Auvergne-Rhône-Alpes · Lyon

Traboules: die geheimen Gänge

Traboules sind Durchgänge, die mitten durch Wohnhäuser und Innenhöfe von einer Straße zur parallelen nächsten führen. Du drückst eine unscheinbare Tür auf, stehst plötzlich in einem Renaissancehof mit Wendelturm und kommst zwei Gassen weiter wieder heraus. Kein anderes Stadterlebnis in Frankreich fühlt sich so nach Entdeckung an.

Es gibt sie vor allem in Vieux Lyon und an den Hängen von Croix-Rousse. Viele sind tagsüber frei zugänglich, aber es sind bewohnte Häuser, und genau deshalb gelten Regeln.

Auf einen Blick

  • RegionAuvergne-Rhône-Alpes
  • UrsprungMittelalter und Renaissance, ausgebaut im 19. Jahrhundert
  • WoVieux Lyon und Croix-Rousse
  • Dauer1 bis 2 Stunden pro Route
  • EintrittKostenlos, tagsüber

Was Traboules sind und warum es sie gibt

Das Wort kommt vom lateinischen trans ambulare, hindurchgehen. In Vieux Lyon entstanden die Gänge, weil die Häuser dicht an dicht zwischen Fluss und Hügel gebaut wurden und man ohne Umweg zum Wasser wollte. In Croix-Rousse nutzten die Canuts, die Seidenweber, die Durchgänge im 19. Jahrhundert, um ihre Stoffballen wettergeschützt und auf kürzestem Weg den Hang hinunter zu den Händlern zu bringen. Im Zweiten Weltkrieg dienten dieselben Gänge der Résistance als Fluchtwege, weil kein Ortsfremder das Labyrinth durchschaute.

Die Etikette: du bist bei Leuten zu Hause

Das Wichtigste zuerst: Traboules führen durch bewohnte Häuser. Dass du sie betreten darfst, verdankst du Vereinbarungen zwischen der Stadt und den Eigentümern. Damit das so bleibt, gilt:

Achtung: Sprich leise oder gar nicht, verzichte auf laute Gruppenkommentare. Schließ jede Tür hinter dir wieder. Fotografiere Höfe, aber keine Fenster, Briefkästen oder Bewohner. Iss und trink nicht in den Gängen, und abends bleiben die Türen zu, auch wenn eine offen wäre.

Halte dich daran wie an Hausregeln bei Freunden, denn genau das sind sie. Immer wieder schließen Eigentümer Traboules, wenn Besucher sich danebenbenehmen.

Traboules finden: so gehst du vor

Zugängliche Traboules erkennst du an kleinen Plaketten neben der Tür. Drück tagsüber auf den Türöffnerknopf an der Fassade, oft springt die Tür dann einfach auf. Steht sie nicht auf und öffnet auch der Knopf nichts, ist der Durchgang geschlossen, dann zieh weiter, es gibt genug andere.

In Vieux Lyon ist die berühmteste die sogenannte Longue Traboule, die von der Rue Saint-Jean 54 quer durch vier Häuser und Höfe bis zur Rue du Bœuf 27 führt. In Croix-Rousse ist die Cour des Voraces an der Place Colbert das Highlight: ein Hof mit einer monumentalen, sechsgeschossigen Freitreppe, die zu den Ikonen der Stadt gehört. Von dort kannst du dich treppab Richtung Presqu’île trabulieren lassen.

Tipp: Geh früh am Vormittag unter der Woche. Dann sind die Höfe still, du hast das Licht von oben in den Treppentürmen, und du störst niemanden beim Feierabend. Sonntagnachmittags dagegen schieben sich Gruppen durch die bekannten Adressen.

Auf eigene Faust oder mit Führung?

Auf eigene Faust funktioniert gut, wenn du dich auf die bekannten Eingänge beschränkst und Geduld mitbringst. Mehr Kontext liefern geführte Touren, bei denen du Geschichten zu Höfen bekommst, die du allein nie einordnen würdest, Angebote findest du unter Aktivitäten in Lyon. Das Tourismusbüro stellt außerdem Übersichten zugänglicher Traboules bereit, schau dafür auf die offizielle Website.

Tickets: Traboules kosten keinen Eintritt. Für geführte Traboules-Touren buchst du beim offiziellen Tourismusbüro, gerade am Wochenende sind die Termine schnell voll.

Zum offiziellen Tourismusbüro

Plane die Traboules nicht als eigenen Programmpunkt, sondern als roten Faden: morgens durch Vieux Lyon, nachmittags die Hänge von Croix-Rousse. Alles Weitere steht in der Übersicht der Lyon Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSteht vor der Longue Traboule eine Gruppe, geh erst die Nachbargassen ab und komm in 20 Minuten wieder. In Croix-Rousse verteilt sich der Andrang besser, die Cour des Voraces hat zudem mehrere Zugänge rund um die Place Colbert.
  • Wenn es regnetTraboules sind das beste Regenprogramm der Stadt: Du querst ganze Häuserblocks trocken und stehst unter Arkaden und Treppentürmen. Kombiniere sie bei Dauerregen mit Kathedrale und Musée Gadagne in Vieux Lyon.
  • Mit KindernAls Schatzsuche inszeniert funktionieren Traboules großartig: Türen finden, Höfe zählen, Wendeltreppen entdecken. Erkläre vorher die Leise-Regel als Spielregel. Mit Kinderwagen sind Stufen und schwere Türen allerdings mühsam.
  • Mit eingeschränkter MobilitätEhrlich gesagt schwierig: fast überall Stufen, enge, schwere Türen und Kopfsteinpflaster in den Höfen. In Croix-Rousse kommen steile Hanglagen dazu. Rollstuhlgerecht sind die klassischen Routen nicht.

Häufige Fragen

Sind die Traboules in Lyon kostenlos?

Ja, der Zugang zu den öffentlich zugänglichen Traboules kostet nichts. Möglich macht das eine Vereinbarung zwischen der Stadt und den Hauseigentümern. Die Gegenleistung der Besucher ist Rücksicht: leise sein, nichts beschädigen, Türen schließen. Nur geführte Touren kosten Geld.

Wie viele Traboules gibt es in Lyon?

Gezählt werden mehrere hundert Durchgänge und Hofpassagen in der ganzen Stadt, die Angaben schwanken je nach Definition. Öffentlich zugänglich ist nur ein Teil davon, konzentriert auf Vieux Lyon und die Hänge von Croix-Rousse. Für einen Besuch reichen die bekannten Routen völlig.

Wie erkenne ich eine zugängliche Traboule?

An kleinen Plaketten oder Schildern neben dem Eingang und daran, dass sich die Tür tagsüber über den Türöffnerknopf an der Fassade öffnen lässt. Bleibt die Tür zu, ist der Durchgang gerade nicht freigegeben. Das Tourismusbüro veröffentlicht Übersichten mit aktuell zugänglichen Adressen.

Was ist die schönste Traboule in Lyon?

Zwei Klassiker stechen heraus: die Longue Traboule in Vieux Lyon, die von der Rue Saint-Jean 54 durch vier Höfe zur Rue du Bœuf 27 führt, und die Cour des Voraces in Croix-Rousse mit ihrer sechsgeschossigen Freitreppe. Beide zusammen zeigen die ganze Spannweite: Renaissance unten, Seidenweber-Ära oben.

Darf man in den Traboules fotografieren?

Höfe, Treppen und Architektur ja, solange du niemanden störst. Tabu sind Fenster, Namensschilder, Briefkästen und Bewohner, denn es sind private Wohnhäuser. Verzichte auf Blitz und Stativ, mach deine Bilder zügig und halte den Durchgang frei. Im Zweifel gilt: Rücksicht schlägt Foto.