Auvergne-Rhône-Alpes · Lyon

Croix-Rousse: das Viertel der Seidenweber

Croix-Rousse ist der zweite Hügel Lyons und war im 19. Jahrhundert die Werkbank der Stadt: Zehntausende Canuts, die Seidenweber, arbeiteten hier an ihren Webstühlen in Wohnungen mit vier Meter hohen Decken. Heute ist daraus das lebendigste Viertel Lyons geworden, mit Markt, Cafés und einem eigenen Dorfstolz.

Der Trick für den Besuch: mit der Metro hinauffahren und das Viertel bergab erkunden, durch Treppengassen und Traboules bis hinunter zur Halbinsel.

Auf einen Blick

  • RegionAuvergne-Rhône-Alpes
  • EpocheSeidenweber-Viertel des 19. Jahrhunderts
  • UNESCOTeil des Welterbe-Ensembles
  • Dauer des BesuchsHalber Tag
  • AnreiseMetro C bis Croix-Rousse

Die Canuts: Weber, Rebellen, Erfinder

Als der Jacquard-Webstuhl Anfang des 19. Jahrhunderts die Seidenproduktion umkrempelte, brauchte er Platz: höhere Räume, größere Fenster. Also entstanden auf dem Hügel die typischen Canut-Häuser mit hohen Decken und Fensterfronten, hinter denen Zehntausende webten. Die Canuts arbeiteten hart, wurden schlecht bezahlt und wehrten sich: Ihre Aufstände in den 1830er Jahren gehören zu den ersten großen Arbeiterrevolten Europas. Ihr Motto, leben und arbeitend leben, prägt das Selbstverständnis des Viertels bis heute.

Wie die Webstühle klapperten, erlebst du in der Maison des Canuts, wo Vorführungen an historischen Maschinen die Technik erklären. Für den Kontext davor oder danach lohnt die Übersicht der Lyon Sehenswürdigkeiten.

Plateau und Pentes: zwei Welten an einem Hang

Oben auf dem Plateau fühlt sich Croix-Rousse wie eine Kleinstadt an: Der Markt auf dem Boulevard de la Croix-Rousse ist einer der besten Lyons und läuft außer montags fast jeden Vormittag, dazu Metzger, Bäcker, Weinläden. Probier am Marktstand ein Stück Rosette-Wurst oder eine rosa Praline vom Bäcker.

Die Pentes, die Hänge, sind das junge Croix-Rousse: steile Gassen, Ateliers, Streetart, Bars. Hier liegen auch die berühmten Treppen und Durchgänge, allen voran die Cour des Voraces mit ihrer sechsgeschossigen Freitreppe, ein Muss auf dem Weg nach unten. Mehr Eingänge und die Verhaltensregeln findest du im Guide zu den Traboules.

Tipp: Fahr mit der Metro C bis zur Station Croix-Rousse, schau dir Markt und Plateau an und lauf dann bergab über die Pentes zur Presqu’île. Andersherum, bergauf, macht das Viertel deutlich weniger Spaß.

Mur des Canuts: die bemalte Wand

Am Boulevard des Canuts steht eine der größten Fassadenmalereien Europas: der Mur des Canuts. Auf rund 1200 Quadratmetern setzt sich das Viertel selbst in Szene, mit Treppen, Läden und Bewohnern, so realistisch gemalt, dass Besucher regelmäßig in die gemalte Gasse einbiegen wollen. Das Bild wird seit den 1980er Jahren immer wieder aktualisiert, die dargestellten Figuren altern mit. Zusammen mit der Fresque des Lyonnais am Saôneufer bildet es die Spitze von Lyons Wandmalerei-Tradition.

Gut zu wissen: Croix-Rousse ist ein Wohnviertel ohne klassische Ticket-Attraktionen. Genau das ist sein Reiz: Du erlebst Lyoner Alltag. Restaurants sind hier oft besser und günstiger als in den Touristenlagen, mehr dazu im Guide zu Essen und Trinken in Lyon.

Praktisch: hin, runter, weiter

Die Metro C klettert als Zahnradbahn von Hôtel de Ville hinauf zum Plateau, Details im Verkehrsguide. Für den Abstieg brauchst du keine Route, verlaufen gehört zum Konzept, solange es bergab geht, landest du automatisch an der Saône oder auf der Halbinsel. Wer die Geschichte der Seidenweber vertiefen will, findet geführte Viertel-Touren unter Aktivitäten in Lyon.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istCroix-Rousse ist selten überlaufen, nur die Cour des Voraces zieht Gruppen an. Falls dort Stau ist, nimm eine der parallelen Treppengassen bergab, der Hang ist voller Alternativen und alle enden unten am Wasser.
  • Wenn es regnetMaison des Canuts für die Weber-Geschichte, danach Traboules als überdachte Abkürzungen bergab und lange Café-Pausen. Die steilen Gassen werden bei Nässe rutschig, nimm griffige Schuhe.
  • Mit KindernDer Markt taugt als Probierstrecke, der Mur des Canuts als Suchbild und die Treppen als Abenteuer, bergab sogar mit müden Kindern machbar. Mit Kinderwagen ist der Hang dagegen mühsam, dann besser oben auf dem Plateau bleiben.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Plateau ist eben und mit der Metro erreichbar, der Markt gut zugänglich. Die Pentes mit ihren Treppen und dem Gefälle sind für Rollstuhl und Rollator praktisch nicht machbar, der Mur des Canuts liegt aber ebenerdig nahe der Metrostation Hénon.

Häufige Fragen

Was waren die Canuts?

Die Seidenweber von Lyon, die im 19. Jahrhundert auf dem Croix-Rousse-Hügel an Jacquard-Webstühlen arbeiteten. Sie webten Luxusstoffe für ganz Europa, lebten selbst aber prekär. Ihre Aufstände in den 1830er Jahren zählen zu den ersten großen Arbeiterbewegungen der Industriegeschichte.

Wann ist Markt in Croix-Rousse?

Der Markt auf dem Boulevard de la Croix-Rousse findet außer montags fast jeden Vormittag statt, am größten und lebhaftesten ist er am Wochenende. Verlass dich für den genauen Rhythmus nicht auf Garantien, sondern plane den Besuch einfach vormittags, dann stehen die Stände praktisch immer.

Lohnt sich der Mur des Canuts?

Ja, als kurzer, kostenloser Abstecher unbedingt. Die riesige Trompe-l'œil-Wand am Boulevard des Canuts zeigt das Viertel im Viertel und gehört zu den bekanntesten Wandbildern Europas. Rechne mit 15 bis 20 Minuten vor Ort, kombiniert mit Plateau und Markt ergibt das einen runden Vormittag.

Wie kommt man nach Croix-Rousse hinauf?

Am einfachsten mit der Metro C ab Hôtel de Ville, die als Zahnradbahn direkt zum Plateau klettert. Zu Fuß steigst du durch die Pentes hinauf, das ist schweißtreibend, aber mit Traboules und Aussichten gespickt. Die entspannte Reihenfolge: Metro hoch, zu Fuß runter.

Was ist der Unterschied zwischen Croix-Rousse und Vieux Lyon?

Vieux Lyon ist die Renaissance-Altstadt der Händler und Bankiers am Fuß des Fourvière-Hügels, Croix-Rousse der Arbeiterhügel der Seidenweber aus dem 19. Jahrhundert. Beide gehören zum UNESCO-Ensemble und beide haben Traboules, erzählen aber zwei verschiedene Kapitel derselben Stadtgeschichte.