Provence · Marseille

MuCEM & Fort Saint-Jean

Das MuCEM ist Marseilles Antwort auf die Frage, was das Mittelmeer zusammenhält: ein Museum über die Zivilisationen zwischen Europa, Nordafrika und dem Orient, verpackt in einen schwarzen Betonnetz-Würfel direkt am Wasser.

Selbst wenn dich keine einzige Ausstellung interessiert, gehört das Ensemble aus Museumsbau, Fußgängerbrücken und Fort Saint-Jean zu den besten Gratis-Spaziergängen der Stadt.

MuCEM & Fort Saint-Jean
Foto: Fred Romero from Paris, France, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionProvence-Alpes-Côte d'Azur
  • Eröffnet2013, im Kulturhauptstadtjahr
  • ArchitektRudy Ricciotti (Museumsbau am Kai J4)
  • Besuchsdauer1 bis 2 Stunden ohne, 3 bis 4 Stunden mit Ausstellungen
  • Anreisezu Fuß vom Vieux-Port, Metro Joliette
  • Beste Zeitspäter Nachmittag bis Sonnenuntergang

Architektur, die den Besuch trägt

2013 eröffnet, als Marseille Europäische Kulturhauptstadt war, wurde das MuCEM sofort zum neuen Wahrzeichen. Architekt Rudy Ricciotti umhüllte den Würfel am Kai J4 mit einem filigranen Gitter aus Faserbeton, das je nach Licht wie Spitze oder wie Fischernetz wirkt. Zwischen Glasfassade und Betonhaut führen Rampen außen um das Gebäude hinauf aufs Dach, ein Spaziergang wie durch ein Korallenriff aus Beton.

Vom Dach spannt sich eine schmale Brücke hinüber zum Fort Saint-Jean aus dem 17. Jahrhundert, von dort eine zweite über die Straße ins Viertel Le Panier. Diese Route aus Museum, Festung und Altstadt ist einer der schönsten Wege Marseilles, und sie kostet nichts.

Was du drinnen siehst

Die Dauerausstellung erzählt Mittelmeergeschichte über Alltagsdinge: Ackerbau, Religionen, Handel, Migration, Stadtleben. Dazu kommen wechselnde Sonderausstellungen, die oft stärker sind als die Sammlung selbst; wirf vor dem Besuch einen Blick ins Programm und entscheide danach, ob du ein Ticket brauchst.

Das Fort Saint-Jean gehört zum Museum, seine Gärten, Höfe und Wehrgänge sind frei zugänglich. Von den Mauern schaust du auf die Hafeneinfahrt, den Vieux-Port und hinüber zur Basilika Notre-Dame de la Garde. Nebenan zeigt die Villa Méditerranée die begehbare Nachbildung der Cosquer-Grotte mit ihren eiszeitlichen Höhlenmalereien: eigenes Ticket, aber lohnend, wenn dich Urgeschichte packt.

Tickets: Für die Ausstellungen kaufst du das Ticket online oder an der Kasse; nur bei großen Sonderausstellungen und an Gratis-Sonntagen bilden sich Schlangen. Dach, Brücken und Fort sind ohne Ticket zugänglich, du kannst dich also erst oben entscheiden.

Zur offiziellen Website

So planst du den Besuch

Geh die Route andersherum als die meisten: über die Brücke vom Panier ins Fort, durch die Gärten, dann über die hohe Brücke aufs MuCEM-Dach und zum Schluss die Rampen hinunter ans Kai. So läufst du bergab statt bergauf und hast das Abendlicht auf der Betonhaut, das beste Fotomotiv des ganzen Geländes.

Direkt neben dem Museum stehen die gestreifte Cathédrale de la Major und die Bögen der alten Hafenmauern mit ihren Cafés. Plane das MuCEM deshalb nicht als isolierten Museumsbesuch, sondern als halben Tag am Wasser, mit Pause an der Major und Abschluss am Hafen; Ideen fürs Essen danach liefert der Guide zu Essen und Trinken in Marseille.

Tipp: Kurz vor Sonnenuntergang leert sich das Dach, weil alle zum Essen ziehen. Genau dann ist das Licht am besten: Bleib oben, bis die Sonne hinter den Frioul-Inseln liegt, und geh erst danach essen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSteht am Haupteingang J4 eine Schlange, starte im Fort Saint-Jean: eigener Zugang, meist leer, und über die Brücke kommst du trotzdem aufs Dach. Onlinetickets ersparen die Kassenschlange ganz.
  • Wenn es regnetEin perfekter Regenort mit stundenlang Programm drinnen. Nur bei starkem Mistral werden die Brücken gelegentlich gesperrt, dann nimmst du den ebenerdigen Eingang am Kai und lässt das Fort aus.
  • Mit KindernRampen, Brücken und Wehrgänge sind für Kinder ein Abenteuerparcours, die Ausstellungen taugen eher ab dem Schulalter. Die Gärten im Fort sind zum Auslaufen ideal, Fallhöhen sind gesichert.
  • Mit eingeschränkter MobilitätMuCEM und Fort sind mit Aufzügen und Rampen besser erschlossen als fast jede andere Sehenswürdigkeit Marseilles. Nur das historische Pflaster im Fort bleibt holprig, und die Brücken sind bei Sturm unangenehm.

Häufige Fragen

Ist das MuCEM kostenlos?

Teilweise. Das Außengelände, die Rampen, das Dach, die beiden Fußgängerbrücken und das komplette Fort Saint-Jean mit seinen Gärten kosten nichts. Nur für die Ausstellungen im Inneren brauchst du ein Ticket. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt oft frei, dann aber mit entsprechend vollen Sälen. Für viele Besucher ist der Gratis-Teil der schönste.

Wie lange braucht man für das MuCEM?

Für die Runde über Dach, Brücken und Fort reichen ein bis zwei entspannte Stunden. Mit der Dauerausstellung und einer Sonderausstellung wird ein halber Tag daraus, inklusive Pause. Wer die Cosquer-Nachbildung nebenan mitnimmt, sollte den ganzen Nachmittag einplanen. Unser Rat: lieber eine Ausstellung gründlich als alle im Laufschritt.

Lohnt sich das MuCEM ohne Museumsinteresse?

Ja, ohne Einschränkung. Die Architektur, der Weg durch die Rampen, die Brücken und die Aussicht vom Fort sind ein Erlebnis für sich und komplett kostenlos. Rechne es als Spaziergang mit Weltklasse-Kulisse statt als Museumsbesuch. Viele Marseiller nutzen das Gelände genauso: als Abkürzung, Joggingstrecke und Sonnenuntergangsbalkon.

Was ist die Cosquer-Grotte?

Eine Unterwasserhöhle in den Calanques, deren Eingang heute unter dem Meeresspiegel liegt und die eiszeitliche Malereien von Pferden, Pinguinen und Meerestieren birgt. Das Original bleibt unzugänglich, aber in der Villa Méditerranée neben dem MuCEM fährst du in Gondeln durch eine detailgetreue Nachbildung. Für Kinder oft der spannendste Museumsbesuch der Stadt.

Kann man vom MuCEM ins Fort Saint-Jean gelangen?

Ja, genau dafür wurde die spektakuläre Fußgängerbrücke gebaut: Sie verbindet das Museumsdach direkt mit den Mauern des Forts, eine zweite Brücke führt vom Fort weiter in die Altstadt. Beide sind frei zugänglich und die schönste Art, zwischen Hafen und Panier zu wechseln. Nur bei starkem Mistral werden sie zeitweise gesperrt.