Blog · Frankreich-Wissen

Märkte, Boulangerie und Mitbringsel: einkaufen wie ein Franzose

Zwei Orte erzählen mehr über Frankreich als jedes Museum: der Wochenmarkt am Vormittag und die Boulangerie an der Ecke. Hier kaufen Einheimische ein, hier hörst du, wie geredet wird, und hier bekommst du für wenig Geld das beste Essen des Tages.

Beides hat allerdings eigene Regeln, und wer sie nicht kennt, fällt sofort auf. Hier bekommst du die Anleitung: wie ein Markt abläuft und was man dort keinesfalls tut, wie du Baguette und Käse richtig bestellst, welche Mitbringsel sich wirklich lohnen und was du beim Transport und beim Zoll beachtest.

Märkte, Boulangerie und Mitbringsel: einkaufen wie ein Franzose
Foto: Dave - resting from Newcastle, UK, CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Marktmeist vormittags, Abbau um die Mittagszeit
  • Wichtigste Regelnichts selbst anfassen, der Händler reicht an
  • Bezahlenauf dem Markt oft nur bar
  • Beste Baguettedie baguette tradition, kein Zusatzstoff, kürzer haltbar
  • Boulangerieauch sonntagvormittags offen, Ruhetag oft montags
  • MitbringselKäse und Wein gut verpackt, Kühltasche ins Auto

Wie ein französischer Wochenmarkt funktioniert

Der marché ist in Frankreich kein Bauernmarkt für Feinschmecker, sondern normaler Einkauf. Fast jede Stadt und jedes größere Dorf hat einen festen Markttag, oft mehrere, und das Ganze läuft am Vormittag: Aufbau in aller Frühe, Hochbetrieb gegen zehn, Abbau um die Mittagszeit. Wer um halb eins kommt, sieht Kisten und Kehrmaschinen.

Die Struktur ist überall ähnlich. Obst und Gemüse in der Mitte, Käse und Wurst an eigenen Ständen, ein Fischwagen, ein Geflügelstand mit Brathähnchen, dazu Oliven, Gewürze, Seife und Stoff. In Südfrankreich kommt das Kräuter- und Olivensortiment dazu, in der Bretagne und an der Atlantikküste dominiert Fisch. Am schönsten sind Märkte in Städten wie Sarlat, Uzès und Aix-en-Provence, dazu der Cours Saleya in Nizza und die Markthallen wie die Halles Paul Bocuse in Lyon.

Marktetikette: was man nicht macht

Die wichtigste Regel zuerst: Fass nichts selbst an. Auf einem französischen Markt sucht der Händler aus, du sagst nur, was du willst und für wann. Wer eigenhändig in der Tomatenkiste wühlt, erntet einen Blick, den man nicht vergisst. Sag stattdessen, wofür du kaufst, dann bekommst du die passende Reife.

Der Ablauf: Bonjour sagen, warten bis du dran bist, Menge nennen, zahlen, Merci und Au revoir. Mengen gibt man in Kilo oder in Stück an, häufig reicht auch eine Handbewegung und ein „comme ça“. Bring einen Stoffbeutel mit, Tüten sind knapp, und nimm Bargeld, viele Stände haben kein Terminal. Wie du sonst zahlst, steht unter Bezahlen in Frankreich.

Tipp: Frag beim Käse und beim Obst immer, ob es für heute oder für später sein soll: „pour aujourd’hui“ oder „pour demain“. Der Händler wählt dann den passenden Reifegrad aus. Das ist der eine Satz, der dich vom Touristen zum Kunden macht, weitere findest du unter Französisch für die Reise.

Die Boulangerie: Baguette richtig bestellen

In einer französischen Bäckerei gibt es nicht ein Baguette, sondern mindestens zwei. Die baguette ordinaire ist das günstige Standardbrot, hell und weich. Die baguette tradition ist die handwerkliche Variante nach festen Regeln, ohne Zusatzstoffe, mit dunklerer Kruste und deutlich mehr Geschmack. Sie trocknet schneller aus, deshalb kauft man sie am selben Tag, im Zweifel zweimal.

Bestellt wird kurz: „Bonjour, une tradition, s’il vous plaît“. Wer mehr will, fragt nach pain de campagne, dem kräftigen Landbrot, oder nach einer ficelle, der dünnen kleinen Schwester des Baguettes. Am Vormittag ist alles frisch, in guten Häusern kommt am späten Nachmittag eine zweite Fuhre aus dem Ofen, genau dann kaufen die Einheimischen ihr Abendbrot.

Gut zu wissen: Das süße Gebäck heißt viennoiserie, nicht Kuchen: Croissant, pain au chocolat, pain aux raisins, chausson aux pommes. Im Südwesten rund um Toulouse und Bordeaux heißt das Schokoladenteilchen chocolatine, und darüber diskutiert das Land mit Hingabe. Beide Wörter versteht man überall.

Pâtisserie: die süße Seite

Die Pâtisserie ist die Konditorei und oft mit der Boulangerie im selben Laden. Hier stehen die Klassiker in der Vitrine: éclair, mille-feuille, tarte au citron, paris-brest, dazu regionale Spezialitäten. Bestellt wird pro Stück, eingepackt wird sorgfältig, meist in einem kleinen Karton mit Band, den du gerade tragen kannst.

Für ein Picknick ist das die perfekte Ergänzung zum Markteinkauf: Baguette, Käse, Obst, dazu zwei Stück Gebäck. Wo du dich in den großen Städten am besten durchprobierst, steht auf unseren Seiten zu Essen und Trinken in Paris und in Straßburg.

Käse kaufen, ohne sich zu blamieren

Beim fromager gilt dieselbe Logik wie auf dem Markt: Du beschreibst, was du suchst, und lässt dich führen. Sag, ob du etwas Mildes oder Kräftiges willst, ob es zum Wein passen soll und für wann du es brauchst. Probieren wird oft angeboten, nimm das Stück mit dem Messer entgegen, statt selbst zuzugreifen.

Drei bis vier Sorten reichen für einen schönen Teller, mehr wird unübersichtlich. Wer eine Region bereist, kauft dort, was von dort kommt, das ist der ganze Trick: Ziegenkäse in der Provence und im Loiretal, kräftige Sorten in der Normandie, Bergkäse in Savoyen. Zu welchen Gerichten das passt, steht in unserer Liste der französischen Gerichte.

Die sechs Mitbringsel, die sich wirklich lohnen

1 Käse

Das klassische Mitbringsel und robuster, als viele denken. Bitte den Händler, den Käse für die Reise einzuschweißen, dann übersteht er auch eine lange Autofahrt. Ins Auto gehört eine Kühltasche, im Flugzeug gehören weiche Sorten ins aufgegebene Gepäck, weil sie als Flüssigkeit gelten können.

2 Wein

Kauf lieber beim Winzer oder im Weinladen als im Supermarkt und lass dich beraten, welche Flasche Transport verträgt. Frag nach einem Karton mit Trennstegen, den gibt es fast überall. Wo du fündig wirst, zeigt unsere Übersicht der Weinregionen Frankreichs, etwa im Burgund, in der Champagne oder rund um Saint-Émilion.

3 Senf, Salz und Öl

Senf aus Dijon, Meersalz von der Atlantikküste, Olivenöl aus dem Süden: unzerbrechlich genug, wenn du sie in Kleidung wickelst, und im Alltag zu Hause tatsächlich brauchbar. Öl und Senf gehören ins aufgegebene Gepäck.

4 Regionale Süßigkeiten

Fast jede Region hat ihre eigene Spezialität, von den Canelés in Bordeaux über Nougat im Rhonetal bis zum gesalzenen Karamell der Bretagne. Diese Dinge halten lange, sind leicht und lassen sich gut aufteilen.

5 Lavendel und Seife

In der Provence sind Lavendelprodukte und Seife aus Marseille das naheliegende Mitbringsel. Achte auf Läden, die erklären können, woher die Ware stammt, siehe auch Lavendelfelder in der Provence.

6 Gewürze und Kräuter

Kräuter der Provence, Piment aus dem Baskenland, Vanille- und Backzutaten aus dem Supermarkt: leicht, günstig und im Winter eine schöne Erinnerung an den Sommer.

Transport und Zoll

Innerhalb der EU gibt es keine Zollgrenzen, du darfst Lebensmittel, Wein und Käse für den privaten Bedarf ohne Weiteres mitnehmen. Für Alkohol und Tabak gelten Richtmengen, ab denen der Zoll genauer hinschaut, ob es sich noch um Eigenbedarf handelt. Wer aus Frankreich in die Schweiz zurückfährt, muss dagegen Freimengen beachten und größere Mengen anmelden, das gilt besonders für Fleisch, Alkohol und Milchprodukte.

Praktisch wichtiger ist der Transport: Kühltasche ins Auto, Flaschen aufrecht und gepolstert, Käse doppelt verpackt. Im Flugzeug gehören Flüssigkeiten und weiche Sorten ins aufgegebene Gepäck. Und plane den Einkauf für den letzten Reisetag ein, nicht für den ersten, dann kommt alles frisch zu Hause an.

Achtung: Auf Märkten in stark besuchten Orten stehen zwischen den echten Ständen auch Wiederverkäufer mit importierter Massenware. Erkennbar sind sie an einem Sortiment, das nicht zur Jahreszeit passt, und an fehlender Herkunftsangabe. Frag im Zweifel, woher die Ware kommt, das ist völlig üblich.

So sieht ein perfekter Markttag aus

Früh los, mit Stoffbeutel und Bargeld. Erst eine Runde ohne zu kaufen, um Preise und Auswahl zu sehen, dann gezielt einkaufen. Baguette zum Schluss, damit sie nicht in der Tasche zerdrückt wird. Danach ein Kaffee am Rand des Markts, während der Platz leer geräumt wird.

Mittags folgt das Picknick an der schönsten Stelle, die du am Vormittag gesehen hast, das ist die günstigste und oft beste Mahlzeit der ganzen Reise, siehe auch Budget für Frankreich. Und wenn du abends doch ins Lokal gehst, hilft dir der Restaurant-Knigge. Denk nur an die Ruhetage: Montags finden kaum Märkte statt, dazu mehr unter Feiertage und Ruhetage.

Häufige Fragen

Wann finden Wochenmärkte in Frankreich statt?

Fast immer am Vormittag, mit Hochbetrieb gegen zehn und Abbau um die Mittagszeit. Jede Stadt und viele Dörfer haben feste Markttage, häufig mehrere pro Woche, am Wochenende ist die Auswahl am größten. Montags ist Markt eher selten. Die genauen Tage hängen am Rathaus aus und stehen bei der örtlichen Touristeninformation.

Darf ich auf dem Markt Obst und Gemüse selbst aussuchen?

Nein, das ist die wichtigste Regel. Der Händler sucht aus und reicht dir die Ware an. Sag stattdessen, wie viel du brauchst und für wann, dann bekommst du den passenden Reifegrad. Wer selbst in die Kisten greift, gilt als unhöflich. Bonjour zu Beginn und Merci am Ende gehören genauso dazu.

Welche Baguette soll ich in der Boulangerie bestellen?

Die baguette tradition. Sie wird nach festen Regeln ohne Zusatzstoffe gebacken, hat eine dunklere Kruste und deutlich mehr Geschmack als das Standardbaguette. Dafür trocknet sie schneller aus, kauf sie also am Tag des Verzehrs. Der Satz dazu lautet: „Bonjour, une tradition, s'il vous plaît.“

Was heißt chocolatine?

Das ist die südwestfranzösische Bezeichnung für das Schokoladenteilchen, das im Rest des Landes pain au chocolat heißt. Rund um Toulouse und Bordeaux sagt man chocolatine, und die Debatte darüber wird mit Vergnügen geführt. Verstanden wirst du mit beiden Wörtern überall, mit dem lokalen Wort erntest du ein Lächeln.

Kann ich Käse und Wein aus Frankreich mit nach Hause nehmen?

Innerhalb der EU ja, für den privaten Bedarf ohne Zollformalitäten. Für Alkohol gelten Richtmengen, ab denen der Zoll den Eigenbedarf hinterfragt. Lass Käse einschweißen, transportiere ihn gekühlt und stelle Flaschen aufrecht und gepolstert ins Auto. Im Flugzeug gehören Flüssigkeiten und weiche Käsesorten ins aufgegebene Gepäck.

Kann ich auf dem Markt mit Karte zahlen?

Manche Stände haben ein Terminal, viele nicht. Nimm Bargeld mit, am besten kleine Scheine und Münzen, dann geht es schneller und du kommst überall zum Zug. Ein Stoffbeutel gehört ebenfalls dazu, Tüten sind knapp. In festen Markthallen ist Kartenzahlung deutlich üblicher als auf dem Straßenmarkt.