mirabelle kein Weg vorbei: auf den Märkten kiloweise, als Tarte, als Konfitüre, als Schnaps. Außerhalb der Saison ist die Konfitüre das beste Mitbringsel.

Ausflüge in der Umgebung

Zwischen Metz und Nancy lohnt ein Schlenker nach Toul: Die gotische Kathedrale Saint-Étienne mit ihrem Kreuzgang bekommt einen Bruchteil der Besucher, die sie verdient, und an den Hängen rundherum wachsen die Weine der Côtes de Toul, darunter der helle Vin Gris. Auch die französische Mosel zwischen Metz und der luxemburgischen Grenze ist ein stilles Weinbaugebiet mit Dörfern, in denen samstags direkt beim Winzer probiert wird.

Wer Industriegeschichte mag, findet in der Region ehemalige Eisenhütten und Bergwerke, die zu Museen geworden sind: Sie erzählen, warum Lothringen einmal das Ruhrgebiet Frankreichs war.

Beste Reisezeit

Lothringen funktioniert von Mai bis September am besten, wenn die Plätze von Nancy und die Moselufer in Metz Caféwetter haben. Der August bringt die Mirabellenernte, der Dezember stimmungsvolle Weihnachtsmärkte, dazu das Nikolausfest, das in Lothringen wichtiger ist als irgendwo sonst in Frankreich.

Für Verdun eignet sich jede Jahreszeit; Nebel und Stille im Herbst passen zur Schwere des Ortes eher als Hochsommerhitze.

Anreise: näher als gedacht

Ab Saarbrücken bist du mit dem Auto in rund einer Stunde in Metz, ab Frankfurt in etwa zweieinhalb, ab Köln in gut drei Stunden. Auch mit der Bahn kommst du über Saarbrücken oder Straßburg nach Metz und Nancy, Tickets gibt es auf sncf-connect.com.

Zwischen Metz und Nancy pendeln Züge im dichten Takt, der Städtewechsel dauert keine Stunde. Damit ist Lothringen eines der wenigen französischen Ziele, das komplett ohne Auto funktioniert; nur für Verdun bist du mit eigenem Wagen oder einer Tour flexibler.

Route für ein Wochenende

Der Klassiker: Freitagabend nach Metz, Samstag Kathedrale, Centre Pompidou-Metz und Abend an der Mosel, Sonntag nach Nancy für Place Stanislas und Jugendstil. Mit einem dritten Tag kommt Verdun dazu.

Wer mehr Zeit hat, kombiniert Lothringen mit dem Elsass: Von Nancy nach Straßburg ist es nur gut eine Stunde, und der Kontrast zwischen französischem Klassizismus und elsässischem Fachwerk macht die Doppeltour besonders reizvoll.

Ehrlich: was Lothringen ist und was nicht

Lothringen hat keine Postkarten-Dörfer wie das Elsass und keine spektakuläre Landschaft, streckenweise sieht man der Region ihre Industrievergangenheit an. Wer das weiß, wird nicht enttäuscht, sondern überrascht: von der Place Stanislas, die allein die Fahrt wert ist, von der Chagall-Kathedrale, vom stillen Ernst Verduns.

Und genau darin liegt der Reiz: Du erlebst Frankreich ohne Inszenierung, zu fairen Preisen, eine Stunde hinter der Grenze. Für den ersten kurzen Frankreich-Trip mit dem eigenen Auto gibt es kaum etwas Besseres. Wer Regionen abseits der großen Namen mag, findet weitere unter den Geheimtipps in Frankreich.

Häufige Fragen

Lohnt sich Lothringen für ein Wochenende?

Ja, sogar besonders gut: Metz und Nancy liegen nur eine gute halbe Zugstunde auseinander, beide Städte sind kompakt und ab Südwestdeutschland schnell erreicht. Ein Wochenende reicht für Kathedrale, Centre Pompidou-Metz und Place Stanislas; mit einem dritten Tag kommt Verdun dazu. Die kurze Anfahrt macht auch spontane Trips möglich.

Metz oder Nancy: welche Stadt ist schöner?

Nancy hat mit der Place Stanislas den größeren Wow-Moment und den Jugendstil, Metz die bedeutendere Kathedrale, das Centre Pompidou-Metz und die schönere Lage an der Mosel. Die ehrliche Antwort: beide, an einem Wochenende. Wer nur eine schafft, nimmt Nancy für Architektur, Metz für Atmosphäre und Museen.

Kann man Verdun mit Kindern besuchen?

Mit älteren Kindern ab etwa zehn Jahren ja, mit Vorbereitung: Das Mémorial de Verdun erklärt die Schlacht verständlich und unaufgeregt, das Gelände selbst erfordert ruhiges Verhalten, es ist eine Grabstätte. Wichtig ist, auf den Wegen zu bleiben, im Boden liegt noch Munition. Für kleinere Kinder ist der Ort schwer greifbar.

Wann ist Mirabellen-Saison in Lothringen?

Die Ernte läuft im August, mit dem Höhepunkt in der zweiten Monatshälfte. Dann findest du frische Mirabellen auf allen Märkten, Tartes in den Bäckereien und Feste in vielen Dörfern. Außerhalb der Saison bekommst du die Frucht als Konfitüre und als Eau de vie, beides ganzjährig in der Region erhältlich.

Braucht man in Lothringen ein Auto?

Für Metz und Nancy nicht: Beide Städte erreichst du per Bahn, zwischen ihnen pendeln Züge im dichten Takt, und die Zentren erkundest du zu Fuß. Ein Auto lohnt für Verdun, die Dörfer und die Weinberge an der Mosel. Wer ohne Wagen reist, bucht für Verdun am besten eine geführte Tour.