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Frankreich Geheimtipps: 12 unterschätzte Orte

Paris, die Côte d'Azur, das Loiretal: Die Klassiker kennst du. Diese Seite stellt dir 12 Orte vor, die genauso viel Charakter haben, aber nur einen Bruchteil der Besucher. Keiner davon ist ein Notnagel: Jeder einzelne hätte in einem anderen Land längst Weltruhm.

Zu allen zwölf bekommst du eine ehrliche Einordnung: warum der Ort unterschätzt wird, für wen er sich lohnt und wie du ihn mit den bekannten Zielen kombinierst.

Auf einen Blick

  • Orte auf dieser Liste12, quer durch alle Landesteile
  • Nördlichster OrtAmiens in der Picardie
  • Südlichster OrtCollioure, kurz vor der spanischen Grenze
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September
  • Anreise11 der 12 Orte haben einen Bahnhof, nur Uzès braucht den Bus

Warum diese Orte unterschätzt sind

Frankreich hat ein Luxusproblem: Das Land besitzt so viele erstklassige Ziele, dass die zweite Reihe im Schatten steht. Wer nur zwei Wochen hat, fährt eben nach Paris, Carcassonne oder Avignon. Die Folge: Städte wie Bourges oder Besançon tauchen in deutschen Reiseplänen fast nie auf, obwohl sie UNESCO-Welterbe, intakte Altstädte und ehrliche Preise bieten.

Für diese Liste galten drei Regeln: Der Ort muss eine Reise für sich allein tragen, er darf im Hochsommer nicht überlaufen sein, und wir sagen dir offen, was ihn zurückhält. Suchst du eher Dörfer als Städte, schau auf unsere Seite über die schönsten Dörfer Frankreichs.

12 unterschätzte Orte in Frankreich

1 Troyes: Fachwerk in der Champagne

Der Altstadtkern von Troyes hat auf der Karte die Form eines Champagnerkorkens, und dahinter drängen sich hunderte bunte Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert. Dazu kommen Kirchen voller mittelalterlicher Glasfenster; die Gegend nennt sich selbstbewusst Europas Hauptstadt der Glasmalerei.

Unterschätzt, weil Champagne-Reisende nach Reims und Épernay fahren und Troyes höchstens von den Outlet-Centern am Stadtrand kennen. Ehrlich gesagt: Die Outlets kannst du auslassen, die Gassen rund um die Ruelle des Chats nicht.

2 Albi: die Backstein-Kathedrale

Albi besitzt mit Sainte-Cécile die größte Backsteinkirche der Welt: außen wie eine Festung, innen vollständig ausgemalt. Gleich nebenan zeigt der alte Bischofspalast das Toulouse-Lautrec-Museum, denn der Maler wurde in Albi geboren.

Unterschätzt, weil Toulouse und Carcassonne in Okzitanien die Aufmerksamkeit abgreifen. Dabei ist die Bischofsstadt seit 2010 UNESCO-Welterbe, und der Blick von der alten Tarn-Brücke gehört zu den schönsten Stadtansichten Südfrankreichs.

3 Vannes: das Tor zum Golf von Morbihan

Vannes sitzt am Golf von Morbihan, einem Binnenmeer mit Dutzenden Inseln, und hat selbst eine tadellose Fachwerk-Altstadt hinter intakter Stadtmauer. Die alten Waschhäuser vor den Wällen sind das Fotomotiv der Stadt.

Unterschätzt, weil der Bretagne-Verkehr an der Nordküste bleibt, bei Saint-Malo und dem Mont-Saint-Michel. Von Vannes aus startest du morgens zur Inselrundfahrt und sitzt abends in einer Crêperie, in der vor allem Einheimische essen.

4 Besançon: Vaubans Meisterstück

Eine Schleife des Doubs umschließt die Altstadt von Besançon fast vollständig, und über allem thront die Zitadelle von Vauban, seit 2008 UNESCO-Welterbe. Dazu kommen eine lange Uhrmachertradition und das Geburtshaus von Victor Hugo.

Unterschätzt, weil die Stadt an keiner Urlaubsroute liegt: Alle fahren durchs Elsass oder gleich weiter in den Süden. Genau deshalb hast du eine der eindrucksvollsten Festungsanlagen Europas hier fast für dich allein.

5 Amiens: Kathedrale der Superlative

Die Kathedrale von Amiens ist die größte gotische Kathedrale Frankreichs; vom Raumvolumen her würde Notre-Dame de Paris fast zweimal hineinpassen. Vor der Stadt liegen die Hortillonnages, schwimmende Gärten, die du per Boot erkundest. Jules Verne schrieb hier seine Romane, sein Wohnhaus ist heute ein Museum.

Unterschätzt, weil Nordfrankreich als grau gilt. Dabei ist Amiens ab Paris in gut einer Stunde per Bahn erreichbar und damit einer der einfachsten Tagesausflüge dieser Liste.

6 Collioure: die Bucht der Maler

In Collioure haben Matisse und Derain 1905 den Fauvismus begründet, und wenn du die Bucht mit Königskastell und rundem Glockenturm siehst, verstehst du sofort warum. Der Ort salzt seit Jahrhunderten Anchovis ein und schenkt die Weine der steilen Terrassen ringsum aus.

Unterschätzt ist Collioure nur im Vergleich zur Côte d’Azur: gleiches Licht, gleiche Farben, deutlich weniger Rummel. Im Juli und August wird es trotzdem eng; komm im Mai, Juni oder September.

7 Menton: Zitronen an der italienischen Grenze

Menton ist die letzte Stadt vor Italien und fühlt sich auch so an: pastellfarbene Altstadt, Zitronengärten und ein Klima, das zu den mildesten Frankreichs zählt. Jean Cocteau hat hier den Hochzeitssaal des Rathauses ausgemalt, im Spätwinter feiert die Stadt ihr Zitronenfest.

Unterschätzt, weil Nizza und Cannes den Glamour besetzen und Menton als verschlafen gilt. Genau das ist sein Vorteil: Côte-d’Azur-Kulisse mit Ruhe und einem Alltag, der nicht nur aus Tourismus besteht.

8 Uzès: das erste Herzogtum Frankreichs

Uzès trägt den Titel des ersten Herzogtums Frankreichs und sieht auch so aus: helle Kalksteinpaläste, Arkaden rund um die Place aux Herbes und samstags einer der schönsten Wochenmärkte des Südens. Der Pont du Gard liegt eine knappe halbe Stunde entfernt.

Unterschätzt, weil Avignon und Nîmes die Besucherströme unter sich aufteilen und Uzès keinen Bahnhof hat. Nimm den Bus ab Nîmes oder Avignon, es lohnt sich: Das Städtchen ist der Süden, wie du ihn dir vorstellst.

9 Bourges: Gotik ohne Wartezeit

Mitten im ruhigsten Teil Frankreichs steht in Bourges eine der großartigsten Kathedralen des Landes, UNESCO-Welterbe und praktisch ohne Andrang. Dazu kommen der Palais Jacques-Cœur, der Stadtpalast eines steinreichen Kaufmanns aus dem 15. Jahrhundert, und die Marais, Gemüsegärten im Sumpfland direkt hinter der Altstadt.

Unterschätzt, weil das Berry schlicht auf keiner Route liegt. Bourges ist der Beweis, dass die Mitte Frankreichs kein Durchfahrland ist, und ein idealer Zwischenstopp auf dem Weg in den Süden.

10 Quimper: bretonischer geht es nicht

Quimper ist die Hauptstadt der bretonischen Tradition: Hier wird seit dem 17. Jahrhundert Fayence von Hand bemalt, die Kathedrale steht mit sichtbar geknickter Achse im Zentrum, und in den Crêperien bekommst du Galettes, wie sie sein sollen.

Unterschätzt, weil es von Paris aus schlicht weit ist: Quimper liegt fast am westlichsten Punkt der Bretagne. Wer die Strecke auf sich nimmt, erlebt eine Stadt, in der bretonische Kultur Alltag ist und kein Folkloreprogramm.

11 Pau: Balkon der Pyrenäen

Vom Boulevard des Pyrénées in Pau überblickst du an klaren Tagen die halbe Gebirgskette, und mitten in der Stadt steht das Schloss, in dem Heinrich IV. geboren wurde; seine Wiege aus einem Schildkrötenpanzer wird dort noch gezeigt. Eine kleine Standseilbahn verbindet den Bahnhof mit dem Boulevard.

Unterschätzt, weil an der Atlantikküste Biarritz alle Aufmerksamkeit bekommt. Pau ist die elegante, entspanntere Alternative und der perfekte Startpunkt für die Pyrenäen.

12 Aigues-Mortes: die komplette Stadtmauer

Aigues-Mortes ist ein Rechteck aus dem 13. Jahrhundert: Die Stadtmauer, von der aus Ludwig der Heilige zum Kreuzzug aufbrach, steht vollständig und lässt sich in ganzer Länge ablaufen. Draußen leuchten die Salzfelder der Camargue rosa, dazwischen stehen Flamingos und weiße Pferde.

Unterschätzt ist der Ort vor allem gegenüber Carcassonne: kleiner, flacher, aber komplett original erhalten. Im Juli schieben sich trotzdem viele Menschen durch die wenigen Gassen; ideal sind Frühjahr und Herbst.

Tipp: Elf der zwölf Orte haben einen Bahnhof, nur Uzès braucht den Bus. Besonders einfach: Amiens ab Paris, Menton ab Nizza, Albi ab Toulouse und Collioure ab Perpignan, jeweils als Tagesausflug mit dem Regionalzug.

So kombinierst du die Geheimtipps mit den Klassikern

Du musst dich nicht entscheiden. Die meisten dieser Orte liegen nah an einem großen Ziel und machen aus einer klassischen Route eine bessere: Troyes ergänzt die Champagne um eine zweite, ruhigere Facette, Uzès und Aigues-Mortes runden eine Reise durch die Provence ab, Vannes und Quimper machen aus der Nordküsten-Bretagne eine komplette Runde, und Menton ist der ruhige Schlusspunkt jeder Fahrt entlang der Côte d’Azur.

Gut zu wissen: In den unterschätzten Städten geht es in Hotels und Restaurants spürbar entspannter zu als in den Hotspots. Reservieren musst du meist nur am Wochenende, wenn Märkte wie der in Uzès die ganze Region anziehen.

Häufige Fragen

Welche Orte in Frankreich sind wirklich noch Geheimtipps?

Am wenigsten Besucher von dieser Liste sehen Bourges, Besançon und Quimper: Alle drei liegen abseits der großen Urlaubsrouten und tauchen in deutschen Reiseplänen selten auf. Collioure, Menton und Aigues-Mortes sind regional durchaus bekannt, im Vergleich zu Carcassonne oder Nizza aber immer noch deutlich ruhiger, vor allem außerhalb der Sommerferien.

Kommt man ohne Auto zu diesen Geheimtipps?

Ja, erstaunlich gut. Elf der zwölf Orte haben einen Bahnhof: Amiens und Troyes erreichst du direkt ab Paris, Menton ab Nizza, Albi ab Toulouse, Collioure ab Perpignan. Auch Vannes, Quimper, Pau, Besançon, Bourges und Aigues-Mortes liegen am Schienennetz. Einzige Ausnahme ist Uzès: Dorthin fährst du mit dem Bus ab Nîmes oder Avignon.

Wann ist die beste Reisezeit für die unterschätzten Orte?

Mai, Juni und September sind ideal: warm genug für die Küstenorte, aber ohne den Andrang der Sommerferien. Collioure und Aigues-Mortes werden im Juli und August voll, die Städte im Landesinneren wie Bourges oder Besançon bleiben dagegen das ganze Jahr entspannt. Menton punktet zusätzlich mit sehr milden Wintern und dem Zitronenfest im Spätwinter.

Sind die Geheimtipps günstiger als die bekannten Ziele?

In der Regel ja. Wo weniger Besucher hinkommen, stehen Hotels und Restaurants weniger unter Druck: Du bekommst leichter ein Zimmer in der Altstadt, und die Menüs richten sich an Stammgäste statt an Durchreisende. Konkrete Preise ändern sich ständig, aber der Unterschied zu Paris oder zur Côte d'Azur ist in Städten wie Troyes, Bourges oder Pau deutlich spürbar.

Lohnen sich die Orte als eigenes Reiseziel oder nur als Zwischenstopp?

Beides funktioniert. Ein Wochenende tragen alle zwölf problemlos, besonders Vannes mit dem Golf von Morbihan, Menton und Collioure am Meer sowie Troyes mit seiner Fachwerk-Altstadt. Als Zwischenstopp glänzen Bourges und Besançon auf dem Weg in den Süden. Am stärksten sind die Orte aber als Ergänzung einer klassischen Route, etwa Uzès neben Avignon.