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Krank oder Notfall in Frankreich: was jetzt zu tun ist

Krank werden im Urlaub ist unangenehm, im Ausland zusätzlich verunsichernd: fremdes System, fremde Sprache, keine Ahnung, wer zuständig ist. Frankreich hat eine sehr gute medizinische Versorgung, du musst nur wissen, an welche Tür du klopfst.

Hier bekommst du die organisatorische Seite: die Notrufnummern und wann du welche wählst, welche Unterlagen vor der Abreise zusammengehören, warum die Pharmacie fast immer die erste Adresse ist und wie ein Arztbesuch praktisch abläuft. Medizinische Ratschläge findest du hier bewusst keine, dafür ist dein Arzt zuständig.

Krank oder Notfall in Frankreich: was jetzt zu tun ist
Foto: Elliott Brown from Birmingham, United Kingdom, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Europäischer Notruf112, aus jedem Netz, auch aus dem Ausland
  • Medizinischer Notdienst15 (SAMU)
  • Polizei und Feuerwehr17 und 18
  • Notruf per SMS114, für Gehörlose und Menschen ohne Sprache
  • Apotheke erkennengrünes Kreuz über dem Eingang
  • Vor der AbreiseKrankenversicherungskarte mit EHIC auf der Rückseite

Die Nummern, die du kennen musst

Speichere sie ins Handy, bevor du losfährst. Im Ernstfall willst du nicht suchen. Alle Notrufnummern sind kostenlos und funktionieren von jedem Telefon mit Empfang, auch ohne Guthaben.

Nummer Wofür Wann du sie wählst
112 Europäischer Notruf immer, wenn du unsicher bist
15 SAMU, medizinischer Notdienst akute gesundheitliche Notlage
17 Police, Gendarmerie Diebstahl, Überfall, Unfall mit Streit
18 Pompiers, Feuerwehr Feuer, Unfall, technische Hilfe
114 Notruf per SMS oder Fax wenn du nicht sprechen kannst oder willst

Im Zweifel ist 112 immer richtig, die Zentrale leitet weiter. Halte bereit: wo du bist, was passiert ist und eine Rückrufnummer. Die Adresse deiner Unterkunft solltest du auf Papier dabeihaben, denn Ortsnamen sind am Telefon schwer zu buchstabieren, wenn man aufgeregt ist.

Gut zu wissen: Die 112 erreichst du in ganz Europa, auch wenn dein Handy kein Netz deines eigenen Anbieters findet. Auf dem Land in Frankreich ist die Feuerwehr, also die Pompiers unter der 18, oft die erste Einheit vor Ort, weil sie flächendeckend organisiert ist.

Vor der Abreise: Karte, Versicherung, Unterlagen

Auf der Rückseite deiner deutschen Krankenversicherungskarte sitzt die Europäische Krankenversicherungskarte, kurz EHIC. Damit hast du in Frankreich Anspruch auf medizinisch notwendige Behandlung zu denselben Bedingungen wie Versicherte vor Ort. Prüf vor der Reise, ob die Rückseite tatsächlich ausgefüllt ist, bei manchen älteren Karten fehlt sie.

Die EHIC deckt allerdings nicht alles ab. Ein medizinisch begleiteter Rücktransport nach Hause gehört nicht dazu, und das ist genau der Posten, der im Ernstfall am teuersten wird. Deshalb ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung der Standard, den fast alle Verbraucherberatungen empfehlen. Welches Produkt für dich passt, klärst du selbst, wir nennen hier keine Anbieter.

Was außerdem zusammengehört: eine Liste deiner Dauermedikamente mit den Wirkstoffnamen statt der deutschen Handelsnamen, ein Foto oder eine Kopie deiner Versichertenkarte und des Ausweises, der Impfpass, wenn du ihn ohnehin führst, und die Kontaktdaten deiner Versicherung. Alles einmal digital im Handy, einmal auf Papier.

Die Pharmacie ist die erste Adresse

Französische Apotheken erkennst du am grünen Kreuz über der Tür. Sie sind mehr als Verkaufsstellen: Das Personal ist ausgebildet, berät bei kleineren Beschwerden und sagt dir, ob ein Arztbesuch nötig ist. Für Sonnenbrand, Insektenstiche, Magenverstimmung oder eine verlorene Packung Kopfschmerztabletten ist die Pharmacie die schnellste Lösung.

Wichtig für die Erwartungshaltung: In Frankreich gibt es Medikamente seltener im Supermarkt als in Deutschland, vieles bekommst du ausschließlich in der Apotheke. Nimm deine Liste mit Wirkstoffnamen mit, dann findet das Personal das passende Präparat, auch wenn der Markenname ein anderer ist.

Außerhalb der üblichen Zeiten und an Feiertagen gibt es die pharmacie de garde, den Apothekennotdienst. Welche Apotheke gerade dran ist, hängt üblicherweise als Aushang an der Tür geschlossener Apotheken, steht im Schaufenster oder ist bei der örtlichen Polizeistation zu erfahren. An Feiertagen lohnt ein Blick vorher, welche Tage betroffen sind, steht im Beitrag zu Feiertagen und Ruhetagen.

Wenn du einen Arzt brauchst

Für alles, was kein Notfall ist, gehst du zum médecin généraliste, dem Allgemeinarzt. In Städten gibt es Praxen mit Sprechzeiten und Termin, in vielen Orten auch Gemeinschaftspraxen. Deine Unterkunft hilft in der Regel gern bei der Suche, das ist ein völlig normaler Wunsch, und Rezeptionen haben oft eine Liste.

Der Ablauf ist unkompliziert: Du meldest dich an, zeigst Ausweis und Versichertenkarte, wirst behandelt und bekommst am Ende Unterlagen mit. In größeren Städten gibt es zusätzlich ärztliche Bereitschaftsdienste, die außerhalb der Sprechzeiten arbeiten und teils Hausbesuche machen. Bei Zahnproblemen suchst du entsprechend einen chirurgien-dentiste.

Tipp: Schreib dir vorher drei Sätze auf Französisch auf: was dir fehlt, seit wann, und welche Medikamente du nimmst. Das entspannt die Situation enorm. Bausteine dafür findest du unter Französisch für die Reise, und eine Übersetzer-App mit heruntergeladenem Sprachpaket hilft auch ohne Netz.

Notaufnahme und Krankenhaus

Die Notaufnahme heißt urgences und ist an Krankenhäusern ausgeschildert. Sie ist für echte Notfälle da, nicht für Erkältungen, und die Wartezeiten sind entsprechend nach Dringlichkeit sortiert. Wenn du unsicher bist, ob es ein Fall für die urgences ist, ruf die 15 an, dort wird eingeschätzt und weitervermittelt.

Für Reisende mit eingeschränkter Mobilität oder chronischen Erkrankungen lohnt es sich, schon bei der Reiseplanung zu wissen, wo das nächste größere Krankenhaus liegt, gerade auf Inseln und in Bergregionen. Hinweise zur Zugänglichkeit sammelt unsere Seite Barrierefrei reisen in Frankreich.

Kosten und Erstattung: wie es organisatorisch läuft

In Frankreich zahlst du beim Arzt in der Regel zunächst selbst und reichst die Unterlagen anschließend ein. Entscheidend ist deshalb: Lass dir alles geben, was du bekommen kannst, also die Behandlungsbescheinigung, Rezepte, Quittungen und den Nachweis der Apotheke. Ohne Belege wird jede Erstattung mühsam.

Bewahre die Papiere zusammen an einem Ort auf, fotografiere sie zusätzlich, und melde dich bei deiner Versicherung, solange du noch vor Ort bist, wenn größere Kosten entstehen. Wenn eine Klinik direkt abrechnen kann, wird sie das sagen. Wie du vor Ort am besten bezahlst, steht im Beitrag Bezahlen in Frankreich.

Achtung: Die EHIC ersetzt keine Reiseversicherung. Sie greift bei medizinisch notwendiger Behandlung, aber nicht beim Rücktransport nach Deutschland und nicht bei privaten Zusatzleistungen. Kläre diesen Punkt vor der Abreise, nicht im Krankenhausflur.

Diebstahl, Verlust und andere Notlagen

Bei Diebstahl gehst du zur Police nationale oder auf dem Land zur Gendarmerie und lässt eine Anzeige aufnehmen, die du für die Versicherung brauchst. Karten sperrst du sofort über die Sperrnummer deiner Bank, die du getrennt vom Portemonnaie notiert haben solltest. Bei Verlust des Ausweises hilft die zuständige deutsche oder österreichische Vertretung weiter.

Vorbeugen ist einfacher als reparieren: Wertsachen nicht in die Gesäßtasche, Taschen in Menschenmengen vorn tragen, Kopien getrennt aufbewahren. Was in der Hauptstadt typisch ist und wo du besonders aufpassen solltest, steht unter Sicher in Paris.

Situationen, die im Frankreichurlaub häufig sind

Im Hochsommer sind Hitze und Sonne das Thema, besonders im Süden zwischen Nîmes, Avignon und Marseille. Plane Besichtigungen morgens, halte den Nachmittag frei und trink mehr, als du denkst, mehr dazu unter Frankreich im Sommer. Am Meer gilt das Flaggensystem der bewachten Strände, dort wird die aktuelle Lage angezeigt, siehe die schönsten Strände Frankreichs.

In den Bergen ändert sich das Wetter schnell, und Handyempfang ist nicht überall gegeben, was für Wanderungen rund um Chamonix oder im Inneren von Korsika zählt. Sag jemandem, wo du hingehst, und nimm mehr Wasser mit als geplant. Mit Kindern lohnt sich außerdem ein kurzer Blick auf die Grundausstattung im Rucksack, dazu passt unser Beitrag Frankreich mit Kindern. Und stell sicher, dass dein Handy erreichbar bleibt, wie das mit Roaming und Netz funktioniert, klärt Handy, eSIM und WLAN in Frankreich.

Häufige Fragen

Welche Notrufnummer wähle ich in Frankreich?

112 ist der europäische Notruf und immer eine richtige Wahl, die Zentrale leitet weiter. Daneben gibt es 15 für den medizinischen Notdienst SAMU, 17 für die Polizei und 18 für die Feuerwehr. Wer nicht sprechen kann, erreicht die Notrufzentrale per SMS über die 114. Alle Nummern sind kostenlos und funktionieren von jedem Handy mit Empfang.

Reicht die europäische Krankenversicherungskarte in Frankreich?

Für medizinisch notwendige Behandlung ja, sie steckt auf der Rückseite deiner deutschen Versichertenkarte. Sie deckt aber keinen Rücktransport nach Hause ab, und genau das ist im Ernstfall der teuerste Posten. Deshalb gilt eine Auslandsreise-Krankenversicherung als Standard. Prüfe vor der Abreise, ob die Rückseite deiner Karte ausgefüllt ist.

Wie finde ich in Frankreich eine geöffnete Apotheke?

Apotheken erkennst du am grünen Kreuz. Außerhalb der üblichen Zeiten und an Feiertagen gibt es den Notdienst, die pharmacie de garde. Welche Apotheke gerade Dienst hat, hängt meist als Aushang an der Tür geschlossener Apotheken oder ist bei der örtlichen Polizei zu erfahren. Deine Unterkunft weiß es in der Regel auch.

Muss ich beim Arzt in Frankreich selbst bezahlen?

In der Regel zahlst du zunächst selbst und reichst die Unterlagen danach bei deiner Versicherung ein. Sammle deshalb alle Belege: Behandlungsbescheinigung, Rezepte, Quittungen und die Bons der Apotheke. Fotografiere sie zusätzlich. Bei größeren Beträgen melde dich bei deiner Versicherung, solange du noch vor Ort bist.

Bekomme ich meine gewohnten Medikamente in Frankreich?

Häufig ja, aber unter anderem Namen. Notiere dir deshalb vor der Reise die Wirkstoffnamen deiner Dauermedikamente statt der deutschen Handelsnamen, dann findet das Apothekenpersonal ein passendes Präparat. Rezeptpflichtiges bleibt rezeptpflichtig. Nimm ausreichend eigenen Vorrat mit und bewahre ihn im Handgepäck auf.

Was mache ich bei Diebstahl im Urlaub?

Karten sofort sperren, dafür die Sperrnummer getrennt vom Portemonnaie notieren. Danach zur Polizei oder auf dem Land zur Gendarmerie gehen und eine Anzeige aufnehmen lassen, die brauchst du für die Versicherung. Bei verlorenem Ausweis hilft die zuständige Auslandsvertretung. Kopien von Ausweis und Karten machen das alles deutlich schneller.