Auf einen Blick
- InstitutionenEuropäisches Parlament, Europarat, Menschenrechtsgerichtshof
- ArchitekturLouise-Weiss-Bau (1999), Gerichtshof von Richard Rogers
- LageNordöstlich des Zentrums, an Ill und Marne-Rhein-Kanal
- AnreiseMit der Tram Richtung Robertsau, Haltestellen am Parlament
- Dauer2 bis 3 Stunden mit Parkbesuch
Warum Straßburg Europastadt ist
Nach 1945 wurde die oft umkämpfte Grenzstadt bewusst zum Symbol der Versöhnung gemacht: 1949 zog der Europarat ein, später kamen Menschenrechtsgerichtshof und Parlament dazu. Dass die EU-Abgeordneten bis heute monatlich zwischen Brüssel und Straßburg pendeln, wird oft belächelt, für die Stadt ist es Identität. Im Viertel spürst du das: Flaggen, Diplomatenkennzeichen und Jogger aus zwanzig Ländern am Kanalufer.
Das Europäische Parlament besuchen
Das Louise-Weiss-Gebäude von 1999 ist der Hingucker des Viertels: ein gläserner Zylinder mit bewusst unvollendet wirkendem Turm am Wasser. Innen kannst du das Besucherzentrum kostenlos besuchen, mit Multimedia-Ausstellung zum Plenarsaal und zur EU-Gesetzgebung, auch auf Deutsch. In Sitzungswochen lassen sich Debatten von der Tribüne verfolgen, dann sind andere Bereiche gesperrt. Ausweis mitnehmen, ohne kommst du nicht durch die Sicherheitskontrolle.
Tickets: Der Besuch ist kostenlos. Prüfe vorab online, ob dein Wunschtermin in eine Sitzungswoche fällt und ob eine Anmeldung nötig ist, für Gruppen gilt das immer.
Gerichtshof, Europarat und Lieu d’Europe
Den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, einen markanten Bau von Richard Rogers mit zwei Metallzylindern, siehst du dir normalerweise nur von außen an, am schönsten vom gegenüberliegenden Kanalufer. Gleiches gilt für das Palais de l’Europe des Europarats. Wer tiefer einsteigen will, geht ins Lieu d’Europe, ein kostenloses Informationszentrum nahe dem Viertel, das die Institutionen verständlich erklärt.
Parc de l’Orangerie: Störche und Pause
Direkt gegenüber dem Palais de l’Europe beginnt der Parc de l’Orangerie, der älteste Park der Stadt: See mit Ruderbooten, Pavillon Joséphine und vor allem die Störche, die hier in großen Nestern brüten und ungerührt über die Wiesen staksen. Für Familien ist der Park der eigentliche Grund, ins Viertel zu kommen. Die Kombination funktioniert perfekt: erst Parlament, dann Picknick unter Storchennestern.
Anfahrt und Timing
Vom Zentrum bringt dich die Tram in rund einer Viertelstunde ins Viertel, Tickets und Linien erklärt der Guide Verkehr in Straßburg. Leg den Besuch auf den Vormittag eines Werktags, dann ist das Besucherzentrum ruhig und die Institutionen sind in Betrieb, mit etwas Glück siehst du Delegationen und Übertragungswagen. Danach Mittagspause in der Orangerie und zurück in die Altstadt, wo der Überblick Straßburg Sehenswürdigkeiten die nächsten Ziele sortiert.
Tipp: Nimm das Fahrrad statt der Tram: Vom Zentrum führt ein schöner Uferweg an der Ill entlang bis ins Viertel, flach und in gut 20 Minuten machbar. Mehr Routen findest du unter Aktivitäten in Straßburg. Auch die Bootsfahrt dreht ihre Runde bis zum Parlament, falls du lieber sitzt.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istÜberfüllung ist hier kein Thema, eher das Gegenteil: Wenn das Parlament wegen einer Sitzungswoche oder Veranstaltung für Besucher dicht ist, bleiben der Architekturspaziergang am Wasser, das Lieu d'Europe und die Orangerie. Prüfe den Sitzungskalender vorher online.
- Wenn es regnetDas Besucherzentrum im Parlament ist komplett drinnen und trägt einen Regenvormittag locker. Die Orangerie verschiebst du dann auf besseres Wetter oder kürzt sie auf einen Schirmspaziergang zu den Storchennestern ab.
- Mit KindernDas Besucherzentrum ist ab etwa zehn Jahren interessant, jüngere Kinder langweilen sich. Der Park rettet alles: Spielplatz, Ruderboote im Sommer, Störche im Anflug. Plane die Reihenfolge kindgerecht, erst Politik, dann Park.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Viertel ist modern gebaut und weitgehend stufenfrei, die Wege sind asphaltiert, Tramhaltestellen liegen nah. Das Parlament ist barrierefrei zugänglich, im Park sind die Hauptwege eben und breit.
Häufige Fragen
Kann man das Europäische Parlament in Straßburg besichtigen?
Ja, und zwar kostenlos. Das Besucherzentrum erklärt Parlament und EU-Gesetzgebung multimedial, auch auf Deutsch. In Sitzungswochen kannst du Plenardebatten von der Tribüne verfolgen. Du brauchst einen Ausweis für die Sicherheitskontrolle, Details und Zeiten stehen auf europarl.europa.eu.
Lohnt sich das Europaviertel für Touristen?
Ab dem zweiten Tag in Straßburg ja: Die Mischung aus symbolträchtiger Architektur, kostenlosem Parlamentsbesuch und dem Parc de l'Orangerie gegenüber gibt es in keiner anderen Stadt. Wer nur Fachwerk und Weihnachtsstimmung sucht, kann es auslassen, verpasst aber die halbe Identität Straßburgs.
Wie kommt man vom Zentrum ins Europaviertel?
Am einfachsten mit der Tram Richtung Robertsau bis zu den Haltestellen am Parlament, vom Zentrum sind es rund 15 Minuten. Schöner ist der Rad- oder Fußweg am Ufer der Ill entlang, flach und gut ausgeschildert. Auch die Batorama-Rundfahrt führt am Parlament vorbei.
Kann man den Menschenrechtsgerichtshof besuchen?
In der Regel nur von außen: Das Gebäude von Richard Rogers ist ein aktives Gericht, kein Besucherzentrum. Öffentliche Verhandlungen sind selten und formal geregelt. Der beste Blick auf die beiden Metallzylinder bietet sich vom gegenüberliegenden Kanalufer, morgens mit der Sonne im Rücken.
Wo sieht man die Störche in Straßburg?
Am zuverlässigsten im Parc de l'Orangerie gegenüber dem Europarat: Dort nisten Weißstörche in großen Horsten auf Bäumen und Dächern, im Frühsommer hörst du das Klappern im ganzen Park. Der Storch ist das Wappentier des Elsass, du triffst ihn auch in Colmar und an der Weinstraße.