Auf einen Blick
- LageSüdwestspitze der Grande Île, an den Armen der Ill
- FrüherViertel der Gerber, Müller und Fischer
- UNESCOTeil des Welterbes Grande Île seit 1988
- Dauer1 bis 2 Stunden für den Rundgang
- Beste ZeitFrüher Morgen oder nach dem Abendessen
Was Petite France ist, und woher der Name kommt
Im Mittelalter arbeiteten hier die Berufe, die viel Wasser brauchten und streng rochen: Gerber, Müller, Fischer. Die offenen Dachgeschosse der Fachwerkhäuser dienten zum Trocknen der Häute, gut zu sehen an der Maison des Tanneurs. Der hübsche Name hat eine wenig hübsche Herkunft: Ein Hospiz behandelte hier ab dem 15. Jahrhundert Soldaten mit der „Franzosenkrankheit“, der Syphilis. Daraus wurde der Spottname des Viertels, und er blieb.
Der Rundgang
Starte an der Place Benjamin-Zix, dem kleinen Platz im Herzen des Viertels, und folge der Rue du Bain-aux-Plantes mit den schönsten Fachwerkfassaden. Über die Drehbrücke und die Schleusen läufst du ans Südufer, wo sich die Häuser im Wasser spiegeln. Von dort sind es fünf Minuten zu den Ponts Couverts, den drei Wehrtürmen der alten Stadtmauer. Die hölzernen Brückendächer, die ihnen den Namen gaben, sind seit Jahrhunderten weg, die Türme bleiben ein starkes Fotomotiv. Plane Fotostopps großzügig ein, an fast jeder Ecke öffnet sich ein neues Motiv.
Barrage Vauban: der beste Blick
Hinter den Ponts Couverts spannt sich der Barrage Vauban über die Ill, ein Stauwehr aus der Festungszeit unter Ludwig XIV. Innen läufst du durch einen kühlen Arkadengang, oben liegt eine kostenlose Panoramaterrasse: Türme, Kanäle, dahinter die Münsterspitze. Es gibt keinen besseren Ort, um das Viertel zu überblicken, und zum Sonnenuntergang keinen schöneren. Der Blick lohnt doppelt: einmal bei Tageslicht, einmal nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Türme und Münsterspitze angestrahlt sind. Dazwischen liegt nur ein kurzer Spaziergang am Wasser.
Tipp: Komm vor 9 Uhr. Zwischen 11 und 18 Uhr schieben sich Gruppen durch die zwei, drei Hauptgassen, morgens gehören sie den Bewohnern, ein paar Joggern und dir. Auch schön: nach dem Abendessen, wenn die Fassaden angestrahlt sind.
Gut zu wissen: Petite France ist kein Freilichtmuseum, hier wohnen Menschen. Frühmorgens gehören die Gassen den Anwohnern und Lieferwagen, abends den Nachbarn auf den Bänken. Wer sich wie ein Gast benimmt, bekommt das bessere Viertel zu sehen. Wie es in deinen Stadttag passt, zeigt der Überblick Straßburg Sehenswürdigkeiten.
Pause am Wasser
Die Restaurants an den Hauptgassen leben von der Lage, nicht von der Küche. Besser: ein Stück in die Nebenstraßen Richtung Grand’Rue laufen oder das Picknick auf die Ufertreppen verlegen. Wo die Winstubs mit fairen Preisen sitzen, steht im Guide Essen & Trinken in Straßburg. Und wenn du das Viertel einmal vom Wasser aus sehen willst: Die Bootsfahrt auf der Ill fährt mitten durch die Schleuse von Petite France.
Tickets: Petite France selbst kostet nichts, auch die Terrasse des Barrage Vauban ist frei. Nur für die Bootsfahrt durchs Viertel brauchst du ein Ticket, zu Stoßzeiten buchst du den Slot besser vorab.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWenn die Hauptgassen voll sind, wechsle ans Südufer der Ill und auf die Terrasse des Barrage Vauban: gleiche Aussicht auf die Fachwerkfront, ein Bruchteil der Leute. Oder verschieb den Besuch auf nach 19 Uhr und geh vorher ins Münster.
- Wenn es regnetBei Regen glänzt das Kopfsteinpflaster, und die Gassen leeren sich, mit Schirm ist das Viertel sogar stimmungsvoll. Trockene Alternative direkt nebenan: der Arkadengang im Barrage Vauban oder eine überdachte Bootsfahrt.
- Mit KindernKurze Wege, Schleusen, Boote und Enten: Für Kinder funktioniert Petite France gut, solange du auf die ungesicherten Uferkanten achtest. Die Drehbrücke in Aktion ist für kleine Zuschauer das Highlight.
- Mit eingeschränkter MobilitätFast alles ist Kopfsteinpflaster, teils grob, mit einzelnen Stufen an den Brücken. Mit Rollstuhl sind die Hauptgassen machbar, aber holprig; die Terrasse des Barrage Vauban ist über Treppen erreichbar und damit leider nicht barrierefrei.
Häufige Fragen
Warum heißt das Viertel La Petite France?
Nicht aus Patriotismus: Im 15. Jahrhundert stand hier ein Hospiz für Soldaten mit der Syphilis, die man im deutschsprachigen Raum „Franzosenkrankheit“ nannte. Aus dem Spott wurde ein Ortsname, der bis heute geblieben ist. Die Straßburger selbst nannten das Viertel lange schlicht das Gerberviertel.
Ist La Petite France kostenlos?
Ja, komplett. Das Viertel ist normaler Stadtraum, auch die Ponts Couverts und die Panoramaterrasse auf dem Barrage Vauban kosten nichts. Geld ausgeben kannst du trotzdem: in Cafés, Souvenirläden und auf der Bootsfahrt, die durch die Schleuse des Viertels fährt.
Wann ist Petite France am wenigsten voll?
Früh am Morgen vor 9 Uhr und abends nach 19 Uhr. Tagsüber, besonders zwischen 11 und 18 Uhr und an Adventswochenenden, wird es in den engen Gassen dicht. Auch unter der Woche ist deutlich weniger los als am Wochenende.
Wie lange braucht man für Petite France?
Für den Rundgang mit Ponts Couverts und Barrage Vauban reichen ein bis zwei Stunden. Mit Fotopausen, Café und Bootsfahrt wird ein halber Tag daraus. Das Viertel ist klein, die Wege sind kurz, du kannst es gut mit Münster und Altstadt an einem Tag kombinieren.
Sind die Ponts Couverts überdacht?
Nein, schon lange nicht mehr. Die hölzernen Dächer, die den Brücken im Mittelalter ihren Namen gaben, wurden im 18. Jahrhundert abgetragen. Geblieben sind die drei Wehrtürme der alten Stadtbefestigung, die zusammen mit dem Barrage Vauban dahinter eines der bekanntesten Panoramen Straßburgs bilden.




