Reise-Inspiration

Radreisen in Frankreich: die schönsten Radfernwege

Frankreich hat in den letzten zwanzig Jahren ein Radwegenetz aufgebaut, das dem berühmten Wandersystem der GR-Wege in nichts nachsteht: durchnummerierte Véloroutes quer durchs Land, autofreie Voies Vertes auf alten Bahndämmen und Treidelpfaden, dazu Unterkünfte, die sich auf Radreisende eingestellt haben. Du kannst hier flach an der Loire von Schloss zu Schloss rollen oder dich am Mont Ventoux quälen.

Diese Seite erklärt dir zuerst das System aus Nummern, Schildern und Belägen. Danach kommen die großen Routen mit ehrlicher Einordnung, die Sache mit Bahn und Rad und die Städte, in denen Radfahren wirklich Spaß macht.

Auf einen Blick

  • NetzZehntausende Kilometer ausgeschilderte Véloroutes
  • BeschilderungNationale V-Nummern, europäische EuroVelo-Nummern
  • Voie VerteAutofreier Weg auf Bahntrasse oder Treidelpfad
  • LabelAccueil Vélo für radfreundliche Unterkünfte und Betriebe
  • KlassikerLoire à Vélo, Vélodyssée, EuroVelo 6, ViaRhôna
  • Beste ZeitMai, Juni und September

Véloroute, Voie Verte, EuroVelo: das System verstehen

Drei Begriffe musst du auseinanderhalten. Eine Véloroute ist eine durchgehende, ausgeschilderte Radfernstrecke, die aus verschiedenen Teilstücken bestehen kann: mal ein eigener Radweg, mal eine ruhige Nebenstraße. Nationale Véloroutes tragen ein V und eine Nummer, ähnlich wie die GR-Wanderwege ihre Nummer tragen.

Eine Voie Verte ist der schönste Teil davon: ein komplett autofreier Weg, meist asphaltiert oder fein geschottert, oft auf einer stillgelegten Bahntrasse oder am Kanalufer. Steigungen sind dort minimal, weil Züge und Lastkähne keine Rampen mochten. Und EuroVelo ist die europäische Ebene: Fernrouten mit eigener Nummer, von denen mehrere durch Frankreich laufen.

Die Beschilderung ist einheitlich: Piktogramm Fahrrad, Richtungspfeil, oft der Name der Route und die Entfernung zum nächsten Ort. Wo eine Route auf Straße wechselt, weist ein kleines Schild darauf hin. Verlass dich trotzdem nicht allein auf Schilder, sondern lade dir den Track vorab aufs Gerät.

Gut zu wissen: Achte auf das Label „Accueil Vélo“. Unterkünfte, Werkstätten, Museen und Vermieter mit diesem Zeichen liegen nah an einer Radroute und bieten Basics wie abschließbaren Radraum, Werkzeug und Gepäcktransport. Für eine mehrtägige Tour ist das der schnellste Filter bei der Unterkunftssuche.

Die großen Routen

1 Loire à Vélo

Die bekannteste Radroute des Landes und die beste für Einsteiger: rund 800 bis 900 Kilometer am Fluss entlang, fast durchgehend flach, hervorragend ausgeschildert und dicht mit Unterkünften belegt. Du fährst von Schloss zu Schloss durch das Loiretal, vorbei an Orléans, Blois, Amboise, Tours und Saumur bis nach Angers und weiter Richtung Nantes.

Ideal sind fünf bis zehn Tage für einen Abschnitt statt der ganzen Strecke. Der Klassiker ist Orléans bis Tours oder Tours bis Angers, beide Enden liegen an der Bahnstrecke. Welche Schlösser sich lohnen, steht unter Loire-Schlösser.

2 La Vélodyssée an der Atlantikküste

Der französische Teil des EuroVelo 1 zieht sich über rund 1.300 Kilometer von der Bretagne bis an die spanische Grenze. Das Besondere: Ein großer Teil verläuft auf autofreien Wegen, im Süden kilometerlang durch den Pinienwald der Landes, wo du stundenlang keinen Motor hörst. Highlights sind der Kanal von Nantes nach Brest, La Rochelle, die Bucht von Arcachon und der Endspurt nach Biarritz und Saint-Jean-de-Luz.

Ehrlich gesagt: Der Westwind kommt meistens von vorn, wenn du von Süden nach Norden fährst. Plane also von Nord nach Süd. Mehr zur Küste findest du unter Atlantikküste.

3 EuroVelo 6 quer durch Frankreich

Die Route von der Atlantikküste bis ans Schwarze Meer durchquert Frankreich auf rund 1.300 Kilometern von Nantes über die Loire, den Canal du Centre und das Doubstal mit Besançon bis an den Rhein bei Basel. Der Osten ist der stille Teil: Kanäle, Schleusenwärterhäuser, kaum Verkehr, dazu Abstecher nach Beaune und ins Burgund.

Der Belag wechselt zwischen glattem Asphalt und festem Schotter am Kanal. Ein Reiserad oder Gravelbike ist besser als ein reines Rennrad.

4 Véloscénie: von Paris zum Mont-Saint-Michel

Rund 450 Kilometer von Paris bis zum Mont-Saint-Michel, mit Chartres und seiner Kathedrale als erstem großen Etappenziel. Danach geht es durch das hügelige Perche und die südliche Normandie, bevor dir die Silhouette des Klosterbergs am Horizont entgegenkommt. Das ist einer der schönsten Zielankünfte, die eine Radroute in Europa zu bieten hat.

Anders als an der Loire ist die Strecke wellig, mit einigen Anstiegen im Mittelteil. Rechne mit sechs bis neun Tagen.

5 Canal du Midi ab Toulouse

Rund 240 Kilometer von Toulouse bis ans Mittelmeer, im Schatten von Platanen, an Schleusen und Hausbooten entlang, mit Carcassonne als spektakulärem Zwischenstopp. Der Canal du Midi steht auf der Welterbeliste, und die Strecke ist praktisch steigungsfrei.

Die ehrliche Warnung: Der Treidelpfad ist streckenweise wurzelig, sandig oder nach Regen matschig, und wegen einer Baumkrankheit fehlt an vielen Abschnitten der alte Schatten. Breite Reifen sind Pflicht, im Hochsommer wird es sehr heiß.

6 ViaRhôna: von den Alpen ans Meer

Gut 800 Kilometer vom Genfer See durch das Rhonetal bis an die Mittelmeerküste. Du fährst durch Lyon, kommst an Weinbergen vorbei, streifst Orange und Avignon und endest zwischen Arles und der Camargue am Wasser. Die Route ist überwiegend flach und gut zu portionieren.

Der Mistral ist hier der Gegner, nicht die Steigung. Fahre von Nord nach Süd, dann hast du ihn meistens im Rücken.

7 Bretagne-Küste und Kanalroute

Entlang der Nordküste läuft die Vélomaritime, der französische Teil des EuroVelo 4, von Dünkirchen an der belgischen Grenze über die Normandie und Saint-Malo bis zum Fährhafen Roscoff im Finistère. Dazu kommt der Kanal von Nantes nach Brest quer durch die Bretagne, eine ruhige, fast flache Strecke im Landesinneren, ideal als Ausweichroute, wenn dir die Küste zu windig ist.

An der Küste ist es hügeliger, als die Karte vermuten lässt: ständig runter in eine Bucht und wieder hoch. Dafür bekommst du Ausblicke wie auf keiner anderen französischen Route.

8 Elsässer Weinstraße und Rhein

Die kürzeste Anreise ab Deutschland: Ab Straßburg oder Colmar fährst du auf ausgeschilderten Wegen durch die Weinberge der Elsässer Weinstraße, von Riquewihr über Kaysersberg nach Eguisheim. Die Etappen sind kurz, die Dörfer liegen dicht, und du kannst jederzeit auf die Bahnlinie im Tal ausweichen.

Am Rhein entlang läuft zusätzlich der EuroVelo 15, komplett flach und familientauglich.

9 Provence und der Mont Ventoux

Die Provence ist weniger Radfernweg als Rennradrevier: kleine Straßen durch den Luberon, Zypressenalleen, die Lavendelfelder und die Dörfer rund um Gordes. Über allem steht der Mont Ventoux, der kahle weiße Riese, den man aus der Tour de France kennt. Die klassische Auffahrt ab Bédoin misst über 20 Kilometer mit rund 1.600 Höhenmetern und praktisch ohne flache Erholung.

Wer ihn fahren will, braucht Training, sehr viel Wasser und einen frühen Start: Am Gipfel bläst fast immer Wind, und im Sommer wird es unten schnell brütend heiß.

Welche Route passt zu dir?

Route Länge Profil Passt zu
Loire à Vélo rund 800 bis 900 km flach Einsteiger, Familien, Schlösser
Vélodyssée rund 1.300 km flach bis wellig Strand, Wald, lange Etappen
EuroVelo 6 rund 1.300 km flach Kanäle, Ruhe, Ostfrankreich
Véloscénie rund 450 km wellig Paris bis Meer in einer Woche
Canal du Midi rund 240 km flach, teils grob kurze Tour, breite Reifen
ViaRhôna gut 800 km flach Alpen bis Mittelmeer
Mont Ventoux Tagestour sehr steil trainierte Rennradfahrer

Bahn plus Rad: ehrlich betrachtet

Die gute Nachricht: In den regionalen TER-Zügen nimmst du dein Rad in der Regel kostenlos mit, erkennbar am Fahrradpiktogramm am Wagen. Damit lassen sich Etappen abkürzen, Wind umgehen und Rundtouren bauen. Die schlechte Nachricht: Im Fernverkehr ist es komplizierter. Nicht jeder TGV nimmt montierte Räder mit, und wo er es tut, gibt es wenige Stellplätze, die separat reserviert werden müssen und in der Saison früh weg sind.

Der Ausweg ist die Fahrradtasche: Ein zerlegtes Rad in einer Hülle gilt als Gepäck und darf in jeden Zug. Das ist unhandlich, aber es funktioniert immer. Plane Umstiege großzügig, viele französische Bahnhöfe haben nur Treppen zu den Bahnsteigen. Wie das Buchungssystem tickt, steht im Beitrag Mit dem Zug durch Frankreich, und welche Städte sich ganz ohne Auto erreichen lassen, zeigt Frankreich ohne Auto.

Achtung: Reserviere den Fahrradstellplatz im Fernzug gleich zusammen mit dem Sitzplatz. Wer erst am Bahnhof fragt, steht bei ausgebuchtem Kontingent auf dem Bahnsteig, und der nächste Zug mit freien Plätzen fährt womöglich erst am Folgetag.

Radfreundliche Städte

Straßburg gilt als Frankreichs Fahrradhauptstadt: ein dichtes Netz, breite Wege, Radbrücken über den Rhein. Bordeaux und Nantes haben ihre Zentren konsequent umgebaut, in Montpellier und Grenoble ist alles flach und kurz, und Lyon hatte eines der ersten großen Leihradsysteme Europas. Selbst Paris ist inzwischen erstaunlich gut befahrbar, entlang der Seine und auf breiten Achsen mit geschützten Spuren. Anders sieht es in Städten mit Steigung und Kopfsteinpflaster aus, etwa in Teilen von Marseille.

Tipp: Kombiniere Stadt und Strecke. Zwei Nächte in Straßburg oder Bordeaux, danach vier Tage auf der Route: So bekommst du Museen, Märkte und Küche mit, ohne dass die Tour zur reinen Kilometerjagd wird. Die meisten Routen beginnen ohnehin an einem Bahnhof in der Innenstadt.

Beste Zeit und Ausrüstung

Mai, Juni und September sind die besten Monate: mildes Wetter, lange Tage, freie Unterkünfte. Der Juli und August funktionieren im Norden und an der Küste gut, im Süden ist es zum Radfahren oft zu heiß. Ein Reiserad oder Gravelbike mit Reifen ab 35 Millimetern passt zu fast allen Routen, ein reines Rennrad nur zu Asphaltstrecken wie der Provence. Regenjacke gehört immer ins Gepäck, an der Küste sowieso.

Häufige Fragen

Welcher Radweg in Frankreich eignet sich für Einsteiger?

Die Loire à Vélo. Sie ist fast durchgehend flach, sehr gut ausgeschildert, verläuft in weiten Teilen autofrei und hat alle paar Kilometer Unterkünfte und Bahnhöfe. Ein Abschnitt von fünf bis sieben Tagen, etwa Orléans bis Tours oder Tours bis Angers, ist eine perfekte erste Radreise. Als Alternative bietet sich die Elsässer Weinstraße an.

Kann man Fahrräder in französischen Zügen mitnehmen?

In den regionalen TER-Zügen meistens kostenlos und ohne Reservierung, erkennbar am Fahrradpiktogramm am Wagen. Im Fernverkehr nehmen nur bestimmte Züge montierte Räder mit, dann mit reservierungspflichtigem Stellplatz und knappem Kontingent. Ein zerlegtes Rad in einer Transporttasche gilt dagegen als Gepäck und darf in jeden Zug.

Was ist eine Voie Verte?

Ein autofreier Weg für Rad, Inliner und Fußgänger, meist auf einer stillgelegten Bahntrasse oder einem Kanaltreidelpfad. Weil Züge und Lastkähne kaum Steigungen vertrugen, sind Voies Vertes fast eben und damit ideal für Familien. Sie bilden das Rückgrat vieler nummerierter Véloroutes, die dazwischen auch über ruhige Landstraßen führen.

Muss man in Frankreich einen Fahrradhelm tragen?

Helmpflicht gilt für Kinder unter zwölf Jahren, als Fahrende und als Mitfahrende. Für Erwachsene ist der Helm freiwillig, aber sehr zu empfehlen. Vorgeschrieben ist dagegen eine reflektierende Warnweste, wenn du außerhalb geschlossener Ortschaften bei Dunkelheit oder schlechter Sicht fährst, dazu Licht und Klingel.

Wie schwer ist die Auffahrt auf den Mont Ventoux?

Sehr schwer. Die klassische Rampe ab Bédoin zieht sich über 20 Kilometer mit rund 1.600 Höhenmetern, der Mittelteil im Wald ist dauerhaft steil und bietet keine Erholung. Oben ist es kahl und windig, deutlich kühler als im Tal. Ohne Bergtraining, genug Wasser und frühen Start solltest du es nicht versuchen.

Wann ist die beste Zeit für eine Radreise in Frankreich?

Mai, Juni und September. Dann ist es mild, die Tage sind lang, und Unterkünfte entlang der Routen sind noch zu bekommen. Im Juli und August sind Nordfrankreich und die Atlantikküste angenehm, der Süden dagegen oft zu heiß. Im Frühjahr und Herbst zählt der Wind mehr als die Temperatur, plane die Richtung entsprechend.