Auf einen Blick
- RegionBourgogne-Franche-Comté, östliches Frankreich
- Bekannt fürWeinlagen, romanische Kunst, Kanäle, Küche
- Wichtigste OrteDijon, Beaune, Besançon
- UNESCOClimats der Weinberge, Vézelay, Abtei Fontenay
- Ideale Dauer4 bis 6 Tage
- Beste ReisezeitMai, Juni, September bis zur Weinlese
Was Burgund ausmacht
Burgund war im Mittelalter ein eigenes Herzogtum, das den französischen Königen jahrhundertelang die Stirn bot, und dieses Selbstbewusstsein spürst du bis heute. Die Herzöge residierten in Dijon, die Klöster von Cluny und Cîteaux reformierten von hier aus halb Europa, und die romanischen Kirchen der Region gehören zum Besten, was diese Epoche hinterlassen hat.
Der zweite Pfeiler ist der Wein. An der Côte d’Or, einem schmalen Hang zwischen Dijon und Santenay, wachsen auf gut 50 Kilometern einige der berühmtesten Lagen der Welt. Die Burgunder haben ihre Parzellen über Jahrhunderte so genau kartiert, dass die „Climats“ genannten Einzellagen heute UNESCO-Welterbe sind. Dazu kommt eine Küche, die Reisende ernst nimmt: In Burgund isst man lange, gut und ohne Eile.
Die schönsten Städte und Orte in Burgund
1 Dijon
Die alte Herzogsstadt ist der städtische Höhepunkt der Region: der Herzogspalast, Fachwerkgassen, bunt glasierte Dächer und eine Markthalle, die Gustave Eiffels Büro entworfen hat. Alles Wichtige steht auf der Seite zu Dijon.
Folge dem in den Boden eingelassenen Eulen-Rundgang, er führt in gut zwei Stunden an fast allen wichtigen Ecken der Altstadt vorbei.
2 Beaune
Beaune ist die Weinhauptstadt Burgunds und mit dem Hôtel-Dieu von 1443 im Besitz eines der schönsten Gebäude Frankreichs: ein spätgotisches Armenhospiz mit farbig glasiertem Dach, das jedes Burgund-Klischee erfüllt und trotzdem echt ist.
Unter der Altstadt liegen kilometerweise Weinkeller, viele Häuser bieten Verkostungen an. Als Basis für die Route des Grands Crus ist Beaune unschlagbar.
3 Besançon
Besançon liegt streng genommen in der Franche-Comté, gehört aber verwaltungstechnisch zur selben Region und lohnt den Abstecher: Die Altstadt schmiegt sich in eine enge Flussschleife des Doubs, darüber thront Vaubans Zitadelle, die zum UNESCO-Welterbe zählt.
Victor Hugo wurde hier geboren, und die Stadt ist angenehm unaufgeregt, weil sie kaum jemand auf dem Zettel hat.
4 Vézelay
Das Hügeldorf Vézelay trägt eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Frankreichs auf dem Rücken: die Basilika Sainte-Madeleine, seit Jahrhunderten Startpunkt eines Jakobswegs und UNESCO-Welterbe. Der Blick vom Kirchplatz über das Morvan-Hügelland ist großartig.
Komm früh oder bleib über Nacht, tagsüber schieben sich Busgruppen die eine Hauptgasse hinauf.
5 Autun und Tournus
Wer romanische Kunst mag, hat in Burgund die Dichte auf seiner Seite: In Autun meißelte der Bildhauer Gislebertus im 12. Jahrhundert ein Weltgericht über das Kathedralenportal, das du lange anschauen kannst. Dazu kommen ein römisches Theater und zwei antike Stadttore.
Tournus an der Saône hat mit Saint-Philibert eine der ältesten großen Kirchen des Landes, hell, streng und fast leer.
6 Cluny und die Abtei Fontenay
Die Abtei von Cluny war im Mittelalter das Machtzentrum des europäischen Mönchtums, ihre Kirche bis zum Bau des Petersdoms die größte der Christenheit. Erhalten sind nur Fragmente, aber die Dimensionen machen die Modelle und Reste im Museum begreifbar.
Vollständig erhalten ist dafür die Zisterzienserabtei Fontenay bei Montbard: ein UNESCO-Ensemble aus dem 12. Jahrhundert, in dem du die Stille förmlich hörst.
Die Route des Grands Crus
Zwischen Dijon und Santenay reiht die Route des Grands Crus auf rund 60 Kilometern Ortsnamen aneinander, die Weinkarten weltweit füllen: Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges, Pommard, Meursault, Puligny-Montrachet. Die Dörfer selbst sind klein und schlicht, der Reichtum steckt im Hang dahinter.
Verkostungen laufen hier etwas formeller als im Elsass: Viele Domänen empfangen nur mit Anmeldung, in Beaune und Nuits-Saint-Georges gibt es dafür Häuser mit offener Tür. Sehr schön ist die Voie des Vignes, ein Radweg durch die Reben zwischen Beaune und Santenay, so bleibt die Frage nach dem Fahrer gleich ganz aus dem Spiel.
Tipp: Kauf den Wein nicht in den berühmtesten Dörfern, sondern bei Winzern in der zweiten Reihe, etwa in Savigny-lès-Beaune oder Saint-Aubin. Die Qualität ist oft verblüffend nah dran, die Preise sind es nicht.
Kanäle und Hausboote
Burgund ist von Kanälen durchzogen, allen voran der Canal de Bourgogne, der sich mit Schleusentreppen durch das Hügelland arbeitet. Hausboote darfst du in Frankreich ohne Führerschein mieten, nach einer kurzen Einweisung tuckerst du mit Schrittgeschwindigkeit von Schleuse zu Schleuse und legst an, wo es dir gefällt.
Auch ohne Boot lohnen die Treidelpfade: Sie sind flach, ruhig und ideal zum Radfahren, etwa zwischen Dijon und dem Schlossdorf Châteauneuf.
Beste Reisezeit
Die beste Zeit für Burgund sind Mai und Juni, wenn die Reben frisch begrünt sind und die Abende lang, sowie September bis zur Weinlese, wenn die ganze Côte in Bewegung ist und das Licht golden wird. Der Juli und der August sind warm und gut machbar, nur an den Wochenenden rollt der Urlaubsverkehr auf der Nord-Süd-Achse durch.
Im Winter ist Burgund still: Viele Domänen und manche Restaurants machen Pause, dafür hast du Dijon und Beaune fast für dich. Der November bringt mit der Weinauktion der Hospices de Beaune ein großes Wochenende, dann sind Betten rar.
Anreise aus Deutschland
Mit dem Auto ist Burgund näher, als viele denken: Ab Basel bist du über die A36 in gut anderthalb Stunden in Besançon und in etwa drei Stunden in Beaune, aus Südwestdeutschland ist das ein entspannter Reisetag mit Zwischenstopp. Von Frankfurt aus rechnest du mit fünf bis sechs Stunden.
Mit der Bahn fährst du über Straßburg oder Mulhouse nach Dijon oder Besançon, beide Städte hängen gut am TGV-Netz. Vor Ort hilft für die Weindörfer ein Auto oder Fahrrad, die Städte selbst erkundest du zu Fuß.
Basis-Empfehlung
Für eine erste Burgund-Reise: zwei Nächte Dijon für Herzogspalast, Markthalle und Museen, danach zwei bis drei Nächte Beaune für Hôtel-Dieu, Keller und die Route des Grands Crus. Wer eine Woche hat, hängt eine Nacht in Besançon an und macht auf dem Rückweg Halt in Vézelay oder Fontenay.
Gut kombinieren lässt sich Burgund mit Lyon, das nur eine gute Stunde südlich von Beaune liegt, oder mit der Champagne im Norden, dann hast du gleich zwei große Weinregionen in einer Reise.
Ehrliche Einordnung
Burgund ist kein Ziel für Strandurlaub und keines für Sightseeing im Minutentakt. Die Region belohnt Langsamkeit: gut essen, einen Hang hinaufgehen, eine Kirche anschauen, ein Glas probieren. Wer das mag, wird Burgund lieben. Wer spektakuläre Landschaften sucht, ist in Savoyen oder der Provence besser aufgehoben. Und ein Wort zu den Preisen der berühmten Weine: Sie sind so ernst gemeint, wie sie aussehen. Trinken lässt sich in Burgund trotzdem hervorragend günstig, nur eben nicht Romanée-Conti.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Burgund?
Vier bis sechs Tage sind ein gutes Maß: zwei für Dijon, zwei bis drei für Beaune und die Route des Grands Crus, dazu ein Abstecher nach Vézelay, Fontenay oder Besançon. Burgund eignet sich auch gut als mehrtägiger Zwischenstopp auf dem Weg in die Provence oder ans Mittelmeer.
Dijon oder Beaune, was ist die bessere Basis?
Für Städter Dijon, für Weinreisende Beaune. Dijon ist größer, hat mehr Museen, Restaurants und Abendleben. Beaune liegt mitten im berühmtesten Weinabschnitt, die Grand-Cru-Dörfer beginnen direkt vor der Stadt. Ideal ist die Kombination aus beiden, die Städte trennen nur rund 45 Kilometer.
Kann man in Burgund ohne Anmeldung Wein probieren?
In den Städten ja: Beaune, Dijon und Nuits-Saint-Georges haben Weinhäuser und Kellereien, die Besucher ohne Termin empfangen. Viele kleine Domänen in den Dörfern verkosten dagegen nur nach Anmeldung. Schreib ein bis zwei Tage vorher eine kurze Nachricht oder frag im Hotel, das öffnet die meisten Türen.
Braucht man in Burgund ein Auto?
Für die Städte nicht, Dijon, Beaune und Besançon sind per Bahn verbunden. Für Weindörfer, Vézelay, Cluny und Fontenay ist ein Auto praktisch alternativlos, Busse fahren selten. Eine gute autofreie Variante ist das Fahrrad: Der Radweg Voie des Vignes verbindet Beaune mit den Grand-Cru-Dörfern, die Steigungen sind moderat.
Ist Burgund teuer?
Die berühmten Weine sind teuer, die Region selbst ist es nicht zwingend. Übernachten und Essen kosten ungefähr so viel wie im übrigen Frankreich, Menüs in Dorfgasthöfen sind oft erstaunlich fair. Wer bei Winzern abseits der großen Namen kauft und mittags die Menüformeln nutzt, reist durch Burgund zu normalen Preisen.